Der antike Friedhof bei Tsikalario

In der Nähe des Dorfes Tsikalarió liegt ein antiker Friedhof aus der geometrischen Epoche (11. bis 8. Jhd. v. Chr.), nicht weit von der venezianischen Festung Apáno Kástro entfernt. Er befindet sich in einer kleinen Ebene innerhalb der Granitlandschaft zwischen dem Tal von Potamiá und der Tragaía und ist über einen schönen Spaziergang zu erreichen, wenn man den Weg zu finden weiß.


Vom Dorf Tsikalarió aus gelangt man in einem kleinen Spaziergang zum geometrischen Friedhof.


Ein undeutlicher Pfad führt hinter den letzten Häusern der Siedlung in die Granitlandschaft um das Apáno Kástro und zu der kleinen Ebene, in der die antiken Gräber liegen.


Überall stehen und liegen große Granit- (Granodiorit-)Blöcke.


Anfang Mai blüht hier die Salbeiblättrige Zistrose.


Wenn man dem Tal bis zum Ende folgt, kommt man zu einem das Friedhofsgelände markierenden Menhir.


der Menhir mit der Tragaía im Hintergrund


In der anderen Richtung schaut man vom Menhir aus auf die Grabhügel (nun keine Hügel mehr), die rund angelegt und jeweils von einem Kreis aufrecht stehender Steine umgeben sind. Hier sieht man den größten der Steinkreise.


Innerhalb dieses Steinkreises sind kleinere, aus Steinen geformte Strukturen zu erkennen; es handelt sich um die ehemaligen einzelnen Gräber.


Westlich schließt sich eine Ebene an, auf der mindestens sechs weitere Steinkreise liegen.


An einem der Kreise ist zu erkennen, dass er kürzlich ein Stück freigelegt worden ist.


Der ehemals von Erde bedeckte Bereich ist nicht von Flechten bewachsen und dementsprechend nicht weißlich, sondern rotbraun gefärbt.


Und noch ein Steinkreis…


Blick zurück über die Ebene; im Hintergrund die Tragaía mit dem in Wolken gehüllten Zeus.


In die andere Richtung blickt man von derselben Stelle aus auf das Apáno Kástro mit seinem venezianischen Kastell.

In den Jahren 1963 bis ’66 wurden die Gräber des Friedhofs von Tsikalarió von Archäologen untersucht. Die meisten der Gräber waren schon ausgeraubt, aber auch die wenigen unberührten ergaben verhältnismäßig wenig Fundstücke. Es konnten insgesamt 18 Grabhügel (Tumulusgräber) von unterschiedlicher Größe (7 bis 12 m Durchmesser) und Form (meist rund, zwei sind rechteckig) lokalisiert werden. Zwei Tumuli enthielten gar keine Gräber, sondern waren bloße Steinaufhäufungen, also wohl Totenmale. Heute sind von den Grabhügeln nur noch die Einfassungen aus unregelmäßigen, aufrechten Steinen erhalten.

Die meisten Tumuli enthielten, soweit erkennbar, kleinere Steineinfassungen, die die Einzelgräber umschlossen. In der Mitte, manchmal auch außerhalb des Kreises, wurden Ascheschichten gefunden, die von den Verbrennungen der Toten oder der Grabbeigaben herrühren. An Beigaben wurden vor allem Gefäßreste der geometrischen Epoche gefunden, dazu einige Reste von Waffen und einige goldene Schmuckstücke. Außerdem fand man Reste von Knochen sowie von Weintrauben, Walnüssen und Feigen, die wohl als Nahrungsspende gegeben worden waren. In einem Grabhügel lag eine große Steinplatte, die vermutlich als Opfertisch diente. Sowohl in der Mitte des Tumulus als auch neben den Grabhügeln standen große Tongefäße, die als Aschenurnen interpretiert werden, obwohl nur sehr wenige von ihnen Knochenreste enthielten; in den meisten fand sich merkwürdigerweise Sand. In einem der Tumuli lag außerdem ein Steinkistengrab – das Bild ist also recht uneinheitlich.


Aufsicht auf zwei der Steinkreise, ebenso wie die folgenden Fotos aus dem Museum in der Chóra


Zeichnung zweier Gräber einschließlich der in ihnen gefundenen Tonwaren


große Tongefäße aus den Gräbern von Tsikalarió; vermutlich handelt es sich um Ascheurnen, obwohl die meisten merkwürdigerweise Sand enthielten


In den Grabhügeln wurden einige goldene Schmuckstücke gefunden. Rechts sieht man die Überreste von Weintrauben, Feigen und Walnüssen, die vermutlich als Nahrungsspenden dienten.


Waffenreste aus den Gräbern


kleine Tongefäße aus den Gräbern in Tsikalarió


Auch einige menschliche und tierische Tonfigürchen wurden in den Gräbern gefunden.

Im Osten des Geländes wurden die Fundamente zweier rechteckiger Gebäude mit zwei bzw. drei Zimmern gefunden. In ihnen fand man Herdstellen aus senkrechten Steinplatten, dazu einige grobe Scherben und Steinwerkzeuge, die allerdings nicht viel aussagen. Von Osten, von der Tragaía aus, führt eine antike Straße zum Friedhofsgelände hinauf; an ihrer Mündung steht der bemerkenswerte Menhir. Insgesamt hat die Anlage bei der archäologischen Grabung wenig brauchbare Artefakte geliefert; klar ist nur, dass es sich um einen Friedhof handelte und dass er in die geometrische Zeit zu datieren ist. Und es ist eine in der näheren und weiteren Umgebung einzigartige Anlage: Es handelt sich um den einzigen geometrischen Tumulusfriedhof in ganz Griechenland, und der Menhir, der ihn markiert, ist der einzige seiner Art auf dem ganzen Balkan.

siehe auch:

Quelle: „Tsikalario auf Naxos“ in: Kunst und Kultur der Kykladen, Teil II, Werner Ekschmitt, Philipp von Zabern-Verlag, Mainz 1986

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