Die Lagune am Flughafen

– ein bedrohter Feuchtbiotop

Die Lagune Alyki in Naxos ist ein ein ganz besonderer Ort – jedenfalls für Vögelbeobachter. Sie der größte Feuchtbiotop der Kykladen. Die 100 Hektar große Fläche umfasst außer der eigentlichen Lagune auch periodisch wasserführende Sumpfgebiete, kleine Schilfbestände, Gehölze von Wacholder, Tamarisken und diversen Sträuchern sowie Sanddünen.


An der Lagune am Flughafen brüten zahlreiche teilweise seltene Vogelarten. Zur Zugzeit kann man viele Limikolen, Reiher, Seeschwalben, sowie diverse Enten- und Möwenarten antreffen.


Zwei kleinere Seen liegen direkt hinterm Strand.


Von besonderem ökologischen Wert sind auch die sumpfigen Gebiete und die Schilfbestände in den Randbereichen der Lagune.


In der dichten Vegetation finden auch viele Kleinvögel Zuflucht.


in den Sanddünen


interessierte Bürger bei einer naturkundlichen Führung, Foto von Nikos Promponas

Die Vögel der Lagune

Die Flughafenlagune bietet einer ganzen Reihe von Arten vor allem an Wasservögeln einen Brutplatz, darunter vier bedrohten Arten: dem Stelzenläufer, dem Triel, der Moorente und der Rostgans.


Der Stelzenläufer ist regelmäßiger Brutvogel an der Lagune.


Der seltene Triel brütet nur in wenigen Paaren; Foto von G. Beriatos

Außerdem besitzt die Lagune eine besonders große Bedeutung für durchziehende Wasservögel. Aufgrund der geographischen Lage in der Mitte der südlichen Ägäis stellt sie einen überaus wichtigen Rastplatz für die Durchzügler dar, an dem diese Schutz und Ruhe finden sowie Nahrung suchen können. Bis heute sind im Feuchtgebiet und in den direkt angrenzenden Gebieten 236 Vogelarten verzeichnet worden, von denen über 55 Arten als bedrohte oder seltene Arten in der Griechischen oder Europäischen Roten Liste auftauchen.

Bedrohte Arten, die regelmäßig als Durchzügler oder Nahrungsgäste in der Lagune anzutreffen sind, sind beispielsweise der Sichler, der Flamingo, zahlreiche Reiherarten, alle europäischen Weihenarten, der Adlerbussard, mehrere Falkenarten, die Schwarzkopfmöwe, die Dünnschnabelmöwe und mehrere Seeschwalbenarten. Jedoch auch für die nicht unter Schutz stehenden durchziehenden Wasservogel-Arten stellt die Flughafenlagune von Naxos einen der wenigen Rastplätze in der südlichen Ägäis dar und ist ihnen deswegen zum Ausruhen und zur Nahrungssuche unverzichtbar.


Flamingos an der Flughafen-Lagune, Foto von Winfried Scharlau


Limikolen ziehen an der Flughafenlagune in große Zahlen durch, hier Sichel- und Zwergstrandläufer.


Seeregenpfeifer, Foto von Winfried Scharlau


Auch für viele Kleinvögel wie diese Maskenschafstelze ist das Gebiet um die Lagune ein wichtiger Rastplatz auf dem Zug.


Braune Sichler sind häufig in der Lagune anzutreffen.


ein seltener Durchzügler: die Doppelschnepfe, Foto von Winfried Scharlau


die wunderschöne Rotflügel-Brachschwalbe, Foto von Winfried Scharlau


Die Lagune in Naxos ist einer der wenigen Plätze in Griechenland, wo der in Europa sehr seltene Wüstenregenpfeifer beobachtet werden kann. Foto von Jannis Gavalas


eine weitere Seltenheit: der Sumpfläufer; Foto von Jannis Gavalas

Gefährdung und Schutz

Das Feuchtgebietssystem der Flughafenlagune ist durch eine Reihe von menschlichen Aktivitäten gefährdet. Der erste tiefe Einschnitt war die Zuschüttung eines Teils der ehemaligen Lagune für den Bau der Flughafens von Naxos. Auch heute noch werden häufig Abfälle und Bauschutt in die Randbereiche geschüttet, wodurch die Fläche der Lagune stetig verkleinert wird. Wegen ihrer besonderen ökologischen Bedeutung wurde die Flughafenlagune im Jahr 2003 als „Wildlife Refuge“ unter Schutz gestellt. Das bedeutet, dass jede Beeinträchtigung des Gebiets untersagt ist; der Zustand des Biotops muss regelmäßig überprüft werden. Die illegale Deponierung von Müll, die illegale Jagd und der illegale Schnitt von Bäumen sind heute die größten Probleme in der Alyki. Außerdem sind ankommende Zugvögel beispielsweise durch die genau in der Anflugschneise nördlich der Lagune verlaufenden Stromkabel der Elektrogesellschaft DEH gefährdet.


illegale Müll-Deponierung an der Lagune, Fotos von Nikos Promponas

Abgesehen von all diesen Problemen ist heute die Existenz der gesamten Lagune bedroht: Gemeinsam mit zwei weiteren Feuchtgebieten auf Naxos (drei Salzseen in Agios Prokopios sowie der Strand und die Flussmündung in Kalandos) und entsprechenden Gebieten auf den Nachbarinseln Iraklia und Paros, ist die Alyki Naxos (wie zahlreiche andere Naturschutzgebiete Griechenlands) an den griechischen Privatisierungsfond TAIPED überantwortet worden und soll mit dem Ziel der touristischen Nutzung verkauft und privatisiert werden. Eine touristische Nutzung jeglicher Form würde jedoch auf jeden Fall eine Verschlechterung des schon beeinträchtigten Biotops bedeuten und es ist sehr zu befürchten, dass der Feuchtbiotop größtenteils oder ganz zerstört werden würde. Jede derartige Belastung bzw Zerstörung ist nach der griechischen sowie auch der europäischen Gesetzgebung in NATURA 2000-Arealen sowie entsprechenden Naturschutzgebieten untersagt. Allein die Tatsache, dass der TAIPED zahlreiche Naturschutzgebiete für die Privatisierung ausgewählt hat, ist höchst verwunderlich und alarmierend. Kann es im Interesse Europas sein, dass unter dem Vorwand der Wirtschaftskrise in Griechenland ökologisch wertvolle und oft unersetzliche Gebiete, Lebensräume bedrohter Tier- und Pflanzenarten und Gegenden von einzigartiger Schönheit zerstört werden? Überdies ist zu befürchten, dass der wirtschaftliche Schaden, der in vom Tourismus lebenden Regionen durch die Zerstörung der natürlichen Umwelt und insbesondere der Küsten- und Strandgebiete entstehen würde, wesentlich größer wäre als der Profit aus dem Verkauf der Flächen.


Vogelbeobachtung in der ebenfalls der TAIPED überantworteten Fläche in Kalandos


Der Strand von Agios Prokopios mit den drei Salzseen gehört zum europaweiten Schutzgebiets-System NATURA 2000.


Die Seen sind aufgrund ihres Gehaltes an Halobakterien rot gefärbt.


Der Dünenbereich und seine einzigartige Vegetation sind teilweise durch Fahrzeuge und starke Begehung beeinträchtigt.

Die Lagune von Naxos, die Salzseen in Agios Prokopios, der Strand von Kalandos sowie auch alle anderen an die TAIPED überantworteten Naturschutzflächen brauchen unseren Schutz. Die Lagune ist nicht nur ein bedeutender Feuchtbiotop, sondern auch ein unersetzlicher Bestandteil des überaus vielfältigen und schönen Naturerbes der Insel Naxos. Jede Privatisierung und Beeinträchtigung dieser und ähnlicher Naturschutzgebiete ist entschieden abzulehnen.


zwei hübsche Steinwälzer, Foto von Winfried Scharlau


Häufig kann man an der Lagune die schönen Weißbartseeschwalben beobachten. Foto von Winfried Scharlau


Seidenreiher in Kalandos, Foto von Winfried Scharlau

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