Spinnen

Spinnen sind ein heikles Thema für viele Menschen. Allerdings sind fast alle Spinnen, die bei uns vorkommen, völlig harmlos, und auch die, die Menschen beißen können, sind meist wesentlich ungefährlicher als die Angst sie macht (wie bei anderen tierischen Giften kann es allerdings auch bei Spinnenbissen zu gefährlichen allergischen Reaktionen kommen). Wer sich die Zeit nimmt, Spinnen ein bisschen genauer zu betrachten, wird feststellen, das sie nicht nur äußerst interessante, sondern oft auch ausgesprochen schöne Tiere sind. Hier möchte ich ein paar bei uns auf Naxos lebende Arten vorstellen, in der Hoffnung, dass manche Leser ihre Meinung über sie ein wenig revidieren. Wer sich für das Thema ganz und gar nicht erwärmen kann, braucht sich den Artikel ja nicht durchzulesen…!

Spinnen gehören gemeinsam mit den Insekten, den Krebstieren und mehreren kleineren Gruppen zum sehr großen und bedeutenden Tierstamm der Gliederfüßer; die Webspinnen bilden gemeinsam mit Milben, Skorpionen, Weberknechten u.a. die Klasse der Spinnentiere. Es gibt an die 50.000 Webspinnen-Arten auf der Erde.

Körperbau

Spinnen besitzen einen zweiteiligen Körper und acht Beine, im Gegensatz zu den Insekten, deren Körper dreigeteilt ist (Kopf, Brust, Hinterleib) und sechs Beine trägt. Der Kopf der Spinnen ist mit zu Mundwerkzeugen umgebildeten Gliedmaßen ausgestattet (Kieferklauen mit Giftdrüsen und Kiefertaster). Im Gegensatz zu den Insekten haben die Spinnen keine Facettenaugen, sondern acht Punktaugen, meist zwei größere und sechs kleinere. Viele Spinnen können gut sehen; auch die Tast-Sinnesorgane sind sehr gut ausgebildet. Zum Hören dienen spezielle Hörorgane, die an den Beinen sitzen, aber auch in Büscheln stehende Becherhaare (ebenfalls an den Beinen), mit denen die Spinne Schwingungen wahrnimmt.


An dieser Kreuzspinne sieht man den großen Hinterleib, die vier Beinpaare, die vom viel kleineren Vorderkörper ausgehen, und die großen, an der Spitze verdickten Kiefertaster; am Kopf kann man auch zwei kleine, nah beeinander sitzende Augen erkennen.

Die charakteristischste Eigenheit der Spinnen ist ihre Fähigkeit Fäden und Netze zu spinnen; tatsächlich leitet sich ja auch ihr Name davon ab. Sie teilen diese Fähigkeit mit vielen Insekten (deren Larven Kokons spinnen), aber z.B. auch mit manchen Tausendfüßlern und Muscheln (manche Muschelarten heften sich mit sogenannten Byssusfäden am Untergrund fest, aus denen bei der Großen Steckmuschel sogar Kleidungsstücke gewebt werden können; auch das Permutt an der Schaleninnenseite enthält Seidenproteine).

Die Spinnseide wird bei den Spinnen von meist sechs Spinndrüsen abgesondert, die in deutlich sichtbaren Spinnwarzen an der Unterseite des Hinterleibs liegen. In den Spinndrüsen liegt die Seide noch in Form ihrer Polymerbestandteile vor, die in Salzlösung gelöst sind; sie formt sich als Seidenfaden, sobald sie an die Luft abgeschieden wird. Dabei stellen die Spinnen je nach Verwendungszweck eine ganze Reihe unterschiedlicher Fadentypen her, die eine unterschiedliche Stärke, Dicke und Elastizität aufweisen; die Gestaltung dieser Fäden wird oft durch winzige sogenannte Spinnspulen kontrolliert.

Dicke, starke Fäden verwendet die Spinne für ihre „Sicherungsleine“ und für das Gerüst des Netzes (Rahmenfäden, Speichen, Signalfaden) sowie auch für Fang- und Stolperfäden und die Herstellung der Wohnröhre. Der Klebfaden des Netzes ist dagegen dünner und besonders elastisch. Sehr feine Seide wird für die Innenauskleidung des Eikokons und für das Einspinnen der Beute verwendet; außen wird der Kokon von besonders zäher Seide umhüllt. Auf die Fangfäden und die Anheftungspunkte der Fäden des Netzes trägt die Spinne einen speziellen Leim auf, der als Klebstoff dient; bei manchen urtümlichen Gattungen dient demselben Zweck eine sehr feine Wolle auf den Fäden, in der sich die Beute verheddert (für ein Foto s.u., unter Lochröhrenspinnen).


Bei diesem Exemplar von Argiope lobata sieht man an der Unterseite des großen Hinterleibs deutlich die Spinnwarzen, die den Seidenfaden absondern.

Die Seidenfäden der Spinnen sind extrem belastbar (fünfmal stärker als Stahl) und dehnbar (um das Dreifache). Sie werden von Bakterien nicht angegriffen und sind sehr haltbar, aber trotzdem biologisch abbaubar: ein ideales Material, von dessen Effizienz menschliche Techniker nur träumen können.

Lebensweise

Spinnen leben räuberisch, obwohl vermutlich einige Arten auch größere Mengen an Pollen zu sich nehmen. Der überwiegende Anteil der Beutetiere sind Insekten. Nach dem Fangen wird die Beute durch einen Biss gelähmt oder getötet; dann wird Verdauungssekret injeziert und das Opfer schließlich ausgesaugt.


Diese kleine Krabbenspinne hat einen Admiral erbeutet.


Kreuzspinne mit Beute

Die Männchen sind bei den Spinnen oft wesentlich kleiner als die Weibchen. Die Begattung erfolgt meist äußerlich durch die Übergabe von Spermienpaketen. Die Weibchen tragen die Eier oft in einem Eikokon mit sich herum oder bewachen sie in ihrem Netz.


Bei vielen Spinnenarten sind die Weibchen um ein Vielfaches größer als die Männchen, wie hier bei Argiope lobata – das kleine Männchen, das seitlich auf der umsponnenen Beute sitzt, ist kaum zu entdecken.


Opuntienspinne mit Eikokon; diese Art hängt den Eikokon im Netz auf.


Hier sieht man die kleinen Jungspinnen, die noch im Netz der Mutter hocken.


Die Listspinne benutzt kein Netz, um ihre Beute zu fangen, aber sie fertigt ein spezielles Gespinst an, in dem ihr Nachwuchs die ersten Tage oder Wochen verbringt, bis die Jungspinnen allein überleben können.

Bei manchen Arten lassen sich die Jungtiere im Herbst an speziellen langen Flugfäden weit durch die Gegend tragen („Altweibersommer“); das kann man auch auf Naxos in der Phrygana oft eindrucksvoll beobachten; die meterlangen Fäden werden hoch in die Luft geweht und kilometerweit transportiert.

Spinnennetze und andere Jagdstrategien

Viele Spinnenarten fangen ihre Beute in artspezifischen, oft sehr aufwendig und kompliziert angefertigten Spinnennetzen. Andere Arten jagen ihre Beute aktiv (Springspinnen, Wolfsspinnen) oder lauern ihr z.B. auf Blüten auf (Krabbenspinnen).

Die meisten Spinnenarten bauen ihr Netz in der Nacht; manchmal wird es jede Nacht erneuert, manchmal in größeren Abständen. Manche Arten verwenden viel Sorgfalt darauf, ihr Netz sauber zu halten, während es bei anderen Arten bald mit „Müll“ übersäht ist.


Spinnenetze im Morgentau

Radnetze


Eine Kreuzspinne sitzt in der Mitte ihres Netzes.

Radnetze sind mehr oder weniger regelmäßige, runde, meist senkrecht gespannte Netze; bei manchen Arten lässt die Spinne einen Sektor des Rades frei oder baut es weniger regelmäßig. Für die Erstellung des Radnetzes lässt die Spinne als erstes einen Faden von einer hohen Warte aus zu einem anderen Befestigungspunkt hinüberwehen, läuft hinüber, wenn sich der Faden verfangen hat und spinnt dabei einen weiteren Faden, den sie möglichst weit oben befestigt. Dann läuft sie zur Mitte, seilt sich ab und zieht mehrere weitere Fäden, so dass die ersten Speichen des Rades entstehen. Danach zieht sie die rundherum liegenden Rahmenfäden und fügt weitere Speichen ein. Im Zentrum des Netzes (Nabe) wird oft eine feine Spirale gezogen. Von dort aus legt die Spinne dann eine nicht klebende Hilfsspirale; diese entlanggehend zieht sie danach von außen nach innen die feine, enge Fangspirale aus Klebefaden ein, wobei sie die Hilfsspirale wieder entfernt. Ganz zum Schluss wird die Nabe neu gestaltet, manchmal bleibt die Mitte frei, manchmal besteht sie aus einer feinen, nicht-klebenden Spirale. Bei den größeren Arten wie Kreuzspinnen sitzt das Tier meist in der Mitte des Netzes.


Hier sieht man eine Kreuzspinne bei der Erstellung des Netzes. In der Mitte liegt die Nabe mit der feinen, anders gestalteten Spirale. Die Spinne läuft die Hilfsspirale entlang und heftet mit ihrem Hinterbein den Faden für die Klebespirale an jeder Speiche fest.

Im Gegensatz zu den großen Radnetzspinnen, die meist in der Mitte des Netzes sitzen, ziehen kleinere Spinnen gewöhnlich einen Signalfaden von der Netzmitte zu einem nahegelegenen Versteck, wo sie sich in einem kleinen Gespinst verstecken. In diesem Fall steht das Netz nicht ganz senkrecht, sondern ist etwas konisch zur Seite gezogen.


Hier sieht man das Netz einer kleinen Spinne, die nicht in der Mitte des Netzes sitzt, sondern von dort aus einen Signalfaden zu ihrem Versteck gezogen hat (nicht so gut zu sehen; führt nach links); die Spinne sitzt an einem der Blätter. 


An diesem Netz einer kleinen Streifenkreuzspinne sieht man deutlich die anders gestaltete, hier besonders große und sorgfältig gewebte Nabe.

Baldachinnetze

Manche Spinnen, so die auf Naxos vorkommende Opuntienspinne, legen waagerecht ausgerichtete Radnetze an, über denen sie ein Gewirr von Fäden spannen, die die vorbeifliegenden Insekten zum Abstürzen bringen, so dass sie in das darunter aufgespannte feine Radnetz fallen. Waagerecht liegende Radnetze mit „Stolperfäden“ darüber werden meist als Baldachinnetze bezeichnet.


Bei der Opuntienspinne liegt das Radnetz waagerecht; es fängt die Insekten auf, die gegen die darüber gespannten Fäden fliegen und abstürzen.


Hier sieht man das feinmaschige, etwa waagerecht liegende Radnetz mit den kreuz und quer gespannten „Stolperfäden“ darüber; oberhalb der etwas in die Höhe gezogenen Mitte des Netzes hat die Spinne ihren Eikokon angebracht.

Raumnetze

Viele Spinnenarten bauen keine regelmäßigen Radnetze, sondern ziehen ein unregelmäßiges Gewirr von Fäden, in denen sich die Beute verfängt, so die Zitterspinnen, die man häufig auch Häusern antrifft. Unter Möbelstücken findet man oft eine andere Art von Raumnetzen, bei denen die Spinne Fangfäden zum Boden zieht, an denen sich vorbeilaufende Insekten verfangen.


typisches Raumnetz mit einem Gewirr von kreuz und quer gespannten Fäden


Die Raumnetze der Zitterspinnen haben im unteren Bereich ein feiner gearbeitetes Netz zum Auffangen der herunterfallenden Insekten; dieses ist oft so wie hier gewölbt.


In den Zweigspitzen der Bäume (hier Ephedra) befinden sich oft kleine Raumnetze von winzigen, unauffälligen Spinnen; auch diese sind im unteren Bereich oft deutlich dichter gewebt.

Trichternetze

Viele Spinnenarten bauen kleine oder große Netze, die einen Trichter aufweisen, in dem sich die Spinne aufhält. Von hier aus nimmt sie die Erschütterungen wahr, die durch ein verfangenes Insekt hervorgerufen werden, und kommt dann schnell aus ihrem Trichter hervor. Manche Arten bauen vor ihrem Trichter ein sehr großes, mehr oder weniger waagerecht aufgespanntes, dichtes Netz; bei anderen Arten ist das Netz nur sehr klein oder sie ziehen vor ihrer Röhre nur einige Stolperfäden, die sie auf ein vorbeilaufendes Insekt aufmerksam machen.


Trichternetze sind über den Boden ausgebreitet und besitzen einen mehr oder weniger deutlichen Trichter, der der Spinne als Versteck dient.


Hier sieht man in den Trichter hinein, in dem die Spinne sitzt und wartet; das Netz ist um den Trichter herum sehr dicht und fein gewebt.


Vor diesem Trichternetz sind nur einige Stolperfäden gespannt, die dazu dienen, die Spinne zu alarmieren, wenn ein Insekt vorbeiläuft, so dass sie herausgelaufen kommt und das Insekt schnappt.


Und noch eine Röhre, vor der ein kleines Netz mit Stolperfäden ausgebreitet ist.

Jagdspinnen

Nicht alle Spinnen bauen Netze für den Beutefang. Viele Arten fangen ihre Opfer, in dem sie umherlaufen und sich ihre Beute suchen. Zu diesen aktiven Jägern gehören viele nachtaktive Spinnenarten wie beispielsweise die Wolfsspinnen, aber auch die tagktiven Springspinnen. Die kleinen, gut getarnten Krabbenspinnen lauern ihrer Beute an speziellen Warten auf; häufig sitzen sie auf Blüten. Zu den Jägern rechnet man auch die Wurfnetzspinnen, die ein kleines Netz zwischen ihren Vorderbeinen halten, mit dem sie die Beute aus der Luft angeln oder vom Boden schnappen.


Die Krabbenspinnen mit ihren langen, zum Greifen ausgebildeten Vorderbeinen lauern ihrer Beute auf Blüten auf.


Die Springspinnen schleichen sich an ihre Beute an und ergreifen sie, oft durch einen plötzlichen Sprung, mit ihren Kieferklauen. Springspinnen besitzen große und sehr leistungsfähige Augen, die vorn sowie seitlich am Kopf sitzen und in alle Richtungen schauen.

Feinde

Spinnen haben zahlreiche Feinde, die insbesondere die Zahl der großen, einfach zu entdeckenden Radnetzspinnen deutlich beschränken. Dazu zählen nicht nur die Vögel, sondern auch manche Insekten, so die Spinnen-Wegwespe, die bei uns im Garten im Frühsommer im Lauf weniger Wochen alle großen Kreuzspinnen einsammelt.


Die Spinnen-Wegwespe fängt große Kreuzspinnen, lähmt sie durch einen Biss und trägt sie dann (zu Fuß) in ein in der Erde angelegtes Nest, in dem sie je mehrere Spinnen als Nahrungsvorrat für ihre Larven deponiert.

Spinnen als Gefahr und als Helfer in Haus und Garten

Spinnen sind bei den meisten Menschen sehr unbeliebt, was für die großen Arten verständlich, aber generell ungerechtfertigt ist. Spinnen sind für Menschen im Allgemeinen nicht oder kaum gefährlich, insbesondere die in Europa anzutreffenden Arten. Selbst bei den giftigsten Arten kommt es nur selten zu Todesfällen; inzwischen stehen in den betroffenen Regionen auch Gegenmittel zur Verfügung, die die Wirkung des Bisses abmildern. Die giftigste Art in Europa ist vermutlich die Schwarze Witwe, eine eher kleine, schwarze Art mit roten Flecken auf dem runden Hinterleib; auch bei ihr kommt es jedoch nur sehr selten zu Todesfällen. Die Art ist nachtaktiv und wenig aggressiv; wie bei anderen Spinnen oder Gifttieren allgemein auch, läuft man die größte Gefahr, einer Schwarzen Witwe zu begegnen, wenn man große Steine umdreht; auch in dunklen, nicht genutzten Ecken der Häuser können sie sich aufhalten.

Trotz ihrer Unbeliebtheit sind Spinnen bei objektiver Betrachtung für den Menschen sehr nützlich. Sie fangen Fliegen, Mücken und andere lästige Insekten und spielen als Jäger eine wichtige Rolle im Naturhaushalt. Entsprechend ist es sinnvoll, im Garten die Spinnen ungestört leben zu lassen, ebenso manche kleinere Arten im Haus wie die Springspinnen, die an den Fenstern fleissig die Fliegen wegfangen.

Spinnen-Arten auf Naxos

Im Folgenden will ich einige der bei uns vorkommenden Arten vorstellen. Ich muss dazu anmerken, dass die genaue Bestimmung ohne mikroskopische Untersuchung bei vielen Arten nicht möglich ist. Ich kann also keinesfalls garantieren, dass alle Arten hier richtig benannt sind, hoffe aber, dass ich in den meisten Fällen wenigstens ungefähr richtig liege.

Zitterspinnen (Phocicidae)

Zitterspinne, Holocnemus pluchei


Die Zitterspinne mit ihren langen, dünnen Beinen und dem kleinen, schlanken Körper lebt in unregelmäßigen Raumnetzen, die sie unter Dächern oder in Gebäudewinkeln anbringt. Bei Störung versetzt sie das Netz und damit sich selbst in Schwingungen, damit sie schwerer zu sehen und erbeuten ist, daher rührt der Name Zitterspinne. Die Zitterspinne ist in ganz Mittel- und Südeuropa verbreitet.

Radnetzspinnen (Araneidae)

Gehörnte Kreuzspinne, Araneus angulatus


Die Gehörnte Kreuzspinne ist bei uns die auffälligste große Spinnenart; auch sie ist aber im Garten meist nur im Frühjahr anzutreffen. Sie erreicht eine beträchtliche Größe und kommt auch in der Macchie häufig vor. Sie ist an den Buckeln am Hinterleib zu erkennen; die Färbung ist wie bei den meisten Spinnenarten recht variabel. Die Gehörnte Kreuzspinne ist europaweit verbreitet; sie ist eine von zahlreichen Arten der Gattung Araneus.

Streifenkreuzspinne, Mangora acalypha


Die meisten Spinnenarten variieren je nach Geschlecht, Alter und Region ziemlich in der Färbung; oft weisen sie allerdings eine charakteristische Musterung auf, wie die kleine Streifenkreuzspinne. Diese Art kommt in ganz Europa häufig vor.

Körbchenspinne, Agalenatea redii ?


Bei dieser kleinen Kreuzspinne handelt es sich vermutlich um die Körbchenspinne.

Eichblatt-Radnetzspinne, Aculepeira ceropegia


Diese hübsche kleine Art besitzt eine charakteristische Musterung des Hinterleibs, die an ein gebuchtetes Eichenblatt erinnert. Sie fertigt in der Netzmitte ein dichtes Gespinst an, auf dem sie oft sitzt. Sie ist in ganz Europa verbreitet.

Argiope lobata


Die mit der Wespenspinne verwandte Argiope lobata baut in ihr Netz ebenso wie jene ein Zickzackband ein, das sogenannte Stabiliment, dessen Funktion ungeklärt ist. Sie unterscheidet sich von der Wespenspinne an den seitlichen Ausbuchtungen des Hinterleibs. Auf dem oberen Foto sieht man die Unterseite, auf dem unteren die Oberseite der Spinne.


Diese Art ist in Süd- und Osteuropa verbreitet; mit bis zu 2,5 cm gehört sie zu den größeren Arten.

Opuntienspinne, Cyrtophora citricula


Die Opuntienspinne baut große, sehr fein gewebte Baldachinnetze, für deren Herstellung sie mehrere Nächte braucht. Oft legen mehrere Weibchen ihre Netze stockwerkartig übereinander an.


Hier sieht man die charakteristische Zeichnung der schwarzen Opuntienspinne. Diese Art ist auf Südeuropa beschränkt.

Wolfsspinnen (Lycosidae)

Pardosa spec.


Wolfspinnen bauen keine Netze, sondern jagen ihre Beute „zu Fuß“. Sie sind nachtaktiv und leben am Boden, in der Laubstreu und unter Steinen, kommen aber auch in die Häuser. Bei vielen Arten sind die Körperseiten dunkler als der „Rücken“. Die vielen in Europa beheimateten Arten sind nicht leicht auseinander zu halten; hier könnte es sich um eine Pardosa-Art handeln.


Die Wolfspinnen besitzen leistungsfähige Augen, mit denen sie auch im Dunkeln gut sehen können. Unterhalb der großen, nach vorne gerichteten Augen liegen zwei Paare kleinere Augen. Auffällig sind auch die besonders großen Kieferklauen. Die weiblichen Wolfsspinnen tragen erst den Eikokon, dann die Jungspinnen mit sich herum und kümmern sich um sie.

Raubspinnen (Pisauridae)

Listspinne, Pisauria mirabilis ?


Die Listspinne ist eine Raubspinne, die ihre Beute „zu Fuß“ überwältigt. Das Weibchen trägt den Eikokon mit sich herum; bevor die Jungspinnen schlüpfen, baut die Mutter für sie ein Kinderstuben-Gespinst, das einen Pflanzenspross oder mehrere Blätter einhüllt, und in dem der Nachwuchs vor Fressfeinden geschützt ist.

Trichterspinnen, (Agelenidae)

Agelena orientalis ?


Die Trichterspinne Agelena orientalis kommt in Italien und Südosteuropa vor. Sie baut große, auffällige Trichernetze, die sie in der Vegetation ausbreitet.


Hier sieht man ein typisches Netz dieser Art; auch die Spinne ist sichtbar.


Die Spinne am Eingang zu ihrem Trichter. Typisch für die Art sind die Färbung und die Zeichnung des Hinterleibs; für eine sichere Bestimmung ist aber auch hier eine mikroskopische Untersuchung erforderlich.

Textrix spec.?


Bei dieser bis 8 mm großen Spinne handelt es sich möglicherweise im eine Angehörige der Gattung Textrix, die ebenfalls zu den Trichterspinnen gehört und ein kleines Trichternetz baut; sie kann jedoch auch außerhalb ihrer Röhre angetroffen werden.

Lochröhrenspinnen (Filistatidae)

Filistata insidiatrix


Diese kleine Spinne baut ihre Wohnröhre an Steinen, in Mauern und in Gebäudeecken. Vor der Röhre breitet sie ein kleines Netz mit längeren Stolperfäden aus. Sobald ein Insekt diese Fäden in Schwingungen versetzt, schnellt sie aus der Röhre hervor und schnappt sich die Beute. Man kann die Spinne hervorlocken, indem man am Netz zupft; sie lässt sich aber nur für ein paar Sekunden blicken, und ich konnte sie nur mit einem Filmchen „erwischen“, wovon ich dieses Bild dann abfotografiert habe (deswegen ist die Qualität des Fotos nicht so überragend).


Die Lochröhrenspinnen gehören zu den Spinnen, die cribellate Fäden produzieren, d.h. die Fangfäden sind nicht mit Leim bestrichen, sondern mit einer feinen, kräuseligen Wolle bedeckt, in der die Insekten sich verfangen.

Fischernetzspinnen (Dysderoidea)

Segestria florentina


Diese Art baut eine an beiden Seiten offene Röhre; sie hält sich meist unter Steinen auf. Die Weibchen werden bis über 2 cm groß und können unangenehm beißen. Die Art ist in weiten Teilen Europas verbreitet und kommt auch in Deutschland vor, ist aber nur selten anzutreffen. Charakteristisch für die Gattung ist die Haltung der Beine, mit drei nach vorn und einem nach hinten gerichteten Beinpaar. Die Fischernetzspinnen besitzen nur drei Augenpaare.

Krabbenspinnen (Thomisidae)

Thomisus onustus


Diese in Europa weit verbreitete Krabbenspinne kann sehr unterschiedlich gefärbt sein: weiß, gelb, orangebraun oder rosa, entweder einfarbig oder mit Streifen. Die Art kann ihre Körperfarbe der Farbe ihrer Umgebung anpassen, so dass sie gut getarnt ist. Typisch ist die Körperform mit den zwei seitlichen Ausbuchtungen am Hinterleib. Die Art ist wärmeliebend; in Deutschland kommt sie nur vereinzelt vor und ist dort als gefährdet eingestuft. Auf Naxos ist sie sehr häufig. Sie sitzt meist auf Blüten, wo sie ihrer Beute auflauert; sie kann auch große Schmetterlinge überwältigen. Die Männchen sind wesentlich kleiner als die Weibchen und schwer zu entdecken.

Runcinia grammica


Eine weitere Krabbenspinnen-Art, die bei uns vorkommt, ist die hier abgebildete Runcinia grammica, die an den Streifen auf dem Vorder- und Hinterkörper erkennbar ist. Dieses Exemplar hat eine Fliege erbeutet.

Springspinnen (Salticidae)

Zebra-Springspinne, Salticus scenicus


Die hübsche Zebra-Springpinne ist eine von vielen Springspinnen-Arten, die auf Naxos vorkommen. Sie ist an ihrer Färbung leicht zu erkennen. Bei diesem Exemplar sieht man gut die zwei großen, nach vorn gerichteten Augen; zwei weitere kleinere Augen sehen ebenfalls nach vorn; die zwei übrigen Augenpaare sind zu den Seiten bzw nach hinten hin ausgerichtet; so kann die Springspinne in alle Richtungen zugleich sehen. Auf kurze Entfernungen kann die Springspinne besser sehen als der Mensch. Sie springt ihre Beute mit großer Präzision aus bis zu 5 cm Abstand an; die Bewegung wird nicht durch Muskelkontraktion hervorgerufen, sondern durch ein plötzliches Erhöhen des Hämolymph-Druckes.

Menemerus semilimbatus


Diese kleinen Springspinnen suchen vor allem auf Mauern und Steinen nach Beute; sie kommen auch in die Häuser und sitzen besonders gern an der Innenseite der Fenster, wo sie die sich dort ansammelnden Fliegen fangen. Menemerus semilimbatus ist in Südeuropa weit verbreitet; sie ist an der Färbung mit dem charakteristischen kleinen, weißen Dreieck auf dem Rücken zu erkennen. Wie alle Springspinnen besitzt auch diese Art auffällige und leistungsfähige Augen, die in alle Richtungen schauen. Sie ist bei uns sehr häufig.

Goldaugen-Springspinne, Philaeus chrysops


Bei der Goldaugen-Springspinne sind nur die Männchen auffällig rotschwarz gefärbt; sie Weibchen sind graubraun. Diese Art kommt in ganz Mittel- und Südeuropa vor; in Deutschland ist sie wegen ihrer Bindung an trockene, offene, naturbelassene Standorte jedoch vom Aussterben bedroht. Auch auf Naxos ist diese Art zwar regelmäßig, aber nicht häufig anzutreffen.

Baldachinspinnen (Linyphiidae)

Trematocephalus cristatus ?


Netze dieser Art finden sich überall auf Naxos in niedriger Vegetation. Normalerweise sind sie unauffällig und leicht zu übersehen; aber hier hat sie der Tau in hübsche Augenfänger verwandelt. Vermutlich werden sie von Baldachinspinnen erstellt. Baldachinspinnen sind in allen Lebensräumen Europas sehr häufig. Die Jungspinnen dieser Arten lassen sich im Herbst mit Flugfäden „verwehen“.


Baldachinspinnen bauen wenig strukturierte Netze mit wirren „Stolperfäden“ über einem Fangnetz. An den hier abgebildeten Netzen ist eine trichterartige Struktur zu erkennen; auf dem Foto sieht man auch die kleine Spinne in der Nähe des „Trichters“. Obwohl es sich hier nicht um typische Baldachinnetze zu handeln scheint, ist die Spinne nach ihrem Aussehen vermutlich doch den Linyphiidae zuzuordnen.


Und hier noch ein genaueres Bild von der Spinne; dem Aussehen nach könnte es sich beispielsweise um Trematocephalus cristatus handeln.

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