Hahnenfußgewächse I, Ranunculaceae

Die Hahnenfußgewächse sind eine große Familie, die viele artenreiche Gattungen umfasst. Sie sind weltweit verbreitet, haben ihren Verbreitungsschwerpunkt aber im gemäßigten Eurasien. Die Hahnenfußgewächse gehören zu den urtümlicheren Pflanzen; sie bilden eine einzelnstehende Ordnung (Ranunculales) innerhalb der Eudikotyledonen.

Viele Arten der Hahnenfußgewächse besitzen besondere Honigblätter in den Blüten, die manchmal wie Kronblätter aussehen können; häufig kann man nicht klar zwischen Kron-, Kelch- und Honigblättern unterscheiden. Alle Arten sind im frischen Zustand giftig. Auf Naxos sind um die 20 Hahnenfußgewächse nachgewiesen worden, die sieben Gattungen angehören: Adonis, Anemone, Clematis, Delphinium, Nigella, Ficaria und Ranunculus. Der Gattung Hahnenfuß gehören über die Hälfte der Arten an. Die Gattungen Ranunculus und Ficaria werden auf einer eigenen Seite abgehandelt.

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Adonisröschen, Adonis

Die den Anemonen ähnlichen Adonisröschen sind eine eher kleine Gattung mit etwa 30 Arten, die intensiv gelb oder rot gefärbte Blüten besitzen. Der Name der Pflanze leitet sich aus der griechischen Mythologie ab: Die Blume soll aus den Tränen der Aphrodite entsprossen sein, als diese um den Jüngling Adonis weinte, der auf der Jagd von einem Eber getötet worden war; die Blüten wurden vom Blut des Adonis rot gefärbt. Auf Naxos kommt eine rote Adonisröschen-Art vor, vermutlich Adonis annua; es könnte sich aber auch um eine rote Form der meist gelben Art Adonis microcarpa handeln; beide Arten sind nur schwer zu unterscheiden.


Das Adonisröschen (hier vermutlich Adonis annua) besitzt leuchtend rote Blüten. Diese sind aber ebenso wie die ganze Pflanze klein, und die Kornblätter fallen leicht ab.


Hier der Fruchtstand des Adonisröschens mit den vielen kleinen Nüsschen. Anhand der Merkmale der Nüsschen sind die Arten zu unterscheiden; man braucht dazu aber eine gewisse Erfahrung, so dass ich nicht ganz sicher bin, um welche Art es sich hier handelt.

Anemonen oder Windröschen, Anemone

Die etwa 150 Windröschen-Arten kommen vor allem in den gemäßigten Regionen der Nordhalbkugel vor. Typisch für die Gattung ist der ein Stück unterhalb der Blüte sitzende Quirl aus Hochblättern. Bei vielen Arten erscheinen die Grundblätter erst nach der Blüte. Bei den Blüten kann man keine Kron- und Kelchblätter unterscheiden. Die unterschiedlichen Arten besitzen fünf oder mehr sogenannte Blütenhüllblätter. Auf Naxos kommen zwei Arten vor, die Kronen-Anemone (Anemone coronaria) mit sechs Blütenhüllblättern und die Pfauen-Anemone (Anemone pavonina), die um die zehn Blütenhüllblätter aufweist.

Der Name „Anemone“ stammt schon aus der Antike. Anemona war eine Nymphe, in die sich der Windgott Zephyr verliebte, worauf diese von dessen eifersüchtiger Gattin Flora in eine Blume verwandelt wurde. Außerdem besteht ein Zusammenhang mit dem ánemos, dem Wind, von dem man glaubte, dass er die Blumen befruchte; sehr bald danach weht er dann die verblühenden Blütenhüllblätter davon, so dass die Anemone zu einem Symbol für die schnell vergehende Jugend wurde.

Kronen-Anemone, Anemone coronaria


Die Kronenanemone ist auf Naxos auf Wiesen und in der Phrygana, insbesondere in den niedrigeren Lagen, sehr häufig, sie kommt allerdings vor allem verstreut und weniger in größeren Beständen vor. Sie ist von der folgenden Art daran zu unterscheiden, dass sie sechs Blütenhüllblätter besitzt.


Jede Blume besitzt eine etwas unterschiedliche Färbung (weiß, bläulich oder rosa). Wie die meisten Hahnenfußgewächse besitzen auch die Anemonen viele Staubblätter.


Die Kronen-Anemone ist eine kleine Staude, die im Winter meist erst die Blüten und etwas später die Blätter bildet, die jedoch schnell wieder vergehen. Ein Stück unterhalb der Blüte sitzen die zerschlitzten Hochblätter.


Die Blüten besitzen sechs gleiche Blütenhüllblätter, die nicht in Kron- und Kelchblätter zu unterteilen sind.


Die Früchte sind kleine Nüsschen, an denen die fiedrig behaarten Griffel als Flugorgane erhalten bleiben.

Pfauen-Anemone, Anemone pavonina


Die Pfauen-Anemone wächst vor allem an etwas günstigeren Standorten wie auf Wiesen und in Weinbergen, wo sie auch in dichteren Beständen auftritt.


Sie besitzt acht bis zehn Blütenhüllblätter; oft weisen die Blüten in der Mitte einen helleren Kreis auf.


Die Hochblätter sind bei dieser Art nicht gefiedert, sondern einfach.

Rittersporne, Delphinium

Die Rittersporne sind eine artenreiche Gattung, deren etwa 300 Arten wie alle Hahnenfußgewächse vor allem auf der Nordhalbkugel vorkommen. Im Gegensatz zu den meisten anderen Hahnenfußgewächsen besitzen die Rittersporne „zygomorphe“ (zweiseitig symmetrische, nicht radiärsymmetrische) Blüten; die oberen Blütenhüllblätter tragen einen Sporn (daher der Name). Auch die Rittersporne sind giftig. Auf Naxos kommen der Scharfe Rittersporn (Delphinium staphisagria) und Delphinium peregrinum vor.

Scharfer Rittersporn, Delphinium staphisagria

Der Scharfe Rittersporn, eines der größeren Hahnenfußgewächse, wächst auf Naxos an etwas feuchteren Standorten und ist dementsprechend eher selten. Er besitzt große, handförmig gelappte Blätter und einen aufrechten Blütenstand mit zahlreichen blauen Blüten.


Der Scharfe Rittersporn ist eine kräftige, hohe Pflanze mit zahlreichen blauen Blüten in einem aufrechten Blütenstand. Ich habe ihn erst selten gefunden.


Der Scharfe Rittersporn ist eine kräftige, hohe Pflanze mit zahlreichen blauen Blüten in einem aufrechten Blütenstand. Ich habe ihn erst selten gefunden.

Delphinium peregrinum

Diese Art ist auf Naxos wesentlich häufiger als die vorige; sie kommt bei uns in der Phrygana vor. Diese Pflanze besitzt lange, schlanke Stängel mit kleinen, lanzettlichen Blättern. Die lang gespornten Blüten sind dunkelblau gefärbt.


Delphinium peregrinum kommt bei uns in der Phrygana regelmäßig vor, es ist aber eine eher unauffällige Pflanze.


Diese Art besitzt kleine, schmale Blätter, die eng an den langen, dünnen Stängeln liegen.


Die stark zygomorphen, dunkelblauen Blüten tragen einen deutlichen, sehr langen Sporn.

Schwarzkümmel, Nigella

Die kleine Gattung der Schwarzkümmel umfasst krautige Arten mit sehr fein gefiederten Blättern und weißlichen oder blauen Blüten mit speziellen, kurzen, zweigeteilten Honigblättern. Die meisten Arten besitzen ihren Verbreitungsschwerpunkt im Mittelmeerraum.

Die Früchte des Echten Schwarzkümmels werden in der orientalischen Küche verwendet; sie haben einen Kreuzkümmel-ähnlichen, herben Geschmack. Auch wir verwenden sie vermischt mit Sesam beim Brotbacken.

Jungfer im Grünen, Nigella damascena


Diese Art ist an der Hülle aus haarfeinen, mehrfach gefiederten Hochblättern zu erkennen, die die Blüte umgibt.


Die Blüten sind blau, die Fruchtbälge bis zum Beginn der schlanken Spitzen verwachsen.

Acker-Schwarzkümmel, Nigella arvensis

Der Acker-Schwarzkümmel gedeiht, wie sein Name zeigt, besonders gern in Getreidefeldern, und hat sich als Ackerunkraut bis nach Mitteleuropa ausgebreitet, wo er jedoch heutzutage durch Pestizid-Gebrauch wieder sehr selten geworden ist, so dass er als stark gefährdet eingestuft wird. Der Acker-Schwarzkümmel blüht erst im späten Frühjahr, wenn die meisten anderen Blumen vertrocknet sind.


Die grünlichen Blüten des Acker-Schwarzkümmels besitzen blaue Staubblätter und Griffel, und recht auffällige, grünliche, rundliche, zweigeteilte Honigblätter mit einem dunklen Querstreifen. Die Staubblätter und später die Griffel biegen sich nacheinander nach außen, um in Kontakt mit den bestäubenden Insekten zu kommen.


Die warzigen Fruchtbälge sind auf etwa 2/3 der Länge verwachsen; ihre Spitzen neigen sich im reifen Zustand schräg auseinander. Die Stängelblätter sind zweifach gefiedert mit feinen Abschnitten.

Nigella doerfleri


Diese Art blüht früher als die vorige. Die oberen Stängelblätter sind einfach gefiedert.


Die Blüten besitzen schmale, blassblaue Blütenblätter, rote Honigblätter und gelbliche Staubblätter.


Die Fruchtbälge sind bis fast zum Ende verwachsen; nach der Blüte stehen die Spitzen fast aufrecht.

Waldrebe, Clematis

Rankende Waldrebe, Clematis cirrhosa

Die Waldreben gehören zu den wenigen Hahnenfußgewächsen, die verholzen. Sie wachsen als Lianen. Es gibt etwa 300 Waldreben-Arten, die vor allem in den gemäßigten Regionen der Nordhalbkugel vorkommen.


Die Rankende Waldrebe wächst kletternd in Bäumen oder auf Mauern; sie kommt in Wäldern und Macchie vor allem in den warmen Gegenden von Naxos vor. Sie besitzt immergrüne, gelappte oder dreiteilige Blätter.



Hier sieht man ein typisches Exemplar, das in einem kleinen Kermeseichenwäldchen auf den Bäumen klettert.


Die Waldreben besitzen keine Kronblätter; die Kelchblätter sind kronblattartig ausgebildet. Bei der Rankenden Waldrebe sind sie cremefarben. Die Blüte besitzt zahlreiche freie Staubblätter und Griffel.


Die Blüten der Waldrebe bieten den bestäubenden Insekten Nektar und vor allem viel Pollen. Hier eine Biene mit prall gefüllten „Höschen“.


Die zu vielen zusammenstehenden Früchte der Waldreben sind kleine Nüsschen, an denen der Griffel als langer fedrig behaarter Anhängsel erhalten bleibt. Bei trockenem Wetter sind die Griffelhaare abgespreizt und dienen der Windverbreitung. Bei Feuchtigkeit legen sich die Haare dagegen an; die Früchte mit den langen Griffeln haften dann leicht an vorbeistreifenden Tieren. Durch abwechselndes Trockenen und Befeuchten bewegen sich die Früchte außerdem langsam fort und können sich so in die Bodenvegetation oder die Erde hineinbohren.

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