Schmetterlinge II: „Nachtfalter“

Die Nachtfalter, umgangssprachlich auch Motten genannt, bilden keine systematische Gruppe, sollen hier aber trotzdem auf einer eigenen Seite behandelt werden. Zu den Nachtfaltern gehören beipielsweise die Bären, Schwärmer, Eulen, Spanner, Spinner und Glucken. Die „Tagfalter“ werden auf einer eigenen Seite abgehandelt.

Für die Bestimmung mehrerer Arten danke ich herzlich der Bestimmungshilfe Lepiforum e.V.

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Glucken, Lasiocampidae

Pachypasa otus

Die größte europäische Gluckenart, Pachypasa otus, ist bei uns nur selten anzutreffen. Die Raupe dieser Art lebt an Wacholder-Arten und baut einen großen Kokon, dessen Seide schon ab dem 4. Jahrhundert v. Chr., deutlich vor der Einführung der chinesischen Seide, zur Herstellung von vornehmen Textilien genutzt wurde („koische Seide“, d.h. von der Insel Kos).


Ein seltener Gast in der Nacht: Pachypasa otus, ein großer Nachtschmetterling, der in Südosteuropa vorkommt. Die Flügel dieser Art tragen eine bräunliche Tarnfärbung; am Kopf sitzen zwei kleine, augenähnliche Flecken.

Kleespinner, Lasiocampa trifolii

Der zu den Glucken gehörende Kleespinner ist einer der Nachtschmetterlinge, die abends durch Lichter angelockt werden. Er ist vor allem im Spätsommer und Herbst anzutreffen.


Diese Art ist braun gefärbt mit je einem kleinen Augenfleck auf den Vorderflügeln.

Schwärmer, Sphingidae

Die Schwärmer sind große, kräftige Schmetterlinge mit dickem, behaartem Körper und langen, spitzen Vorderflügeln, die deutlich größer sind als die Hinterflügel und die diesen Faltern zu ihrem eleganten, schnellen Flug verhelfen.


An diesem Orientalischen Weinschwärmer sieht man den charakteristischen Körperbau der Schwärmer.


Alle „Nachtfalter“ wärmen sich durch Flügelschwirren auf der Stelle auf, bevor sie losfliegen.


Viele Schwärmer-Männchen besitzen auffällig große Fühler; zur Vergrößerung der Oberfläche sind sie oft kammartig ausgebildet. Diese Falter besitzen einen erstaunlichen Geruchssinn, mit dessen Hilfe die Männchen die Weibchen über große Entfernungen lokalisieren können, besonders bei Arten wie hier dem Eichenschwärmer, die nur in geringen Populationsdichten auftreten.

Linienschwärmer, Hyles livornica

Der Linienschwärmer ist bei uns die häufigste Art; im Frühjahr ist er abends regelmäßig anzutreffen.


Der Linienschwärmer besitzt ein charakteristisches helles Band längs der Mitte der Vorderflügel; auch die Flügeladern sind hell. Der behaarte Körper ist braun mit helleren Streifen.

Wolfsmilchschwärmer, Hyles euphorbiae

Diese eher unauffällig gefärbte Art sieht man bei uns nur selten.



Der Wolfsmilchschwärmer besitzt ein dunkleres Band auf den Vorderflügeln.


Die charakteristisch gefärbten Raupen leben vor allem an der Palisaden-Euphorbie.

Orientalischer Weinschwärmer, Theretra alecto

Dieser kaum gezeichnete, aber schön braun gefärbte Schwärmer ist bei uns ebenfalls nicht häufig. Wie der Name sagt, lebt die Raupe an Wein. Die Art kommt in Europa nur in Griechenland und Sizilien vor; ostwärts reicht ihr Verbreitungsgebiet aber bis Südostasien.


Von der Seite sieht man hier den kräftigen Körper und die kleinen Hinterflügel des Orientalischen Weinschwärmers.


Die Flügel dieser Art sind bis auf je einen kleinen schwarzen Fleck fast ungemustert.

Großer Weinschwärmer, Hippotion celerio

Eine weitere große Schwärmer-Art, die in manchen Nächten von den Lampen angelockt wird, ist der Große Weinschwärmer.


Der Große Weinschwärmer ähnelt dem Linienschwärmer, besitzt aber eine etwas andere Flügelzeichnung.

Eichenschwärmer, Marumba quercus

Den Eichenschwärmer habe ich bei uns bislang nur einmal gefunden. Er ist besonders groß (Flügelspannweite bis zu 12 cm) mit einem dicken, behaarten Körper. Der erwachsene Falter nimmt keinerlei Nahrung zu sich; die Raupe lebt auf Eichen. Die Art ist auf das Mittelmeergebiet und den Nahen Osten beschränkt.


Der große Eichenschwärmer besitzt hellbraun gefärbte Flügel mit gewelltem Rand.


Die deutlich kürzeren Hinterflügel sind leicht rötlich gefärbt.


Der lang behaarte Körper des Eichenschwärmers ist ganz besonders dick; als Nachtfalter besitzt er sehr große Augen.

Taubenschwänzchen, Macroglossum stellatarum

Das Taubenschwänzchen kommt bei uns insbesondere im Spätsommer häufig vor. Es ist tagaktiv und darum leicht zu beobachten. Taubenschwänzchen sind oft an Blüten zu beobachten, aus denen sie mit ihrem langen Rüssel Nektar saugen, während sie davor schwirrend „in der Luft stehen“. Ihr Flug und Verhalten erinnern stark an einen Kolibri. Taubenschwänzchen sind eher dunkel gefärbt mit helleren und dunkleren Flecken seitlich am Hinterleib. Die Hinterflügel sind orange.

Taubenschwänzchen überwintern als erwachsenes Tier, wozu sie sich im Herbst geschützte Quartiere suchen. Häufig findet man sie beispielsweise in zusammengerollten Teppichen oder unbenutzten Kleidungsstücken.


Das Taubenschwänzchen saugt im Flug aus den Blüten; dabei sieht es auf den ersten Blick wie ein kleiner Kolibri aus. Foto von Winfried Scharlau

Pfauenspinner, Saturniidae

Wiener Nachtpfauenauge, Saturnia pyri

Das Wiener Nachtpfauenauge ist der größte europäische Schmetterling. Es erreicht eine Flügelspannweite von bis zu 15 cm. Diese Art fliegt nur während einer kurzen Zeit im Frühjahr, meist im März oder April. Die Weibchen geben einen Duftstoff ab, mit dem sie die Männchen anlocken, die das Pheromon mit ihren fein geästelten Fühlern auch in ungelaublich geringer Konzentration noch wahrnehmen. Die erwachsenen Tiere sind nicht zur Nahrungsaufnahme befähigt und leben nur wenige Tage bis zur Eiablage. Die Raupen leben an Obstbäumen, wo sie einen beträchtlichen Schaden hervorrufen können.


Das Wiener Nachtpfauenauge ist der größte europäische Schmetterling.


Die Flügel sind schön gezeichnet mit einem hellen Rand und großen Augenflecken. Mit den feingefiederten Fühlern nehmen die Falter das Pheromon wahr, mit dem die Weibchen die Männchen anlocken.


Der dicke Körper ist pelzig behaart.


Die großen, grünen Raupen leben an Obstbäumen.


Sie verpuppen sich in dicken Gespinsten.


frisch geschlüpftes Wiener Nachtpfauenauge; rechts sieht man den Kokon


Direkt nach dem Schlüpfen sind die Flügel noch ganz weich und biegsam; bei diesem Exemplar hat es Stunden gedauert, bis sie gehärtet waren. Der Falter ist erst am nächsten Abend davongeflogen.

Eulenfalter, Noctuidae

Gamma-Eule, Autographa gamma

Die Gamma-Eule ist eine der zahlreichen kleinen Motten auf Naxos; man sieht sie recht häufig.


Die Gamma-Eule hält ihre Flügel meist schräg heruntergeklappt. Die Flügel tragen merkwürdige hochstehende Auswüchse und charakteristische weiße hakenförmige Flecken.

Grammodes stolida

Dieser hübsche kleine Eulenfalter kommt bei uns manchmal nachts zu den Lampen. Er ist an den auffälligen Streifen auf den Flügeln zu erkennen. Die Flügel hält er gewöhnlich in Dreiecksform.


Einer der vielen unauffälligen, aber sehr hübschen Nachtfalter!

Ophiusa tirhaca

Auch dieser Eulenfalter ist gelegentlich im Herbst zu beobachten, wenn er nachts von den Lampen angelockt wird.


Diese Art ist grau oder gelblich gefärbt mit kleinen Flecken und Streifen.

Eutelia adulatrix

Diese kleine Eulenart haben wir im Winter mehrfach nachts bei uns gesehen. Sie besitzt eine auffällige Körperhaltung mit abgespreizten Flügeln und hochgebogenem Hinterleib.


Dieser kleine Falter besitzt stark gemusterte Flügel mit bläulichen Augenflecken am Hinterrand.


Hier sieht man gut den stark hochgebogenen Hinterleib.

Schwammspinner, Lymantria dispar

Der in Südeuropa häufige Schwammspinner Lymantria dispar ist auf Naxos im Mai und Juni teilweise sehr häufig. Die Raupen leben vor allem an der Kermeseiche und fressen im südöstlichen Naxos teilweise ganze Gestrüppgruppen und Wäldchen leer. Die Bäume treiben Ende Juni erneut aus, wenn die Raupen verschwinden. Bei starkem Befall verursacht diese Falterart ziemlichen Schaden, und die Bäume können manchmal ganz absterben. In den letzten Jahren hat sich die Art bei uns deutlich ausgebreitet, wie man im späten Frühjahr schon aus der Ferne an den kahlgefressenen Bäumen erkennen kann. Im Juni sind auch sehr viele der überwiegend tagaktiven Falter zu sehen, besonders die Männchen mit ihren großen Fühlern, die um die Bäume herumflattern. Sie sind sehr unruhig und setzen sich kaum hin; entsprechend ist es nicht so einfach sie zu fotografieren.


Von dieser Art habe ich bislang nur die Raupe fotografiert, die an den langen weißen und schwarzen Haaren zu erkennen ist, die auf roten oder orangenen „Knubbeln“ sitzen. Für die Bestimmung dieser und anderer Arten danke ich dem Lepiforum.

Amephana dalmatica


Und noch eine kleine hübsche Eulen-Art.

Bärenspinner, Arctiidae

Englischer Bär, Arctia festiva

Der Englische Bär ist im Frühling gelegentlich anzutreffen. Er hat eine sehr schöne schwarz-weiße Zeichnung, die recht variabel gestaltet sein kann. Körper und Hinterflügel sind schwarz und rot gemustert, der Körper ist sehr lang behaart.


Der Englische Bär trägt eine schöne schwarz-weiße Zeichnung; dies ist ein sehr helles Exemplar.


Hier ein Exemplar mit typischer Färbung. Man beachte die sehr fein gefiederten Fühler, mit denen die männlichen Schmetterlinge die Lockstoffe der Weibchen wahrnehmen.


Hier sieht man die rote Färbung der Körperseiten.

Schwarzer Bär, Arctia villica

Der vorigen Art sehr ähnlich ist der bei uns seltene Schwarze Bär. Er besitzt schwarze Vorderflügel mit weißen Flecken; die Hinterflügel sind hell orangegelb mit spärlicher scharzer Zeichnung.


Der Schwarze Bär besitzt im Gegensatz zur vorigen Art rundliche Flecken auf den Vorderflügeln.


Auch bei dieser Art ist der lang behaarte Körper rot gefärbt.

Russischer Bär, Euplagia quadripunctaria

Der Russische Bär kommt in vegetationsreichen, feuchten Tälern von Naxos oft massenhaft vor. Er trägt auf den Vorderflügeln eine eher unauffällige Tarnzeichnung, während die nur im Flug sichtbaren Hinterflügel intensiv rot gezeichnet sind. Die in der Vegetation aufflatternden Schmetterlinge haben mit der plötzlich sichtbaren roten Färbung der Hinterflügel eine ausgesprochen hübsche Wirkung.


In feuchten Tälern tritt der Russische Bär oft massenhaft auf.


Die Vorderflügel des Russischen Bärs tragen eine eher unauffällige Färbung mit hellen Streifen auf braunem Grund.


Die leuchtend rot gefärbten Hinterflügel sieht man normalerweise nur beim auffliegenden Tier.

Spanner, Geometridae

Ockergelber Blattspanner, Camptogramma bilineata


eine hübsche kleine Spanner-Art

Chlorissa etruscaria


Es gibt eine ganze Reihe von Spanner-Arten mit zartgrüner Färbung; hier handelt es sich vermutlich um Chlorissa etruscaria. Diese Art fliegt nachts und wird häufig von Lampen angelockt.

Apochima flabellaria

Dieser kleine, interessante Spanner kommt in Griechenland, der Türkei und Zypern vor. Er hält seine Flügel im Sitzen zusammengefaltet und in unterschiedliche Richtungen abgespreizt: die vorderen zur Seite und die hinteren nach hinten. Durch diese Flügelhaltung ist er leicht erkennbar.


Apochima flabellaria hält die Flügel im Sitzen zusammengefaltet und auf charakteristische Weise abgespreizt.


Der kleine Falter ist graubraun gefärbt mit schwachen Streifen auf den Flügeln. Die Fühler sind sehr lang gefiedert.

Holzbohrer, Cossidae

Spargelbohrer, Parahypopta caestrum


Der Spargelbohrer sitzt tagsüber mit dachziegelartig gefalteten Flügeln als Aststummel getarnt an Bäumen oder hier an einer Wäscheklammer.


Die Flügel sind zart grau gemustert.

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