Doldenblütler I, Apiaceae

Die Doldenblütler (Apiaceae oder Umbelliferae) sind eine artenreiche Familie mit über 400 Gattungen und knapp 4000 Arten; sie gehören zu den Asternähnlichen (Asteridae). Sie kommen vor allem in den gemäßigten Regionen vor (in den Tropen sind sie weitgehend auf die montane Stufe beschränkt). Die Doldenblütler sind üblicherweise mehrjährige Kräuter (meist Hemikryptophyten) mit wechselständigen, fast immer gefiederten Blättern mit Blattscheide.


Für die Doldenblütler typisch ist der zusammengesetzte, doldenförmige Blütenstand, hier beim Möhrenartigen Breitsamen mit stark vergrößerten Randblüten.

Die Blüten stehen fast immer in zusammengesetzten Dolden, das heißt der Blütenstand stellt eine Dolde aus kleinen Döldchen dar, die insgesamt eine scheibenförmige oder hochgewölbte Fläche bilden. An den Dolden und Döldchen sitzen oft Tragblätter (Hüllblätter bzw Hüllchenblätter); sie können jedoch auch fehlen. Die Blüten haben fünf meist ziemlich kleine Kronblätter und fünf Kelchblätter; letztere sind jedoch oft verkümmert oder fehlen ganz. Sehr häufig sind die Blüten weiß, oft auch gelb, seltener rosa oder rot. Die zwei Griffel sitzen auf einem glänzenden Griffelpolster, das Nektar absondert. Die Blüten weisen fünf Staubblätter auf. Sie werden oft durch auf den großen Dolden herumlaufende Insekten befruchtet; auch Selbstbefruchtung kommt häufig vor. Bei den Früchten handelt es sich um zwei aneinander liegende, zylindrische oder runde Teilfrüchte (Doppelachäne); die Früchte weisen meist fünf Rippen auf und tragen häufig Stacheln oder manchmal häutige Flügel.

Viele Doldenblütler sind aromatisch durch ätherische Öle wie Terpene oder Phenylpropanoide. Eine ganze Reihe von Arten werden als Gewürzkräuter verwendet, so Kümmel, Fenchel, Anis, Dill, Petersilie, Sellerie, Liebstöckel und Koriander. Seltener kommen als Gemüse nutzbare Arten vor (Möhre, Pastinak). Auf Naxos werden die Triebe von Opopanax hispidus sowie der Wilden Möhre (Daucus carota) gesammelt. Einige Doldenblütler sind giftig, manche sogar sehr, so der Schierling.

Auf Naxos kommen etwa vierzig Doldenblütler-Arten vor, von denen einige sehr häufig sind; hier stelle ich gut zwanzig der Arten vor. Auf dieser Seite sind die weiß- bzw rosablühenden Arten zu finden; die gelbblühenden Arten finden sich auf der Seite Doldenblütler II. Der bemerkenswerte und interessante Riesenfenchel wird auf einer eigenen Seite behandelt.

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Knotenblütiger Sellerie, Apium nodiflorum

Den Knollenblättrige Sellerie habe ich (wie so viele andere Pflanzenarten) bei uns im Garten gefunden; er ist an recht feuchte Stellen gebunden und dementsprechend auf Naxos eher selten.


Der Knollenblütige Sellerie ist im Gegensatz zu fast allen Doldenblütlern keine aufrechte, sondern eine niederliegende Art. Seine dunkelgrünen Blätter sind fleischig.


Die weißen Blüten stehen in kleinen, fast sitzenden Döldchen.


Die kleinen Früchte sind zylinderförmig und gerippt; an den jungen Früchten kann man hier die weißlichen Nektarien erkennen.

Wilde Möhre, Daucus carota

Die Wilde Möhre kommt auf Naxos sehr häufig vor, insbesondere an Feld- und Wegrändern. Sie ist die Wildform der kultivierten Möhre. Ihre Wurzel ist nicht verdickt und wird nicht gegessen; aber die Triebspitzen der Pflanze werden gelegentlich von den Dorfbewohnern gesammelt und zusammen mit denen anderer Arten (Bastardsenf, diverse Korbblütler) gekocht und mit Öl übergossen gegessen.


Die Wilde Möhre besitzt große, dreifach gefiederte Blätter und bildet einen bis über 1,5 Meter hohen Stängel aus.


Die vielstrahligen Dolden besitzen mehrfach gefiederte Hüllblätter mit feinen Abschnitten. Oft sitzen in der Mitte der Dolde einige rote sterile Blüten.


Die Blüten sind weiß; die flachen Dolden besonders groß. Die Wilde Möhre blüht erst im Sommer.


Die Früchte sind wie bei vielen Doldenblütlern stachelig; sie werden durch Tiere verbreitet (Klettfrüchte). Der verblühende Blütenstand krümmt sich nach innen zusammen.

Daucus guttatus

Diese kleine Möhren-Art kommt hier und da in der Phrygana vor.


Daucus guttatus blüht erst im frühen Sommer, wenn die Vegetation größtenteils vertrocknet ist.


Auch diese Art besitzt gefiederte Hüllblätter; die Blüten und die ganze Pflanze sind deutlich kleiner als bei der vorigen Art.


Die Früchte besitzen lange Stacheln mit Widerhaken.

Daucus involucratus

Diese Art ist ein zwar eher unauffälliger, aber häufiger Bestandteil der typischen Pflanzenwelt der Phrygana.


Diese kleine, zarte Möhren-Art blüht im Frühjahr, also eher als die beiden vorigen Arten.


Sie besitzt kleine, wenigstrahlige Dolden, die weit von den gefiederten Hüllblättern überragt werden. Die Blüten sind zart rosa.


Auch bei dieser Möhrenart haben die Früchte lange, dünne Stacheln mit Widerhaken.

Feld-Mannstreu, Eryngium campestre

Der distelähnliche Feld-Mannstreu ist bei uns an Weg- und Feldrändern häufig.


Der Feld-Mannstreu bildet einen ausgebreiteten verzweigten Blütenstand aus, dessen Blütenköpfe auf auffällig kahlen, runden Stängeln sitzen. Die frischen Stängel können im Frühjahr gegessen werden und weisen einen leicht pfefferigen, frischen Geschmack auf.


Die Blütenköpfe sind von sehr langen, dornig endenden Hüllblättern umgeben.


Die kleinen Blüten sind unauffällig und von weißlicher Färbung.

Stranddistel, Eryngium maritimum

Die Stranddistel sieht auf den ersten Blick kaum wie ein Doldenblütler aus: Mit ihren dornigen Blättern ähnelt sie eher einer Distel (Carduoideae, eine Unterfamilie der Doldenblütler); auch die kompakten, kugeligen Blütenstände sehen eher nach einem Korbblütler als einem Doldenblütler aus. Sie wächst, wie ihr Name schon sagt, an Sandstränden. Auf Naxos ist sie stellenweise an den langen Stränden im Südwesten der Insel und südlich der Chóra zu finden. Die Fotos stammen von den Mákares-Inseln, wo sie ebenfalls anzutreffen ist.


Die Stranddistel ist unverkennbar mit ihren blaugrauen, breiten, dornige Blättern; auch die kugeligen Blütenstände sind von breiten, kragenartigen Hüllblättern umgeben.


Die Blüten sind zart lila; auch Stängel und Blattadern weisen diese Farbe auf.

Lagoecia cuminoides

Es gibt eine ganze Reihe von im Frühling blühenden Doldenblütlern, die bei uns in der Phrygana gemeinsam vorkommen. Eine dieser Arten ist der aromatische Hasenkümmel; zur selben Kategorie gehören auch der Apulische Zirmet und der Echte Venuskamm sowie die unauffälligere Art Daucus involucratus (s.o.).


Der Hasenkümmel ist eine kleine, unverwechselbare Pflanze mit charakteristisch hängenden Doldenköpfchen.


Er besitzt lange, sehr schmale, einfach gefiederte Blätter und durch die fein zerteilten Kelch-, Hüll- und Hüllchenblätter puschelig wirkende, dichte Doldenköpfchen.


Die Kelchblätter an den verblühten Köpfchen spreizen sich Pappus-ähnlich, so dass sie wie fein verzweigte Sternchen aussehen.

Möhrenartiger Breitsame, Orlaya daucoides

Der Möhrenartige Breitsame ist im Mittelmeergebiet heimisch; er wächst vor allem auf Kalk, wo er auch auf trockenen Standorten vorkommt. Diese Pflanzenart kommt auf Naxos sowohl im Kulturland als auch in der Phrygana vor.


Der Möhrenartige Breitsame ist eine eher niedrige Pflanze mit hübschen weißen Blüten.


Er besitzt dreifach gefiederte, lang behaarte Blätter.


Der Breitsame besitzt strahlende Blüten, das heißt die äußeren Kronblätter der Randblüten an den wenigstrahligen Dolden sind stark vergrößert; sie bilden einen hübschen Kranz um die Dolde.


Die Früchte des Breitsamens tragen lange Stacheln, die der Verbreitung durch Tiere dienen (Klettfrüchte). Hier sieht man auch die hauträndigen Hüll- und Hüllchenblätter.


Im trockenen Zustand sind die eiförmigen Früchte flach; die Stacheln stehen nur auf der einen Seite.

Falscher Breitsame, Pseuorlaya pumila

Der Falsche Breitsame kommt im gesamten Mittelmeergebiet an Sandstränden vor. Auf Naxos ist er nur vereinzelt anzutreffen.


Der Falsche Breitsame wächst an Sandstränden. Er besitzt leicht fleischige, zweifach gefiederte Blätter und ist steif behaart.


Die vergleichsweise großen Blüten stehen in wenigblütigen Dolden. Sie besitzen rosa, von außen behaarte Blütenblätter und runde, auffällige Staubbeutel.

Scaligeria napiformis

Die ostmediterrane Art Scaligeria napiformis kommt in Wäldchen, Phrygana und Macchie auf Kalk vor; sie wächst vor allem an schattigen Standorten unter Bäumen. Bei uns ist sie recht häufig.


Scaligeria napiformis ist eine zarte Pflanze mit langen Stängeln und hübschen weißen Blütendolden. Dichte Bestände wie hier trifft man nur selten an.


Die Dolden sind locker: die langgestielten Döldchen stehen weit vorneinander entfernt.


Die doppelt gefiederten Grundblätter haben eiförmige, gezähnte Blättchen, während die Stängelblätter sehr schmale Abschnitte besitzen.


Die Döldchen mit ihren schön geformten weißen Blüten mit den zwischen den Kronblättern herausragenden Staubblättern sehen sehr hübsch aus.


Die runden kleinen Früchte tragen einen kurzen Schnabel.

Südlicher Venuskamm, Scandix australis

Auf Naxos kommen zwei Venuskamm-Arten vor, von denen der Südliche Venuskamm die wesentlich seltenere ist. Er wächst verstreut in der Phrygana der niedrigeren Langen und ist an trockene Standorte gebunden.


Der Südliche Venuskamm ist eine sehr kleine, zarte Pflanze mit dreifach gefiederten Blättern mit sehr schmalen Abschnitten. Die Blüten sind winzig und unauffällig; die Früchte stehen sternförmig ab.


Die langen, schmalen Früchte tragen einen samenlosen Schnabel, der ungefähr doppelt so lang ist wie der samentragende Teil und nur wenig dicker wird als dieser. Die Hüllchenblätter besitzen einen häutigen Rand.

Echter Venuskamm, Scalix pecten-veneris

Der Echte Venuskamm kommt fast überall auf Naxos häufig vor; auch bei uns in der Phrygana bildet er stellenweise dichte Bestände.


Der Echte Venuskamm besitzt bis zu vierfach gefiederte Blätter mit schmalen, spitzen Abschnitten. Die Dolden haben meist nur sehr wenige Strahlen.


Die Blüten besitzen vergrößerte, schmale Kronblätter an den Randblüten.


Die Früchte sind extrem verlängert und sehr auffällig; sie stehen deutlich in die Höhe. Der Schnabel ist viel länger als der samentragende Teil der Frucht, von dem er deutlich abgesetzt ist. Die Hüllchenblätter sind nicht häutig.

Apulischer Zirmet, Tordylium apulum

Der Apulische Zirmet ist eine der charakteristischen Doldenblütler der Phrygana; er ist überall auf der Insel häufig.


Der Apulische Zirmet ist eine mittelhohe, einjährige, stark verzweigte Pflanze mit einfach gefiederten Blättern mit rundlichen Blättchen.


Die Döldchen umfassen etwa elf Blüten mit winzigen Kronblättern; nur die äußeren Kronblätter der äußeren fünf Blüten sind stark verlängert und tief zweispaltig mit auseinanderstehenden Hälften.


Die flachen, elliptischen Früchte besitzen eine warzige Oberfläche und einen deutlich vorgewölbten, eingekerbten Rand.

Tordylium hirtocarpum ?

Bei uns kommt hier und da in der Phrygana eine weitere Tordylium-Art vor, bei der es sich um Tordylium hirtocarpum handeln könnte.


Diese Art ist wesentlich kleiner; sie besitzt nur wenige, nahe am Boden stehende Blätter, die nur aus je etwa drei gekerbten Abschnitten bestehen; die Blüten stehen in langgestielten Dolden aus wenigen, eng beieinander stehenden Döldchen.


Die Döldchen aus kleinen, weißen, hübschen Blüten mit rundlichen, tief zweigespaltenen, am Rand leicht vergrößerten Kronblättern sind von einem Kranz aus vorstehenden, gezähnten Hüllchenblättern umgeben.


Die Früchte mit dem vorstehenden, besonders regelmäßig gekerbten Rand sind rötlich gefärbt.

Acker-Klettenkerbel, Torilis arvensis ssp. purpurea

Der Acker-Klettenkerbel ist eine auf Naxos nicht sehr häufige Art, die an trockenen, ruderalen Standorten sowie in der Phrygana wächst.


Der Acker-Klettenkerbel ist eine zarte, langstielige Pflanze mit schmalen, feinen Blättern.


Die kleinen Blüten sind ebenso wie die Früchte bei der Unterart purpurea leicht rötlich gefärbt.


Die kleinen, eiförmigen Früchte sind dicht mit relativ kurzen Stacheln besetzt.

Torilis leptophylla

Torilis leptophylla kommt an ähnlichen Standorten vor wie die vorige Art. Er ist etwas häufiger anzutreffen.


Diese Art besitzt end- und achselständige Dolden, noch feinere, schmalere Blätter und länglich-zylindrische Früchte mit längeren Stacheln.


Die weißen Blüten sind klein mit rundlichen Kronblättern.

Knotiger Klettenkerbel, Torilis nodosa

Der Knotige Klettenkerbel kommt auf Naxos in der Phrygana und der Kulturlandschaft recht häufig vor.


Der Knotige Klettenkerbel ist eine fast kriechende, schwache Pflanze mit viel breiteren Blättern als die vorigen Arten. Die fast ungestielten Dolden sitzen in den Blattachseln.


Die fast sitzenden Blüten des Knotigen Klettenkerbels sind sehr klein. Die Früchte sind mit langen, hakigen Stacheln besetzt.

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