Mastixstrauch und Terebinthe, Pistacia

Die Pistazien-Arten Mastixstrauch und Terebinthe gehören zur Familie der Sumachgewächse (Anacardiaceae) mit 70 bis 82 Gattungen und etwa 700 meist baum- oder strauchförmigen Arten, die vor allem in subtropischen und tropischen, seltener in gemäßigten Regionen der Erde vorkommen mit einem Zentrum der Artenvielfalt in der südostasiatischen Inselwelt. Außer der Pistazie gehören an Nutzpflanzen die Mango, der Cashew-Baum und der Pfefferbaum sowie mehrere tropische Obstbäume zu dieser Familie. Die Sumachgewächse werden in die zu den Rosenähnlichen gehörende Ordnung der Seifenbaumgewächse (Sapindales) gestellt.

Die Gattung Pistacia umfasst etwa zehn Arten, die in den südlichen Regionen von Eurasien und Nordamerika vorkommen. Es handelt sich bei den meisten Arten um zweihäusige immergrüne Bäume oder Sträucher mit gefiederten Blättern. Die in Dolden oder Rispen stehenden Blüten sind stark reduziert: Die weiblichen Blüten sind sehr unauffällig mit winzigen Blütenblättern und einem kurzen Griffel; bei den männlichen Blüten fehlt die Blütenhülle meist, aber sie tragen oft auffällige rote Staubblätter. Die Früchte sind meist beerenähnliche Steinfrüchte.

Eine Pistazien-Art, die Echte Pistazie (Pistacia vera), besitzt essbare Früchte. Die auf Naxos wildwachsenden Arten, der Mastixstrauch und die Terebinthe, liefern ein aromatisches Harz bzw können zur Gerbstoffproduktion genutzt werden.

Mastixstrauch, Pistacia lentiscus

Der Mastixstrauch ist einer der wichtigsten Sträucher der Macchie; er kommt im gesamten Mittelmeergebiet und auf den Kanaren vor. Er ist sehr anpassungsfähig und lebenstüchtig und in allen Gegenden von Naxos häufig. Der Mastixstrauch ist ein immergrünes Hartlaubgewächs mit ledrigen, aromatischen Blättern; er ist sehr trockenheitsresistent und schlägt nach Feuer aus dem Wurzelstock wieder aus. Er ist zweihäusig, das heißt männliche und weibliche Blüten sitzen an unterschiedlichen Sträuchern. Die Blüten sind stark reduziert und weisen kaum eine Blütenhülle auf; die männlichen Blüten besitzen dagegen auffällige, rote Staubblätter. Die kleinen, roten oder schwarzen Steinfrüchte sehen wie Beeren aus.

Der Mastixstrauch ist sehr aromatisch und wird bzw. wurde in vieler Weise genutzt. Heute noch werden die Blätter zum Aromatisieren und Konservieren zu in Salzlake eingelegten Oliven gegeben. Das Holz liefert hervorragende Kohle zum Grillen, und die beblätterten Zweige besitzen einen sehr hohen Gerbstoffgehalt und wurden früher in der Gerberei genutzt. Die „Beeren“ können als Gewürz verwendet werden; früher wurde aus ihnen auf Naxos ein Öl gewonnen, das als ausgezeichnetes Lampenöl diente.

Das wichtigste Produkt des Mastixstrauches ist allerdings das fast ausschließlich auf der griechischen Insel Chios gewonnene, sehr charakteristisch und angenehm duftende Harz (Mastix), das in Griechenland und im Orient vor allem als Kaugummi und Backgewürz genutzt wird; auch wir verwenden es beim Brotbacken. Auch hochwertiger Klebstoff und Lack können aus Mastix hergestellt werden, so findet es im Theatergewerbe Verwendung zum Ankleben von Bärten etc., in der Chirurgie als Nähfäden, im Instrumentenbau als Geigenlack, als Firnis in der Ölmalerei sowie als Bestandteil von Tempera-Farben. Schon seit dem Altertum war es wegen seines angenehmen Aromas und seiner Heilwirkung sehr geschätzt; es ist stark entzündungshemmend und kann es beispielsweise bei Erkältungen, bei Hautproblemen wie Ekzemen und bei rheumatischen Beschwerden helfen. Im Altertum war es ein wichtiges Exportgut, das der Insel Chios über Jahrhunderte zu Wohlstand verhalf; vor allem wurde es als Kaugummi und als Backzutat, aber auch für religiöse Zwecke und zum Einbalsamieren verwendet.


Der Mastixstrauch ist auf Naxos sehr häufig. Er bildet sehr dichte, reich beblätterte Sträucher.


Gelegentlich kann der Mastixstrauch auch zu sehr großen, fast baumförmigen Exemplaren heranwachsen.


Er ist sehr zäh, trockenheitsresistent und überlebenstüchtig und treibt auch nach Bränden schnell wieder aus.


Die immergrünen, paarig gefiederten Blätter besitzen breit elliptische Fiederblätter und einen leicht geflügelten Stiel.


Die männlichen Blüten besitzen keine Blütenhülle; die Staubblätter fallen insbesondere vor der Reife durch ihre leuchtend rote Farbe auf.


Die weiblichen Blüten sind sehr unauffällig. Sie besitzen eine winzige Blütenhülle und eine mehrteilige Narbe.


Die erst schwarzen, später roten beerenähnlichen Steinfrüchte können wie auch das Harz als Gewürz genutzt werden.

Terebinthe, Pistacia terebinthus

Die Terebinthe ist auf Naxos deutlich seltener als der Mastixstrauch; sie kommt an etwas feuchteren Stellen in den Bergen vor und ist an kalkhaltigen Untergrund gebunden. Im Gegensatz zum Mastixstrauch ist sie laubabwerfend. Aus dem Harz der Terebinthe wurde früher Terpentin gewonnen, ein zähflüssiges Gemisch aus Harz und ätherischen Ölen, das zur Herstellung von Lacken, Pflegemitteln, Ölfarben usw verwendet wird; schnell wurde das Terpentin der Terebinthe jedoch durch billigeres Nadelbaum-Harz ersetzt.


Die Terebinthe wächst als niedriger Baum. Sie kommt auf Naxos vor allem in der nördlichen Bergregion auf kalkhaltigen Böden vor und braucht ein deutlich höheres Feuchtigkeitsangebot als der Mastixstrauch.


Im Gegensatz zum Mastixstrauch ist die Terebinthe sommergrün; hier ein Bäumchen mit Herbstfärbung.


Die Blätter sind unpaarig gefiedert; sie sind weniger ledrig als die des Mastixstrauches.


Die Terebinthe bildet ähnliche „Beeren“ aus wie der Mastixstrauch.


Die Blätter der Terebinthe werden häufig von einer speziellen Blattlaus-Art befallen, die die Bildung nierenförmiger, leuchtend roter Gallen hervorruft; diese wurden im Orient zum Färben von Seide und Wein verwendet.

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