Mohngewächse, Papaveraceae

Die Familie der Mohngewächse ist nah mit den Hahnenfußgewächsen verwandt; beide gehören zur Ordnung der Ranunculales. Es handelt sich um vergleichsweise primitive Pflanzen, die ganz „unten“ im Stammbaum der Eudikotyledonen stehen. Die Familie umfasst etwa 800 Arten in 40 Gattungen, von denen Mohn, Hornmohn, Schöllkraut, Erdrauch und Lerchensporn die bekanntesten sind. Die meisten Arten sind krautig und besitzen wechselständige Blätter. Die Blüten haben vier Kronblätter zwei Kelchblätter, die die Knopse umschließen und meist beim Öffnen der Blüte abfallen, und vier bis sehr zahlreiche Staubblätter. Viele Arten besitzen alkaloidhaltigen Milchsaft. Auf Naxos sind 16 Arten aus den Gattungen Fumaria, Glaucium, Hypecoum, Papaver und Roemeria nachgewiesen worden, von denen ich hier bislang 11 vorstellen kann.

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Erdrauch, Fumaria

Die Gattung Erdrauch umfasst 55 Arten, die hauptsächlich in Mitteleuropa bis Zentralasien vorkommen. Es handelt sich um eher zarte, krautige Pflanzen mit gefiederten, oft graugrünen Blättern und traubigen Blütenständen; die zygomorphen Blüten besitzen kleine, Blütenblatt-ähnliche Kelchblätter, die seitlich an der Blüte sitzen, und vier Kronblätter, von denen die oberen nach hinten eine sackförmige Ausbuchtung bilden, während das unterste oft in charakteristischer Weise zurückgebogen ist. Die Blüten sind meist weiß oder rosa gefärbt mit dunklerer Spitze. Die Früchte sind einsamige Nüsschen. Die Erdrauch-Arten enthalten diverse Alkaloide; sie wurden seit der Antike als Heilpflanzen verwendet.

Die verschiedenen Erdrauch-Arten unterscheiden sich hauptsächlich in Details des Blütenaufbaus, die oft nur schwer zu erkennen sind. Entsprechend müssen hier manche Bestimmungen (vorerst) unsicher bleiben. Die meisten Arten wachsen an feuchten und schattigen Standorten. Auf Naxos kommen sie größtenteils nur verstreut vor. Nur die häufige Art Fumaria officinalis wächst in Feldern und Gärten auch an trockeneren Stellen.


Die Erdrauch-Arten, hier Fumaria officinalis, besitzen kleine, gefiederte, oft leicht graugrüne Blätter und traubige Blütenstände mit zygomorphen, kleinen, meist rosa oder weißlich gefärbten Blüten.


Hier sieht man bei Fumaria judaica den Aufbau der Blüte mit den vier Kronblättern, von denen das obere eine Aussackung hinten an der Blüte bildet und an der Spitze etwas hochgebogen ist, während das untere Kronblatt auf charakteristische Weise zurückgebogen ist. Die seitlichen Kronblätter besitzen eine dunklere Spitze. Seitlich an der Blüte sieht man die kleinen, gezähnten, in der Färbung den Kronblättern ähnlichen Kelchblätter (hier mit einem rosa Mittelnerv), deren Form ebenfalls für die Artbestimmung wichtig ist.

Fumaria capreolata


Fumaria capreolata ist an den relativ großen, weißen Blüten mit dunkelpurpurner Spitze und sehr großen, rundlichen Kelchblättern zu erkennen; charakteristisch sind außerdem die nach unten gebogenen Fruchtstiele (die verwelkenden Blüten hängen nach unten).

Fumaria gaillardotii ?


Fumaria gaillardotii besitzt tief gezähnte, spitze Kelchblätter; die Blüten sind rosa und die Frucht leicht zugespitzt.

Fumaria judaica ?


Fumaria judaica besitzt recht breite, zarte Blätter und weiße Blüten in eher wenigblütigen Trauben.


Die Kelchblätter sind schmal und klein, die Blüten weißlich mit kleiner purpurner Spitze. Diese Art besitzt zwei kleine schwarze Flecken auf den Nüsschen.

Fumaria macrocarpa


Fumaria macrocarpa besitzt zartrosa Blüten ohne dunklere Spitze; die Kelchblätter sind klein und schmal. Auffällig ist das hakenförmig nach unten gebogene, schmale untere Kronblatt.

Fumaria officinalis


Fumaria officinalis besitzt kleine purpurrote Blüten mit dunklerer Spitze und schmalen, gezähnten Kelchblättern.


Die Frucht ist an der Spitze abgeflacht.

Fumaria petteri ?


Fumaria petteri ist an den großen, runden Kelchblättern zu erkennen. Die Blüten sind rosa gefärbt mit dunkler Spitze und dunklen, feinen Adern.

Lappenblume, Hypecoum

Die Lappenblumen kommen in Asien und Südeuropa mit 15 Arten vor. Sie besitzen zweiseitig symmetrische Blüten und einen verzweigten Blütenstand; darin sehen sie eher den Erdrauch- als den Mohnarten ähnlich. Auf Naxos kommt nur eine Art vor; sie ist aber selten und ich habe sie bislang nur einmal in einem Flusstal bei Azalas gefunden.

Niederliegende Lappenblume, Hypecoum procumbens


Die Niederliegende Lappenblume besitzt schmale, zwei- bis dreifach gefiederte Blätter und langgestielte, je zu mehreren sitzende gelbe Blüten.


Die Blüten besitzen eine ungewöhnliche Form mit zwei größeren und zwei kleineren Kronbblättern; die Kronblätter sind dreilappig.


Die Lappenblume bildet langgestreckte, undeutlich gegliederte Schoten aus.

Hornmohn, Glaucium

Die Gattung Hornmohn umfasst gut 20 in Europa und West- und Zentralasien sowie Nordamerika verbreitete Arten, die dem Echten Mohn ähnlich sind, aber keine aufrecht stehenden Porenkapseln wie dieser, sondern lange, zylindrische Kapseln aufweisen. Die Hornmohn-Arten sondern einen gelben Milchsaft ab und besitzen meist blaugrüne, gelappte Blätter und gelbe oder rote Blüten mit vier Kronblättern und über 50 Staubblättern.

Gelber Hornmohn, Glaucium flavum


Die Hornmohn-Arten haben graugrüne Blätter und langgestreckte, zylindrische Kapseln.


Die großen Blüten sind leuchtend gelb.

Mohn, Papaver

Die etwa 100 Mohn-Arten (Gattung Papaver) kommen vor allem in den gemäßigten Regionen Eurasiens vor, aber auch im Mittelmeergebiet, im Nahen Osten, in Nordafrika und in Nordamerika. Es handelt sich um krautige, milchsaftführende Pflanzen mit gefiederten oder gelappten, oft borstig behaarten Blättern. Die lang gestielten Blüten besitzen zwei Kelchblätter, die beim Aufblühen abfallen, und vier oft zerknittert aussehende, große Kronblätter sowie zahlreiche Staubblätter (50 bis 100). Die Früchte sind aufrecht stehende Porenkapseln: die reifen, sehr feinen schwarzen Samen werden durch oben an der Kapsel unter dem „Deckel“ befindliche Poren ausgestreut.

Eine Mohn-Art, der Schlafmohn (Papaver somniferum), wird schon seit der Jungsteinzeit vom Menschen genutzt. Die Heimat der Pflanze ist der östliche Mittelmeerraum, wo sie auch zuerst kultiviert wurde. Die Samen des Schlafmohns wurden als Nahrungsmittel und zur Ölgewinnung genutzt; der Milchsaft der Pflanze enthält Morphin und wird als schlafförderndes und schmerzstillendes Heilmittel verwendet; außerdem wird aus ihm die Rauschdroge Opium hergestellt.

Auf Naxos kommen drei Mohn-Arten vor, von denen der Klatsch-Mohn die mit Abstand häufigste ist.

Saat-Mohn, Papaver dubium


Der Saat-Mohn ist leicht an den sehr schmalen, langen Porenkapseln zu erkennen; die Blüten sind oft orangerot und besitzen sich kaum überlappende Kronblätter. Er kommt hier und da an Wegrändern und in Feldern vor.

Bastard-Mohn, Papaver hybridum


Die Kapseln des Bastard-Mohns sind abstehend borstig; seine Blätter besitzen sehr schmale Fiederlappen. Auch diese Art ist auf Naxos nicht sehr häufig.

Klatsch-Mohn, Papaver rhoeas


Der Klatsch-Mohn kommt auf Naxos sehr häufig vor, insbesondere in Feldern und an Wegrändern.


Er besitzt längliche Kapseln, die nicht behaart sind. Die Stiele sind abstehend behaart.


Die Blätter sind fiederspaltig mit weit entfernt stehenden, mäßig schmalen Abschnitten.

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