Seescheiden

Die Seescheiden (Klasse Ascidia) gehören zum Stamm der sogenannten Manteltiere, bei denen es sich trotz ihres einfachen Aufbaus um die nächsten Verwandten der Wirbeltiere handelt. Sie zeichnen sich durch eine gallertartige, knorpelige oder ledrige zelluloseähnliche Substanz aus, die den ganzen Körper umhüllt (Mantel oder Tunica). In der Chorda, einem knorpeligen Stab, der als Stützorgan dient, besitzen sie einen Vorläufer der Wirbelsäule.

Der Körperbau der Seescheiden ist sehr einfach: im Wesentlichen bestehen sie aus einem auf dem Untergrund verwurzelten, vom Mantel eingehüllten Schlauch. Die Seescheiden ernähren sich, indem sie das Meerwasser filtrieren. In der Einströmöffnung wird durch kleine Wimpern ein Wasserstrom erzeugt, der zum einfachen Kiemendarm führt, in dem die Nahrungspartikelchen herausgefiltert werden. Das Wasser strömt durch die meist seitlich gelegene Ausströmöffnung wieder aus. Seescheiden besitzen ein einfaches Nerven- und Kreislaufsystem und eine kräftige Muskulatur und können sich bei Störung zusammenziehen. Es gibt sowohl einzeln lebende als auch Kolonien bildende Arten. Sie besitzen je nach Art unterschiedliche Farben (es gibt auch gänzlich durchsichtige Arten) sowie eine charakteristische Form, insbesondere was die Anordnung der Ein- und Ausströmöffnungen betrifft.

Es gibt etwa 2.000 Arten, die ausschließlich im Meer vorkommen (100 im Mittelmeer), von denen die meisten mehrere Zenti- oder Dezimeter groß werden, während andere mikroskopisch klein sind und im Sandlückensystem leben. In den tieferen Regionen des Meeres sind die Seescheiden auf Felsböden oft sehr häufig. Die Larven schwimmen frei im Meer. Bei ihnen wird die Verwandschaft zu den Wirbeltieren viel deutlicher als bei den adulten Tieren: sie ähneln etwa einer Kaulquappe.

Mikrokosmos-Seescheide, Microcosmus spec.

Im Mittelmeer kommen zahlreiche Arten der Gattung Microcosmus vor, deren Bestimmung schwierig ist. Sie leben auf Felswänden und kommen auch schon im flachen Wasser vor. Die Gattung ist leicht daran zu erkennen, dass die Tiere von zahlreichen auf ihnen wachsenden Organismen bedeckt sind.

Die Mikrokosmos-Seescheiden sind (im Gegensatz zu den meisten anderen Seescheiden) essbar. In Griechenland werden sie als Fouska bezeichnet und roh verzehrt.


Die Seescheiden bestehen aus einem einfachen schlauchartigen Körper mit einer Einströmöffnung am Ende und einer seitlichen Ausströmöffnung; diese sind innen dunkelrot gefärbt und ein klein wenig zusammengedrückt. Die Arten der Gattung Microcosmus sind stark von anderen sessilen Organismen bewachsen.


Hier sieht man in die innen dunkelrote Ausströmöffnung hinein.

Rote Seescheide, Halocynthia papillosa

Auch die Rote Seescheide ist eine einzeln lebende Art. Sie wird bis 10 cm groß und kommt an schattigen Stellen oder in tieferem Wasser häufig vor.


Die Rote Seescheide ist vornehmlich in größerer Tiefe anzutreffen. Foto von Themos Bogiatsoglou

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