Die Entstehung der Landwirtschaft

Die Neolithische Revolution

Die Landwirtschaft entwickelte sich in der Jungsteinzeit kurz nach dem Ende der letzten Eiszeit vor etwa 11.500 Jahren. Die ersten Nachweise von Ackerbau sind uns aus der Südosttürkei und Nordsyrien bekannt, von wo aus sich die neue Kultur bald über den Nahen Osten ausbreitete, insbesondere in den „Fruchtbaren Halbmond“ von der Levanteküste über Nordsyrien und Mesopotamien bis zur Küste des Persischen Golfes.

Das mediterrane Klima und die Entstehung des Ackerbaus

Eine entscheidende Rolle bei der Entdeckung des Ackerbaus spielte die Entstehung des mediterranen Klimas mit dem Ende der letzten Eiszeit: Während es in den Steppen- und Tundra-Landschaften der Eiszeiten stets eher wenig und weit verstreute pflanzliche und tierische Nahrung gab, die am besten für Jäger und Sammler mit nomadischer Lebensweise auszunutzen war, gab es nun einen Nahrungsüberschuss im feuchten Winter und einen Nahrungsmangel im trockenen Sommer, so dass eine organisierte Vorratshaltung erforderlich wurde. Außerdem mussten neue Nahrungsquellen erschlossen werden, da insbesondere die großen Säugetiere durch die plötzliche Klimaänderung zusammen mit der intensiven Bejagung durch den Menschen seltener wurden oder wie die Mammuts ganz ausstarben. Im Mittelmeergebiet und den angrenzenden Region kamen eine ganze Reihe großer für die Domestikation geeigneter Säugetiere vor (Rinder, Schweine, Ziegen und Schafe), die nun fast gleichzeitig domestiziert wurden.

Von entscheidender  Bedeutung war auch die sich entwickelnde mediterrane Pflanzenwelt mit ihren an das wechselfeuchte Klima angepassten Arten. Die für die Entstehung der Landwirtschaft wichtigste Anpassung der Pflanzen war die Ausbildung großer, trockenheitsresistenter, oft über viele Jahre haltbarer Samen wie sie vor allem für die mediterranen Leguminosen (Schmetterlingsblütler) und Gräser typisch ist. Es ist bemerkenswert, dass es in keiner Region der Welt so viele mit großen, resistenten Samen ausgestattete wildwachsende Leguminosen und Gräser gibt wie im Mittelmeergebiet und Nahen Osten. Zahlreiche dieser Arten sind hier schon sehr früh von den Menschen kultiviert worden und bildeten die Grundlage der sich entwickelten Hochkulturen.

Die erste kultivierte und gezüchtete Pflanze war übrigens vermutlich nicht das Getreide, sondern die Feige, die im Nahen Osten schon seit über 10.000 Jahren in gezüchteten Formen auftaucht. In Griechenland wurde die Essfeige um etwa 700 v. Chr. eingeführt; sie kam hier aber vermutlich vorher schon in ihrer Wildform vor.

Im Mittelmeergebiet vollzog sich der Übergang von der Sammler-und-Jäger-Gesellschaft zur Ackerbaukultur nach und nach über einen langen Zeitraum von mehreren Jahrtausenden (im Unterschied zu Mittel- und Nordeuropa, die von der neuen Kultur fast schlagartig erobert wurden). Zu derselben Zeit wurden die sommergrünen Eichen und die anderen nördlichen laubabwerfenden Baumarten allmählich durch die heutige Hartlaubvegetation ersetzt: Die Entstehung der Landwirtschaft erfolgte gleichzeitig mit einem Rückgang der Niederschläge und mit einer „Aridisierung“ der Landschaft.

Die ersten Bauern – das Ende des Goldenen Zeitalters

Mit der Etablierung des Ackerbaus traten entscheidende Veränderungen in der Lebensweise der Menschen ein. Die wichtigste Veränderung, die alle anderen nach sich zog, war der Übergang zur Sesshaftigkeit: Es entstanden die ersten größeren, über lange Zeit benutzten Siedlungen. Die Bevölkerungsdichte stieg stark an; gleichzeitig verschlechterte sich aber auch die Lebensqualität: In schlechten Jahren kam es zu Hungersnöten, die Menschen erreichten nur eine geringere Größe und die Lebenserwartung sank. Krankheiten breiteten sich aus, einerseits aufgrund des engen Zusammenlebens der Menschen, andererseits spielte wohl auch die Domestizierung wilder Tiere dabei eine Rolle; mehrere Tierkrankheiten sprangen auf den Menschen über. Mit anderen Worten: das goldene Zeitalter war vorbei und der Mensch war aus dem Paradies vertrieben!

Aber auch im sozialen Bereich kam es zu grundlegenden Veränderungen. Es entstand das Besitztum an Land und an Gütern, dementsprechend traten auch Raub und Krieg in das Leben der Menschen. Die Siedlungen mussten befestigt werden; Kriegswaffen wurden erfunden. Für die trockenen Zeiten mussten Bewässerungssysteme entwickelt werden, die eine gute Organisation erforderten; die erste Schrift wurde entwickelt. Es entstand eine Arbeitsteilung und Spezialisierung der Menschen auf verschiedene Handwerke. Soziale Schichten bildeten sich, und mit der Entwicklung von privatem Besitz und Vererbung bekam die Gesellschaft ein ganz anderes Gesicht: Die ersten Aristokratien und Königtümer entstanden.

Gleichzeitig wurde die Anbetung einfacher Naturgottheiten durch eine Verehrung der Fruchtbarkeitsgötter abgelöst, die die Menschen um eine gute, Leben bedeutende Ernte anflehten. Die Menschen fühlten sich der Allmacht der Götter ausgeliefert und mussten alles versuchen, um sie wohlzustimmen; die ersten Tempel wurden gebaut und die ersten großen Religionen entstanden.

Die Besiedlung der Ägäis

Von der Levante aus drangen die Ackerbau betreibenden Menschen bald auch in die angrenzenden Gebiete vor. Die Ägäis wurde in der Steinzeit etwa um 8.000 bis 5.000 v. Chr. von aus dem Osten kommenden, vorgriechischen Stämmen besiedelt. Ab 3.000 v. Chr. entstand hier die einfache, friedliche, Ackerbau betreibende, aber noch keine echte Arbeitsteilung kennende Kykladenkultur der Bronzezeit. Eine kompliziertere Organisation und ein echtes Staatswesen bildeten sich in der mykenischen Kultur (1500-1100 v. Chr.) aus; diese wurde von den ersten griechischen Volksstämmen, die ebenfalls aus dem Nahen Osten einwanderten, entwickelt.

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