Argokili – Prophezeiungen, Ikonen und eine Wallfahrtskirche

Am Argokíli in der Nähe des Gebirgsdorfes Kóronos wird zur Zeit eine große Wallfahrtskirche errichtet, einer der größten Kirchenbauten des Balkanraumes.

Hier findet man die Lage der Kirche bei Google Earth.

Argokíli
rechts im Bild die alte Kirche der Panagía Argokiliótissa, im Vordergrund links die Ágia Anna und im Hintergrund der neue, gigantische Kirchenbau

Hier am Argokíli waren im Jahr 1836 aufgrund von Prophezeiungen wundertätige Ikonen gefunden worden. Von diesen ist nur noch eine erhalten, eine nur zigarettenschachtelgroße Ikone, die aus einem besonderen Wachs geschnitzt ist, dessen Zusammensetzung man heute nicht mehr kennt. Sie ist mit einem großen Silberrahmen versehen worden und wird von der Bevölkerung sehr verehrt.

Argokíli

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts bis in die zwanziger Jahre des 20. Jhds. hatten viele Koronidiaten prophetische Träume, teilweise auch Kinder. In diesen wurden ihnen nicht nur Warnungen erteilt, wie vor dem Einsturz einer Schmirgelmine oder einem verheerenden Unwetter, sondern es wurden auch Dinge des heutigen Alltags wie das Auto oder die Straßenbeleuchtung angekündigt, Sachen, die den Menschen damals noch unverständlich und ungeheuerlich waren und die erst lange später verständlich wurden. Viele Prophezeiungen und Träume sprachen von großer Armut und Hunger, die in der nahen Zukunft das Dorf heimsuchen würden, und kündigten so die Zeit des Zweiten Weltkrieges und der italienischen Besatzung an, die in Koronos zu einer besonders verheerenden Hungersnot führten, der über 300 Menschen zum Opfer fielen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg errichteten die Koronidiaten eine Kirche am Argokíli, die Panagía Argokiliótissa, die am Freitag nach Ostern, dem Tag des Lebensspendenden Quells ihr Kirchenfest feiert. Zu diesem Fest pilgerten Jahr für Jahr Hunderte von Menschen von Naxos und auch den umliegenden Inseln zum Argokíli, wo sie in einigen einfachen Zellen bei der Kirche oft auch übernachteten und mehrere Tage lang zusammen verbrachten und feierten.

Argokíli

Neben der Panagía Argokiliótissa liegt eine zweite kleine Kirche, die Ágia Anna oder Ágia Évresi (Heilige Auffindung). Diese Kirche wurde direkt über der Felsspalte errichtet, in der die wundertätigen Ikonen gefunden wurden; man kann im Innenraum der Kirche in dieser Felsspalte über grob in die Wand gehauene Stufen die Spalte hinaufklettern und oberhalb der Kirche durch ein niedriges Törchen wieder ans Tageslicht gelangen.

Argokíli

Am Kirchenfeiertag, „Niá Paraskeví“, dem Freitag nach Ostern, finden sich auch heute noch viele Menschen am Argokíli ein, um der Liturgie beizuwohnen und insbesondere um Gesundheit zu bitten. Früher kamen die Menschen zu Fuß von der ganzen Insel herbei, die Frauen schwarzgekleidet; viele gingen barfuß und manche rutschten gar den ganzen weiten Weg auf den Knien. Auch heute noch gibt es nicht wenige Menschen, die zu Fuß zum Argokíli laufen, oft schon am Vortag, und in den Zellen der großen Kirchenanlage übernachten.

Nach der Liturgie in der stets überfüllten Kirche wird die Ikone in langer Prozession von auf der nahegelegenen Militärstation stationierten Marinesoldaten um die Kirchengebäude herumgetragen.

Argokíli
Auf dem Kirchhof macht die Prozession halt und die reichgeschmückten Popen sprechen Gebete.

Wer sich für das Thema interesiert, kann mehr über die Prophezeiungen und die Ikonen des Argokíli in meinem Buch „Zwei Türen hat das Leben – Erinnerungen des Dimitris Mandilaras“ nachlesen.

Argokíli

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