Traubenhyazinthen, Muscari

Die Traubenhyazinthen (Muscari) werden heute in die Familie der Asparagaceae gestellt , wo sie in die Unterfamilie der Scilloideae gehören. Es gibt etwa 60 Traubenhyazinthen-Arten, die in Europa, Nordafrika und Südwestasien heimisch sind. Auf Naxos gehören die Traubenhyazinthen zu den häufigsten und auffälligsten Zwiebelpflanzen. Sie setzen im Frühling in der naxiotischen Landschaft hübsche, intensiv blaue Farbtupfer. Traubenhyazinthen sind mehrjährige Zwiebelpflanzen: Im Sommer sterben die oberirdischen Teile ab und nur die Zwiebeln überdauern die Trockenzeit. Auf Naxos kommen sechs Arten vor.

Die verschiedenen Traubenhyazinthen-Arten sind einander sehr ähnlich und teilweise nur bei genauerem Hinsehen zu unterscheiden. Alle Arten besitzen lange, schmale, grundständige Blätter und einen unbeblätterten Blütenstand mit zahlreichen kleinen, blauen, etwa glockenförmigen Blüten. Im unteren Teil des Blütenstands stehen fruchtbare Blüten, während der obere Teil aus leuchtender gefärbten, meist kleineren, unfruchtbaren Schaublüten besteht.


Alle Traubenhyazinthen besitzen lange, schmale Blätter und blaue, glockenförmige Blüten.

Die Gattung der Traubenhyazinthen hat ihren Verbreitungsschwerpunkt im Mittelmeergebiet und den östlich angrenzenden Regionen sowie in Nordafrika; einige Arten kommen auch in Mitteleuropa vor.

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Muscari commutatum

Die auf der ganzen Insel verbreitete, häufige Art Muscari commutatum ist leicht zu erkennen: Sie ist besonders klein, und der Blütenstand ist sehr dicht mit kleinen, kurz gestielten schwarzblauen Blüten.


Muscari commutatum ist kleiner als die anderen Arten. Sie wächst in dichten Grüppchen.


Die fertilen Blüten sind schwarzblau, die sterilen klein und hellblau. Beide besitzen nur sehr kurze Stiele.

Muscari pulchellum

Die ähnliche Art Muscari pulchellum ist auf Naxos viel seltener und kommt bei uns in Azalas nicht vor; bislang habe ich sie nur in der Nähe von Apiranthos gesehen. Muscari pulchellum ist erst kürzlich von der sehr ähnlichen M. neglectum abgespalten worden und wird manchmal nur als eine Form dieser Art betrachtet.


Muscari pulchellum ist der vorigen Art ähnlich; sie unterscheidet sich an den gut entwickelten, helleren, leuchtend blauen, sterilen Schaublüten im oberen Teil des Blütenstandes und den weißen Zähnchen an den schwarzen fertilen Blüten.

Muscari weissii ?

Die häufigste Art auf Naxos ist Muscari weissii (oder M. cycladicum?); sie kommt überall auf der Insel vor. Sie besitzt einen größeren Blütenstand, der sich im Lauf der Blütezeit stark streckt. Die Blüten sind deutlich gestielt; die sterilen Blüten stehen horizontal.


Die sterilen Blüten von Muscari weissii sitzen an langen, horizontal ausgerichteten Stielen und sind leuchtend blau gefärbt, während die fertilen Blüten bräunlich sind und gelbliche Zähnchen besitzen.


Hier ein besonders großes, blütenreiches Exemplar.

Muscari comosum

Seltener ist die schöne Muscari comosum; sie ist vor allem auf Wiesen und an anderen reicheren Standorten zu finden. Diese Art ist an den zahlreichen, sehr kleinen, aufrecht stehenden, lila Schaublüten im oberen Teil des Blütenstandes zu erkennen.


Muscari comosum besitzt besonders zahlreiche, lila gefärbte sterile Blüten, die in charakteristischer Weise in die Höhe stehen. Die fertilen Blüten sind braun mit weißen Zähnen.

Nutzung

Die Zwiebeln von Muscari comosum und Muscari weissii sind essbar und werden von den Dorfbewohnern gesammelt. Schon aus der Antike ist überliefert, dass sie gegessen und auch angebaut wurden. Sie wurden damals schon mit demselben Namen bezeichnet wie heute noch: volví.

Die Zwiebeln werden im Winter vor der Blüte ausgegraben. Man reinigt sie von den äußeren trockenen Hüllen und schneidet den kegelförmigen Wurzelansatz heraus. Bei den richtigen Zwiebeln sind die äußeren Hüllblätter leicht rötlich; andere Zwiebeln sollte man nicht essen, weil viele Arten giftig sind.

Zwiebeln und Blätter werden in Salzwasser gekocht, bis sie weich sind. Die fertigen Zwiebeln werden mit Öl und Essig übergossen und wie andere chórta (Wildgemüse) zu Fleisch oder gebratenen Kartoffeln gegessen. Sie haben einen speziellen, leicht bitteren Geschmack.


So sehen die Zwiebeln der Traubenhyazinthen aus.


Und hier sind sie fertig gekocht und angerichtet: Guten Appetit!

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siehe auch:

zum Weiterlesen: Muscari-Überblick von Niels Böhling

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