Solitäre Wespen und Bienen

Die interessantesten Insekten sind meiner Ansicht nach die Wespen und die Bienen. Beide gehören zur vielgestaltigen Insektenordnung der Hautflügler (Hymenoptera), die mit gut 150.000 Arten eine der größten Insektengruppen ist. Zu den Hautflüglern gehören viele ökologisch sehr wichtige Arten, so die als Bestäuber unentbehrlichen Bienen, die Ameisen, die das Gesicht der Erde durch ihre zersetzende und umgrabende Tätigkeit sowie die Verbreitung von Samen ganz wesentlich beeinflussen, und die Wespen, von denen viele als Parasiten anderer Insektenarten eine wichtige Rolle in den Ökosystemen (sowie auch in der biologischen Schädlingsbekämpfung) spielen. Viele Hautflüger (vor allem Bienen und Ameisen, aber auch manche Wespen) besitzen ein hoch entwickeltes und organisiertes Sozialleben, was von Arbeitsteilung über organisierte Kultivierung von Pilzarten bis zu Sklaverei und Parasitismus in anderen Insektenstaaten reicht – eine faszinierende Wunderwelt!

Abgesehen von den staatenbildenden Hautflüglern gibt es auch zahlreiche solitär lebende Wespen- und Bienenarten. Viele dieser Arten sorgen umständlich für ihre Nachkommen, indem sie ihnen komplizierte Nester bauen, in die sie geeignete Nahrung einlagern. Unter den unzähligen Arten, die auf Naxos vorkommen, will ich hier einige charakteristische Arten oder ihre Nester vorstellen.

Viele Hautflügler legen ihre Nester in der Erde an, so die Grabwespen und die Wegwespen, andere Arten bauen getöpferte Nester.

Grabwespen, Spheciformes

Die Grabwespen bilden zusammen mit den Bienen die Überfamilie der Apoidea innerhalb der Hautflügler. Die meisten Vertreter graben unterirdische Nester; nur die Mauerwespen der Gattung Sceliphron bauen Lehmnester, die sie oberirdisch an Felsen (oder Häuser) heften.

Heuschreckensandwespe (Sphex funerarius)

Die Heuschreckensandwespe (Sphex funerarius) ist mit bis zu 2,5 cm Körperlänge einer der größten Hautflügler. Sie kommt in Südeuropa, Nordafrika und Asien bis zur Mongolei vor.

Wie die meisten solitär lebenden Wespen legen die Grabwespen ihre Eier an Insekten oder Spinnen, von denen sich die Larven ernähren. Sie fangen und betäuben ihre Beute und deponieren sie als Futter für ihre Larven in unterirdischen Nestern. Die Heuschreckensandwespe, eine der größten Sandwespen-Arten, fängt Heuschrecken als Beutetiere.


Die Heuschreckensandwespe kann eine Größe von 2,5 cm erreichen (Körperlänge). Sie ist schwärzlich gefärbt bis auf das orangerote vordere Hinterleibsglied. Sandwespen falten ihre Flügel im Gegensatz zu vielen anderen Hautflüglern nicht zusammen.


Die Heuschreckensandwespe fängt als Beute für ihre Larven Heuschrecken, die sie durch mehrere Stiche betäubt. Wie man sieht, kann die Wespe Heuschrecken überwältigen, die wesentlich größer sind als sie selbst (hier ein Grünes Heupferd). Die Beute wird laufend zum Nest transportiert, wobei die Wespe die Heuschrecke mit ihren Mandibeln (Kiefern) am Grund der Fühler packt und bäuchlings zieht.


Hier wird die Heuschrecke im Rückwärtsgang in das in der Erde angelegte Nest hinein gezogen. Die Wespe deponiert die Beute in einer der mehreren seitlich vom Hauptgang abgehenden Brutkammen und legt je ein Ei an jede Heuschrecke, aus der nach einigen Tagen die Larve schlüpft, die sich von der lebenden, aber betäubten Beute ernährt.

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Sceliphron destillatorium

Im Gegensatz zu den übrigen Grabwespen legen die Arten der Gattung Sceliphron (Mörtelgrabwespen) getöpferte Lehmnester an, die sie an regengeschützen Stellen an Hauswände oder unter Dächer kleben, oft auch im Innern bewohnter Häuser. Bei uns kommt die Art Sceliphron destillatorium vor.


Die Mörtelgrabwespen kleben ihre Lehmnester gern an Türrahmen oder unter die Decken von offenen Gebäuden.


Hier sieht man, dass das Nest aus kleinen herbeitransportierten Lehm-Portionen zusammengeklebt ist.


Im Innern des Nestes werden mehrere Nistkammern sichtbar.


Hier sieht man die aufgeplatzten Puppen mit den noch nicht fertig entwickelten Tieren darin. Im der obersten Kammer, in der sich keine Wespe entwickelt hat, sieht man die als Nahrung für die Larve hineingelegte Spinne.


Teile der Brutkammern aus sorgfältig verarbeitetem und geglättetem Lehm, eine Made und eine Puppe in ihrem Kokon


Die Große Mörtelgrabwespe besitzt auffällig schwarz-gelb gefärbte lange Beine sowie einen überaus dünnen, gelben „Stiel“ zwischen Vorder- und Hinterkörper. Sie sammelt das Baumaterial für ihr Nest im Garten an Beeten mit frischgegossener Erde. Mit ihren Vorderbeinen kratzt die Wespe etwas feuchte Erde zusammen, die sie zu einem runden Ball formt und dann zu ihrem Nest trägt. Wenn man genau hinschaut, kann man auf dem Foto den Lehmball sehen, den die Wespe mit den Vorderbeinen dreht und formt.

Bembix spec.


Diese kleinen Grabwespen, die vermutlich zur Gattung Bembix gehören (Bembix oculata?), legen ihre Nester in großen Zahlen im lockeren Sand am Strand der Mákares-Inseln an.


Hier sieht man den Eingang zu einem Nest.

Wegwespen, Pompilidae

„Spinnen-Wegwespe“, Batozonellus lacerticida

Die Wegwespen-Art Batozonellus lacerticida fängt (wie alle Wegwespen) Spinnen und legt sie als Nahrungsvorrat für die Larven in ihre Erdnester.


Diese Wespenart mit dem komplizierten Namen Batozonellus lacerticida ist an ihrer Färbung zu erkennen: Sie besitzt auffällig orangerote Flügel mit brauner Spitze und ebenso gefärbte Fühler und Beine, während der Körper schwarz ist mit schmalen gelben Streifen auf den Segmenten.


Die Wegwespe zieht die Spinne zu Fuß zum Nest. Dabei läuft sie so schnell, dass es fast unmöglich ist, sie zu fotografieren. Erst als die Wespe den Gartenschlauch überwinden musste, ist mir ein Schuss gelungen.

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Solitäre Faltenwespen, Vespidae, Eumeninae

Töpferwespen, Eumenes spec.

Zu den Faltenwespen gehören außer den staatenbildenden Echten Wespen auch zahlreiche solitäre Wespen. Zur Gattung Eumenes gehören die Töpferwespen. Diese bauen Einzelnester aus Lehm, in die sie als Beute Insektenlarven eintragen.


Was für ein hübsches kleines Nest baut diese Töpferwespe für ihre Nachkommenschaft! Das dazugehörende erwachsene Tier habe ich leider nicht gesehen.

Katamenes dimidiatus

Und noch einmal schöne urnenförmige Lehmnestchen, diesmal sorgfältig mit kleinen Steinchen bestückt. Sie gehören vermutlich zur Art Katamenes dimidiatus.


Die Lehmurnen der Art Katamenes dimidiatus sind sorgfältig aus kleinen Steinchen gebaut, die mit Lehm verklebt sind.

Echte Bienen, Apidae

Anthophora ?


Diese Biene, bei der es sich vermutlich um eine Pelzbiene (Gattung Anthophora) handelt, baut in großen Kolonien ihre Nester in den lehmigen Boden einer verlassenen Kirche.


Es handelt sich um eine kleine, braune, recht gedrungene Biene. Die einzelnen Arten sind anhand von Fotos kaum zu unterscheiden; entsprechend müssen wir auf eine genaue Bestimmung verzichten.


Hier sieht man die hübsch getöpferten, runden Eingänge zu den Nestern.

siehe auch:

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