Siedlungen

Während der Steinzeit war die menschliche Besiedlung auf Naxos vermutlich noch spärlich. In der Frühen Bronzezeit sind dagegen große Gebiete der Insel bewohnt: Fundstellen gibt es insbesondere an der Südküste von Moutsoúna über Pánormos und den Südwesten (z.B. Bei Agiassós, Kastráki, Mikrí Vígla und Ágia Ánna) bis zur Chóra; aber auch im Norden und im Innern der Insel sind frühbronzezeitliche Überreste gefunden worden (z.B. bei Mélanes, Sangrí, Engarés, Liónas, Apóllonas). Dicht besiedelt waren auch die sich südlich und östlich anschließenden Kleinen Kykladen wie Koufonísi und Kéros.

In der ersten Phase der Frühen Bronzezeit lebten die Menschen auf den Kykladen in kleinen Familienverbänden, wie die je nur wenige Gräber umfassenden Friedhöfe bezeugen. Aus dieser Zeit sind auf Naxos keine Siedlungen oder Häuser erhalten. Während der zweiten Phase der Kykladenkultur wuchs die Bevölkerung und die Siedlungen wurden größer; sie umfassten nun bis zu einige Dutzend Wohnstätten. Die Häuser waren klein und hatten einen rechteckigen Grundriss, oft mit zwei Räumen. Sie waren aus unbehauenen Steinen unter Verwendung von Erdmörtel gebaut. Das flache Dach war vermutlich aus Schilf und Holz gefertigt und mit Erde bedeckt.

Die Akropolis von Panormos
Auf den Kykladen sind nur vereinzelt Reste bronzezeitlicher Siedlungen erhalten, hier die kleine bronzezeitliche Akropolis auf dem Korphári ton Amygdalión bei Pánormos.

Eine bemerkenswerte Eigenart der frühbronzezeitlichen Siedlungen ist, dass es in ihnen gewöhnlich nur gleichwertige Häuser gab: Kein größeres Bauwerk lässt sich als Wohnstätte eines Anführers, Fürsten oder Königs erkennen. Offenbar waren alle Menschen gleichgestellt.

Bedrohung durch Piraten

Schon seit dem Beginn der Kykladenkultur treten hier und da befestigte Siedlungen auf, die eine Bedrohung der kykladischen Siedler bezeugen. Während der dritten Phase sind dann fast alle Siedlungen befestigt, das heißt sie sind durch dicke Umfassungsmauern mit vorspringenden Bastionen geschützt. Viele der Siedlungen liegen auf mehr oder weniger steilen Hügelkuppen, oder sind so angelegt, dass sie vom Meer aus nicht sichtbar waren.

Von den befestigten Siedlungen der Kykladen sind einige gewaltsam eingenommen worden (z. B. die kleine Festung des Korphári ton Amygdalión in Pánormos). Es ist nicht ganz klar, wer die Angreifer waren, möglicherweise Eindringlinge aus einer der umgebenden Regionen. Man kann allerdings nirgendwo erkennen, dass sich an den Siedlungsplätzen nach den Angriffen eine andersartige Bevölkerung niedergelassen hätte. Die Erklärung für die Zerstörung der Siedlungen liegt vermutlich im Piratenwesen. Die früheste Erwähnung von Piraten finden wir in der Mythologie, wo berichtet wird, das tyrrhenische Piraten bei Ikaria den Gott Dionysos entführt hätten. Der antike Geschichtsschreiber Thukydides berichtet uns, dass es seit Beginn des Schiffswesens auch Piraterie in der Ägäis gegeben habe, wobei die Piraten als Ziel hatten Nahrungsmittel zu erbeuten. König Minos sei es gelungen, die Piraterie zu unterbinden, indem er die Inseln unter seine Herrschaft brachte.

Die Akropolis von Panormos
der Eingang zur kleinen Akropolis in Panormos

Auch in den benachbarten Regionen, in Kleinasien, auf Kreta und auf dem griechischen Festland, sind hier und da Ansiedlungen von kykladischer Art gefunden worden, bei denen es sich aller Wahrscheinlichkeit nach um Handelssiedlungen der Kykladenbewohner handelte.

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