Narzissengewächse, Amaryllidoideae

Die Unterfamilie der Amaryllidoideae gehört gemeinsam mit den Lauchgewächsen (Allioideae) zu den Amaryllis- oder Narzissengewächsen (Amaryllidaceae). Ihre Angehörigen besitzen dreizählige Blüten, deren Kron- und Kelchblätter gleichgestaltet sind, so dass sie sechsteilig erscheinen (Perigon). Sie sind meist am Grund verwachsen und bilden eine kurze Röhre. An der Mündung der Krone sitzt manchmal ein Innenkelch (Nebenkrone), der aus umfunktionierten Staubblättern entstanden ist. Die Amaryllidoideae sind weltweit verbreitet; es gibt gut 60 Gattungen mit 800 Arten. Auf Naxos kommen sechs Arten vor, von denen ich hier bislang drei vorstellen kann.

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Narzissen, Narcissus

Die Narzissen sind bekannte und beliebte Gartenpflanzen, die schon seit der griechischen Antike für ihre Schönheit und ihren Duft gerühmt wurden. Von einer Narzisse wurde Persephone betört und zu dem Ort gelockt, an dem Hades sie sah und entführte, und der schöne Jüngling Narkissos wurde in eine Narzisse verwandelt, nachdem er sich, in ein Gewässer schauend, in sein eigenes Spiegelbild verliebt hatte, das schließlich durch ein hineinfallendes Blatt zerstört wurde, so dass er vor Kummer starb. Der Name leitet sich von dem Wort nárki = Betäubung („Narkose“) ab und bezieht sich auf den betäubenden Duft vieler Arten.

Die Narzissen werden vor allem durch Schmetterlinge bestäubt, die vom Duft und vom reichen Nektar angelockt werden; kleinere Insekten werden durch die Nebenkrone am Eindringen gehindert. Die Früchte sind Kapseln, die sich zur Reife zu Boden neigen und die relativ großen, runden Samen ausstreuen; diese werden durch Ameisen verbreitet.

Die Heimat der etwa 66 wilden Narzissen-Arten liegt in Südwesteuropa; nur wenige Arten dringen auch ins östliche Mittelmeergebiet vor. Auf Naxos kommen zwei Arten vor, die Spätblühende Narzisse (Narcissus serotinus) und (wesentlich seltener) die Tazette (Narcissus tazetta), die ich bislang nur aus Gärten kenne.

Spätblühende Narzisse, Narcissus serotinus

Die Spätblühende Narzisse blüht, wie ihr Name sagt, im Herbst, gemeinsam mit dem Herbst-Blaustern und den Krokus-Arten. Es handelt sich um eine kleine, schlanke Art, die hier und da in der Phrygana anzutreffen ist.


Die Spätblühende Narzisse ist eine zierliche, meist nur recht kleine Pflanze, die vereinzelt in der Phrygana wächst. Charakteristisch für die Narzissen ist der abgeknickte Blütenstiel mit einem häutigen Hochblatt; es handelt sich um eine Scheindolde mit meist nur einer einzelnen Blüte.


Hier ein recht großes Exemplar. Blühende Exemplare haben meist keine Blätter.


Die weißen Blüten besitzen vergleichsweise schmale Blütenblätter und eine sehr kleine, orange Nebenkrone.

Tazette, Narcissus tazetta

Außer der Spätblühenden Narzisse soll auch die Tazette auf Naxos wild wachsen, eine recht große, oft auch als Zierpflanze genutzt Narzisse, die im gesamten Mittelmeergebiet und in Südwestasien vorkommt. Die Tazette ist auf den Mákares-Inseln sehr häufig; auf Naxos selbst kenne ich sie bislang nur angepflanzt.


Die Tazette ist viel größere als die Spätblühende Narzisse.


Charakteristisch sind die breiten, sich etwas überlappenden Blütenblätter und die auffällige, becherförmige Nebenkrone (die ihr zu ihrem Namen verhalf: im Italienischen bedeutet „tazetta“ Tässchen).

Goldbecher, Sternbergia

Die im Mittelmeergebiet beheimatete Gattung der Goldbecher umfasst acht Arten. Sie sehen den Krokussen ähnlich (und werden auch Goldkrokusse genannt), sind aber mit den Narzissen verwandt. Auf Naxos kommen zwei Arten vor, Sternbergia lutea und Sternbergia sicula. Letztere Art besitzt spitzere Blütenblätter und schmalere Blätter mit einem hellen Mittelstreifen; ich habe sie bislang noch nicht gefunden.

Herbst-Goldbecher, Sternbergia lutea

Der Herbst-Goldbecher ist auf Naxos recht häufig anzutreffen. Er kommt auf kalkhaltigem Gestein vor, vor allem in Phrygana und Garrigue, wo er auch an felsigen Standorten gedeihen kann.


Der Herbst-Goldbecher gehört zu den ersten Blumen, die nach den herbstlichen Regenfällen erscheinen.


Er ist an unverkennbar mit den leuchtend goldenen Krokus-ähnlichen Blüten.


Die kräftig grünen Blätter sind bei dieser Art recht breit.

Trichternarzissen, Pancratium

Die Trichternarzissen kommen mit 20 Arten im Mittelmeergebiet, Westafrika und dem tropischen Asien vor. Ihre Blüten sitzen in langgestielten Dolden. Sie besitzen meist große, breite Blätter. Auf Naxos kommt die Dünen-Trichternarzisse vor, die an Sandstränden wächst.

Dünen-Trichternarzisse, Pancratium maritimum

Die Dünen-Trichternarzisse ist auf Naxos hier und da an den großen Sandstränden im Westen der Insel anzutreffen. Sie blüht im Sommer, wenn die Blätter vertrocknet sind. Die Blüten besitzen schmale, lange Blütenblätter und eine große, ebenfalls weiße Nebenkrone, mit der die Staubblätter verwachsen sind. Ich habe die Dünen-Trichternarzisse auf den Mákares-Inseln fotografiert; auf der Ostseite von Naxos kommt sie nicht vor. Die Dünen-Trichternarzisse ist in den schönen, bronzezeitlichen Wandmalereien in Akrotiraki auf Santorin abgebildet.


Die Dünen-Trichternarzisse bildet große Pflanzen mit fleischigen, langen Blättern und zahlreichen, langgestielten, doldigen Blütenständen, die je mehrere, große, weiße, duftende Blüten tragen.


Die Blüten besitzen lange lanzettliche Hüllblattabschnitte und eine trichterförmige Nebenkrone, an der die Staubblätter sitzen.


Auf dieser Wandmalerei aus der bronzezeitlichen Siedlung Akrotíri in Santorin sind vermutlich Dünen-Trichternarzissen dargestellt, von denen die langen Hüllblätter der Blüten entfernt worden sind.


Die Früchte sind dreikantige, ovale Kapseln, die schwarze, schwimmfähige Samen enthalten.

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