Löwenmaulartige, Antirrhineae

Durch die heute üblichen molekularbiologischen und genetischen Untersuchungen werden oft die ehemals üblichen, nach morphologischen Merkmalen erstellten Pflanzenfamilien tiefgreifend umgestaltet. So wurde die ehemalige Familie der Rachenblütler (Scophulariaceae) stark umgestaltet: Zahlreiche Gattungen sind ausgegliedert und andere eingegliedert worden, und der deutsche Name in Braunwurzgewächse geändert worden. Eine ganze Anzahl der ehemals zu den Rachenblütlern gerechneten Gattungen werden heute zu den Sommerwurzgewächsen (Orobranchaceae) gerechnet (so die Gattungen Bellardia (Bartsia) und Parentucellia), andere zu den Wegerichgewächsen (Plantaginaceae). Letztere Familie umfasst nach der neuen Einteilungen knapp 100 Gattungen mit um die 2000 Arten; diese sind morphologisch sehr vielgestaltig und äußerlich oft nicht als näher verwandt zu erkennen. Sie werden entsprechend in eine Reihe von „Tribus“ eingeteilt; die ehemaligen Rachenblütler zählen zum Tribus der Löwenmäulchenverwandten, den Antirrhineae.

Die Antirrhineae sind meist eher niedrige, krautige Pflanzen mit Maskenblüten, einer Abart der Lippenblüten. Diese bestehen aus fünf zu einer Röhre verwachsenen Kronblättern, die eine zweilippige Blüte bilden. Oft besitzt die Kronröhre eine Aussackung oder einen Sporn an der Unterseite. Bei den Maskenblüten ist der Eingang zur Kronröhre durch eine Vorwölbung der Unterlippe, den Schlundhöcker, verschlossen, und die beiden Lippen sind durch ein Gelenk verbunden, so dass sie sich bei ensprechendem Druck auf die Unterlippe (oder seitlich an der Blüte) aufklappen und den Weg zum tief unten in der Kronröhre in einer sackartigen Ausbuchtung gelegenen Nektarvorrat freigeben. Diese sogenannten Kraftblumen können also nur durch große Insekten bestäubt werden, die so kräftig in die Röhre drücken können, dass die Blume aufklappt.

Auf Naxos kommen mehrere Vertreter der Antirrhineae vor, die den Gattungen Zimbelkräuter (Cymbalaria), Leinkräuter (Linaria), Löwenmäuler (Antirrhinum, und frühere Misopates) und Tännelkräuter (Kickxia) angehören.

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Mauer-Zimbelkraut, Cymbalaria muralis, (=Linaria cymbalaria)

Das Zimbelkraut ist eine krautige, kriechende Pflanze, die in Fels- und Mauerritzen wächst und vor allem an feuchten Standorten (schattige Felswände, Quellen, Brunnen) vorkommt. Auf Naxos ist sie selten, kommt aber hier und da an Mauern, Wasserstellen und Brunnen vor. Die etwa 10 Arten Zimbelkräuter stammen ursprünglich aus dem Mittelmeergebiet und Vorderasien, haben sich aber teilweise anthropogen fast weltweit verbreitet.

Das Mauer-Zimbelkraut besitzt dünne, kriechende Stängel und fünflappige Blätter; es ist größtenteils kahl. Die blassvioletten Maskenblüten sind haben einen langen, dünnen Sporn und gelbe Male, die Staubbeutel vortäuschen. Sie werden von Hummeln und Schwebfliegen bestäubt und richten sich zur Sonne hin aus. Die feinen Samen werden nach der Reife aus den Kapseln freigesetzt bis auf den letzten Samen, der in der Kapsel bleibt, die sich daraufhin von der Sonne wegwendet und in einer Ritze in die Erde bohrt, so dass der Samen die optimalen Bedingungen für seine Keimung erhält.


Das Zimbelkraut wächst an schattigen, feuchten Stellen in Mauerritzen oder Felsspalten, hier an einer mit einer Mauern eingefassten Wasserstelle. Es besitzt fünflappige Blätter an kriechenden Stängeln und kleine gespornte, blassviolette Maskenblüten.

Pellicier-Leinkraut, Linaria pelisseriana

Die Leinkräuter sind krautige Pflanzen mit Maskenblüten, die eine zweilappige Oberlippe und eine dreilappige Oberlippe sowie einen langen Sporn besitzen. Es gibt über 100 Arten, die vor allem im Mittelmeergebiet vorkommen. Auf Naxos kommen drei Arten vor; bei uns in Azalas habe ich bislang nur das Pellicier-Leinkraut gefunden.


Pellicier-Leinkraut besitzt aufrechte, wenig beblätterte, kahle Stängel, die in einem dichten Blütenstand um die fünf bis zehn violette Blüten tragen.


Die Blüten besitzen fünf freie, schmale Kelchblätter. Die verwachsenen Kronblätter bilden eine Maskenblüte mit langer, zweilappiger Oberlippe und einem dünn kegelförmigen, geraden Sporn an der Unterseite der Unterlippe, der etwa ebenso lang ist wie der Rest der Blüte. Der doppelte Schlundhöcker der Blüte, der den Eingang zur Kronröhre verschließt, ist etwas heller gefärbt. Die Früchte sind zweigeteilte, rundliche Kapseln.

Acker-Löwenmaul, Antirrhinum (=Misopates) orontium

Die Gattung Löwenmäuler kommt mit etwa 35 Arten im Mittelmeergebiet sowie im Westen Nordamerikas vor. Auf Naxos wächst als einzige Art das früher als Misopates abgetrennte Acker-Löwenmaul; es ist in der Phrygana recht häufig.


Die Blüte besitzt fünf lange, schmale Kelchblätter und eine zweilippige Krone; die Oberlippe ist schwach zweilappig und die Unterlippe dreilappig mit einem großen Schlundhöcker, der die Kronröhre verschließt.


Das Acker-Löwenmaul ist eine schlanke, aufrechte, wenig verzweigte Pflanze mit lanzettlichen Blättern. Die rosa Blüten sitzen in den Achseln von langen Tragblättern. Die Früchte sind große, eiförmige Kapseln.

Spießblättriges Tännelkraut, Kickxia elatine

Die Tännelkräuter sind eine kleine Gattung mit etwa 25 Arten, von denen nur fünf in Europa vorkommen. Sie sind kriechende, lang behaarte, drüsige Pflanzen mit lang gestielten, gespornten Blüten. Ich habe das Spießblättrige Tännelkraut bei uns noch nicht häufig gefunden; es wächst aber als Unkraut in unserem Garten.


Das Spießblättrige Tännelkraut bildet lange, kriechende Stängel aus.


Die lang behaarten Blätter sind spieß- bis pfeilförmig.


Die kleinen, lang gestielten Blüten besitzen große, breit dreieckige Kelchblätter, einen langen, gebogenen Sporn und samtige Lippen. Die Unterlippe ist gelb und besitzt einen doppelten Schlundhöcker, die Oberlippe ist rotbraun.

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