Feigenkaktus, Opuntia ficus-indica

Der Feigenkaktus ist heute im Mittelmeergebiet weit verbreitet und häufig; er zählt aber eigentlich nicht zur natürlichen Flora dieser Region, sondern ist in Mittelamerika heimisch. Er gehört zur Familie der Kakteengewächse, einer jungen Gruppe, die mit 1800 Arten in 130 Gattungen auf den Amerikanischen Kontinent beschränkt ist. Die meisten Kakteen sind Stammsukkulenten, die an (saisonale) Trockenheit angepasst sind. Die Gattung Opuntia umfasst etwa 190 Arten.

Der Feigenkaktus ist eine kultivierte Opuntie mit recht schwach ausgebildeten Dornen; seine Heimat ist vermutlich in Mexico zu suchen. Er bildet große sukkulente Pflanzen, die aus aufeinander sitzenden, eiförmigen, abgeflachten Triebabschnitten („Platykladien“) bestehen. Auf den Platykladien sitzen zahlreiche sogenannte Areolen, kleine, dornentragende Polster, die sich aus reduzierten Kurztrieben entwickelt haben. Die Areolen tragen kleine, fleischige Blätter, die aber schnell abfallen, und in Büscheln stehende, feine Dornen sowie meist zwei lange, kräftige Dornen, die beim Feigenkaktus aber weitgehend fehlen. Aus den Areolen (meist an den Rändern der Platykladien) treiben auch die großen, gelben, becherförmigen Blüten mit zahlreichen Blüten- und Staubblättern. Die Früchte entstehen durch Verwachsen des Blütensprosses mit dem Fruchtknoten („Scheinfrüchte“); entsprechend besitzen auch sie dornentragende Areolen. Sie werden zur Reife dunkelrot und sind essbar. Auch die jungen Blätter können gegessen werden. Bei der Ernte der Früchte ist allerdings große Vorsicht geboten, da sich die sehr feinen, mit Widerhaken versehenen Dornen nur schlecht wieder entfernen lassen; am besten kann man sie mit Tesafilm oder einer dünnen Kleber-Schicht abziehen.

Die Opuntien besitzen eine gewisse wirtschaftliche Bedeutung wegen ihrer essbaren Früchte und Sprosse. Mehrere Arten werden als sehr anspruchslose und trockenheits- und hitzeresistente Futterpflanzen angebaut. Außerdem wurden Opuntien schon seit dem 11. Jahrhundert von den Azteken für die Gewinnung eines sehr wertvollen, karminroten Farbstoffes aus den auf ihnen lebenden Conchenille-Schildläusen kultiviert. Auch heute noch wird natürliches Karmin produziert (vor allem in Peru, Mexiko, Chile, auf den Kanaren und in Afrika) und als Farbstoff in der Lebensmittel- und Kosmetik-Industrie verwendet. Im Mittelmeergebiet ist der Feigenkaktus wegen seiner Früchte eingeführt worden; häufig wird er auch als natürliche, undurchdringliche Hecke angepflanzt.

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Der Feigenkaktus bildet hohe Sträucher aus aufeinander sitzenden, eiförmigen, blattähnlichen „Platykladien“.


Auf den Platykladien sitzen auf den Flächen und an den Rändern sogenannte Areolen, die kleine Dornen tragen und aus denen auch die Blüten treiben. Diese bilden sich an kurzen, rundlichen Trieben, die rundherum kleine, fleischige Blätter tragen.


Die Blüten sind auffällig, groß und leuchtend gelb. An den meisten Platykladien sieht man hier noch unreife Früchte (Scheinfrüchte).


Die Blüten besitzen zahlreiche Kron- und Staubblätter. An der Blütenknospe kann man die Areolen mit winzigen, fleischigen, bald abfallenden Blättchen und langen spitzen Dornen erkennen.


Die Scheinfrüchte entstehen dadurch, dass der Blütenstiel bzw. -boden mit den Fruchtblättern verwächst; aufgrund dieser Entwicklung aus einem Spross weisen auch die Früchte dornentragende Areolen auf. Die reifen Früchte können gegessen werden – aber Vorsicht bei der Ernte: Die sehr feinen Stacheln lassen sich nur schwer wieder entfernen (am besten mit Klebestreifen versuchen!).

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zum Weiterlesen: Wikipedia: Opuntien

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