Das Metallhandwerk

Schon in der Steinzeit verarbeiteten die Menschen gelegentlich Metall zur Herstellung von einfachen Werkzeugen oder Schmuckobjekten. Dabei handelte es sich meist um gediegenes Metall, das rein, nicht als Erz, in der Natur gefunden werden konnte wie Silber und Gold, aber auch Blei und Kupfer. Der Beginn der Bronzezeit wird markiert durch die Entwicklung einer Metallverarbeitung, bei der eine Legierung hergestellt oder das Metall aus Erzen gewonnen wird. Die Entdeckung der Herstellung von Bronze, einer Legierung aus Kupfer mit Zinn oder Arsen, ging mit einem entscheidenden kulturellen Fortschritt einher, weil mit der Herstellung von Werkzeugen aus der harten Legierung neue Möglichkeiten in Handwerk und Technik geschaffen wurden.

Die ersten Metallgegenstände auf den Kykladen

Schon während der Steinzeit treten einzelne Metallobjekte in der Ägäis auf, so Kupferstücke und Guss-Tiegel in der neolithischen Siedlung von Kephala und das kleine Stück Goldblech aus der Zeushöhle; auch einfache Werkzeuge aus Bronze sind gefunden worden. Trotzdem spielt das Metall erst ab der Bronzezeit eine größere Rolle im Leben der Menschen. In der ersten Phase der Kykladenkultur sind Metallgegenstände noch selten und bestehen üblicherweise aus Kupfer, Silber oder Blei (eigentlich müsste diese Phase also noch als Kupferzeit angesprochen werden, der letzten Phase der Jungsteinzeit). Ab der mittleren Phase der Kykladenzeit treten wesentlich mehr Metallwaren auf und Bronze wird das gebräuchlichste Material, vor allem für die Herstellung von Werkzeugen.

Silber verwendeten die Kykladenmenschen zur Herstellung von Schmuck: So wurden fein gearbeitete und verzierte Gewandnadeln aus Silber gefunden sowie in einem Grab etwa 200 durchlöcherte Silberblech-Scheiben, die wohl von einer Kette stammen. Während eine ganze Reihe von Silbergegenständen gefunden worden, fehlen Goldobjekte in der Kykladenzeit (außer einer kleinen Goldperle aus einem Grab). Das leicht zu formende Blei wurde für die Herstellung komplizierter Formen verwendet (so die ungewöhnlichen Schiffsmodelle aus Blei) sowie zum Flicken von zerbrochenen Ton- oder Marmorgegenständen: Die Teilstücke wurden mit leicht zu biegenden Bleidraht oder mit Bleinieten zusammengefasst.


das jungsteinzeitliche Goldblech, das in der Zeus-Höhle gefunden wurde (Museum Chora)


flache Marmorschale, die zerbrochen und wieder geflickt war, vermutlich mit Bleidraht

Aus Kupfer und Bronze wurden einfache Gebrauchsgegenstände und Werkzeuge wie Ahlen und Nadeln, Äxte, Meißel und Keile hergestellt. Auffällig ist das Fehlen von Ackerbaugeräten, wobei man natürlich bei der Auswertung der Fundstücke stets bedenken muss, dass wir nur die Metallgegenstände kennen, die erhalten geblieben sind. Es wäre möglich, dass wir keine Ackerbaugeräte finden, weil ihr Metall stets wieder eingeschmolzen und weiter verwendet wurde, während kleinere Gegenstände wie Ahlen auch mal verloren gingen oder als Beigaben in die Gräber gegeben wurden.


Bronzewerkzeuge im Museum von Apiranthos


diverse kleine Bronzewerkzeuge, Museum Apiranthos

Waffen sind auf den Kykladen nur wenige gefunden worden; sie treten erst in der späten Phase der Kykladenkultur auf. Außer Messern (die natürlich auch für den häuslichen Gebrauch bestimmt gewesen sein können) hat man Speerspitzen gefunden; Schwerter kennt man (in einzelnen Stücken) erst vom Ende der Kykladenkultur.


Bei diesem versilberten Dolch handelt es sich vermutlich um ein Prestigeobjekt. Versilberte Gegenstände sind während der Kykladenkultur sehr selten. Dieser Dolchtyp ist auf den Kykladen entwickelt worden. Es ist eines der frühesten Beispiele für ein versilbertes Objekt im Ägäisraum (Museum Chora).

Die Entwicklung der Metallwerkzeuge gab auch vielen anderen Handwerkszweigen einen entscheidenden Anstoß, so der Schreinerei. Besonders bedeutend war die Erfindung der Säge, die erst nach der Entdeckung der Bronzelegierungen möglich war, da nur aus Bronze ausreichend feste Metallblätter hergestellt werden können. Die Entwicklung der Säge brachte einen wichtigen Aufschwung im Schiffsbau, da nun dünne Holzplanken hergestellt werden konnten, die den Bau wesentlich leichterer und für Fernfahrten und Handel geeigneter Schiffe ermöglichten.


Schreinerwerkzeuge: Axt und Meißel

Der Ursprung der Metallverarbeitung

Schon die ersten Einwanderer in die Ägäis waren mit einer einfachen Kupferverarbeitung vertraut. Um 8.500 v. Chr. war der Gebrauch von Kupfer als erstem Metall in Südostanatolien entdeckt worden. Kupfer existiert als einziges Metall außer Silber, Gold und Blei in gediegener Form in der Natur, so dass es (ebenso wie jene) vergleichsweise einfach verwendet werden konnte. In der Steinzeit wurde das Metall aber erst sehr spärlich benutzt.

Von Kleinasien aus verbreitete sich das Metallhandwerk nach und nach über das gesamte östliche Mittelmeergebiet. In dieser Region gibt es nur wenige Metallvorkommen, so dass schon recht früh mit Metallen gehandelt werden musste. In Nordgriechenland und auf dem Balkan wurden schon in der Steinzeit bedeutende Gold- und Silbervorkommen entdeckt und ausgenutzt (zunächst wurden diese Edelmetalle aus den Sanden der Flussmündungen ausgesiebt). So entstanden die beeindruckenden Goldschätze der reichen und hochstehenden neolithischen Kulturen im bulgarischen und rumänischen Raum, zu denen auch das in den steinzeitlichen Schichten der Zeus-Höhle auf Naxos gefundene Stück Goldblech gehört. In Serbien gab es reiche Kupferlagerstätten, die der Metallverarbeitung ab 5.500 v. Chr. einen großen Auftrieb gaben. Hier wurde um 4.500 v. Chr. zum ersten Mal auch die Verarbeitung von kupferhaltigen Erzen und somit eine echte Metallurgie entwickelt.

Die Metallverarbeitung erreicht die Ägäis

Nach dem ersten Gebrauch von gediegenem Metall erreichte die aufwändigere Technik der Metallverhüttung und die Herstellung von Gebrauchsgegenständen und Werkzeugen die Kykladen vermutlich über die engen Kontakte zur Nordägäis, wohin sie wiederum aus dem Balkanraum gelangt war. Nach anderen Forschern wurde sie von Händlern aus der Levante in den Ägäisraum gebracht, die auf der Suche nach Erzlagerstätten waren, da sich die anatolischen Vorräte allmählich erschöpften. Auf Kreta setzte die neue Technik sich eher durch als auf den Kykladen, hier wurden schon in der ersten Phase der Frühen Bronzezeit zahlreiche Metallobjekte hergestellt.

Der Typenschatz der Metallgegenstände auf den Kykladen in der Mittleren Phase der Frühen Bronzezeit, als diese in größeren Mengen auftragen, zeigt vor allem Verbindungen zur Nordostägäis (Troja u.a.), aber auch nach Kreta und zur Levante. Die Kykladenmenschen erfanden jedoch auch einige ungewöhnliche oder einzigartige Gegenstände wie die bleiernen Schiffsmodelle oder ein Bleisiegel von Naxos.


kleines Metallgefäß im Museum von Apiranthos


kykladische Bronzegegenstände im Museum in der Chora

Auf Naxos hat man keine Erzvorkommen nachweisen können, ebenso fehlen bislang alle Spuren einer Metallverarbeitung vor Ort. Silber, Blei und Kupfer wurden aber auf den Kykladeninseln Kythnos und Siphnos abgebaut. Kupfererze (Azurit und Malachit) kommen auf Thera vor und wurden dort vermutlich schon in der Frühen Bronzezeit abgebaut; auch arsenhaltige Erze vulkanischen Ursprungs können auf Milos oder Thera gefunden werden. Auf Ägina und in der Nähe von Rafina hat man Schmelzöfen gefunden und auf Syros Überreste einer Metallwerkstatt. Die meisten Gegenstände sind durch Guss in offenen Ton- oder Steinformen und nachträgliches Schmieden hergestellt worden; auch rein geschmiedete oder getriebene Gegenstände kennt man (z.B. manche Nadeln sowie sorgfältig durch Einpunzen verzierte Silberblechdiademe und Silberschüsseln).

Die Ausbeutung der iberischen Metallvorkommen

Den Kykladenbewohnern standen in ihrer Heimat nur begrenzte Metallvorkommen zur Verfügung. So machten sie sich schon sehr früh auf die Suche nach neuen Quellen, wobei sie sich nach Westen wandten, da die Lagerstätten in den östlichen und nördlichen Gebiete schon ausgenutzt wurden. So gelangten sie bis nach Spanien, wo sie reiche Metallvorkommen fanden. Ab der ersten Phase der Frühen Bronzezeit gründeten sie in Südspanien und an der portugiesischen Atlantikküste kleine Kolonien in der Nähe von Kupferlagerstätten, die sich stark von den lokalen, noch in der Steinzeit stehenden Ansiedlungen unterschieden.

Arsenhaltige Bronze

Die meisten Bronzegegenstände der frühen Kykladenkultur, wie auch anderer verwandter Kulturen, bestanden aus einer Legierung von Kupfer mit Arsen, nicht mit Zinn. Auf der Iberischen Halbinsel weisen einige Kupferlagerstätten einen natürlichen Arsenanteil auf. Schon ab 4.000 v. Chr. tauchen in der Ägäis die ersten Gegenstände aus arsenhaltigem Kupfer auf, das von der Iberischen Halbinsel stammt, wie durch Mineralanalysen nachgewiesen werden kann – das lässt den Verdacht aufkommen, dass die Menschen die Vorteile dieser Legierung möglicherweise durch die Ausbeutung dieser Lagerstätten entdeckten.

Die Entwicklung der Zinnbronze

Echte Bronze ist eine Legierung von Kupfer und Zinn etwa im Verhältnis 9:1. Zinn kommt im östlichen Mittelmeergebiet nicht vor und musste aus Orient oder dem westlichen Mittelmeergebiet importiert werden. In Anatolien gab es (allerdings nicht sehr ergiebige) Vorkommen, die ab 3.300 v. Chr. ausgebeutet wurden; die nächsten Lagerstätten Richtung Osten liegen erst im Iran, in Usbekistan und in Afghanistan, von wo aus nach Mesopotamien und auch in die Ägäis gehandelt wurde. In den Kulturen des Nahen Ostens (Mesopotamien, Palästina,…) und in Ägypten wurde ebenso wie im Ägäisraum echte Zinnbronze erst ab der Mittleren Bronzezeit hergestellt; ab 2.600 v. Chr. wurden auch in Zentralspanien Zinnvorkommen entdeckt und ausgebeutet. Echte Bronze besitzt eine größte Härte als Arsenbronze und bessere Eigenschaften zur Werkzeugherstellung. Mit ihrer Entwicklung wurde die Herstellung von Arsenbronze schnell eingestellt, möglicherweise auch deswegen, weil die Menschen deren toxische Eigenschaften erkannten.

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weiter: Die Beziehungen zu den benachbarten Völkern

siehe auch: Minoische Kolonien in Spanien (Los Millares) (auf englisch)

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