Bei Atsipapi

Wenn man vom Dorf Kóronos aus eine Schotterstraße Richtung (Süd-)Osten fährt, gelangt man auf eine kleine Hochebene mit aufgegebenen Feldern und Olivenhainen. Hier liegt die kleine, schon lange verlassene Siedlung Atsipápi mit ihren malerischen Steinhäusern und einer von hohen Bäumen beschatteten Quelle.

Atsipapi
Blick auf Atsipapi

Argokili
Blick über die Hochfläche mit aufgegebenen Gereidefeldern; im Hintergrund das Argokili

In der Nähe von Atsipápi wird auf einer kleinen Anhöhe eine große Wallfahrtskirche gebaut, die Panagía Argokiliótissa. Hier wurden im Jahr 1836 aufgrund von Prophezeiungen wundertätige Ikonen gefunden. Seitdem pilgern jedes Jahr bis heute viele Gläubige von Naxos und auch von anderen Inseln zum Kirchenfest hierher, das am Tag des Lebensspendenden Quells, dem Freitag nach Ostern, begangen wid. Heute, am 24. April 2009, sind auch wir dabei.

Argokili
das Argokili mit seiner neuen Wallfahrtskirche

Vom Argokíli aus führt ein schöner alter, steingepflasterter Fußpfad nach Atsipápi. Nachdem wir ein Weilchen in der riesigen, überfüllten Kirche der Liturgie beigewohnt haben, laufen wir den Pfad bis nach Atsipápi und von dort über die Schotterstraße wieder zurück.

Argokili
Der alte Pfad ist größtenteils mit Steinen gepflastert. Im Hintergrund das Argokili.

Der Pfad führt zwischen längst aufgegebenen, zugewachsenen Feldern entlang. Hier gibt es außer Kermeseichen auch viel Immergrünen Ahorn. Uns interessieren allerdings heute vor allem die vielen Blumen, die am Rand des Pfades wachsen.

Am besten gefallen uns die Orchideen, die gerade in voller Blüte stehen, hier die einzige gelbe Art, die auf Naxos vorkommt, die eher unauffällige Gelbe Ragwurz Ophrys lutea.

Ophrys lutea
Gelbe Ragwurz, Ophrys lutea

Die schöne Ophrys heldreichii (= Ophrys scolopax ssp. heldreichii) besitzt große rosa Hüllblätter und eine große, gewölbte, rotbraun gefärbte Lippe mit einem auffälligen, großen, kompliziert geformten Mal und stark behaarten, rundlichen, nach hinten gewendeten Seitenlappen mit nach vorn weisenden, hornartigen, hellen Auswüchsen.

Ophrys heldreichii

Ophrys heldreichii
Heldreichs Ragwurz, Ophrys heldreichii

Die mit der Kretischen Ragwurz nah verwandte Ariadne-Ragwurz (Ophrys ariadnae) besitzt fast schwarze Blüten mit grünlichen Hüllblättern und nach hinten gewendeten Seitenlappen ohne Horn. Das auffällig weiß umrandete Mal ist groß und oft H-förmig gestaltet.

Ophrys ariadnae
Ariadne-Ragwurz (Ophrys ariadnae)

Bei der ähnlichen Reinholds Ragwurz Ophys reinholdii sind die Hüllblätter der Blüte meist rosa überlaufen und das weiße Mal besteht nur aus zwei manchmal miteinander verbundenen Flecken.

Ophrys reinholdii
Reinholds Ragwurz Ophys reinholdii

Euphorbia characias
Längs des Weges wächst die Palisaden-Euphorbie (Euphobia characias).


Hier kommt häufig eine hübsche blaue Wicke vor, die ich bei uns in Azalas noch nicht gesehen habe (Vicia spec.).


Bei dieser Pflanze handelt es sich um eine Platterbse, wie man am geflügelten Stängel und den nur wenig gefiederten, meist lanzettlichen Blättern erkennen kann (vermutlich Lathyrus cicera).


Dieser hübsche Klee heißt Roter Wundklee (Anthyllis vulneraria).


Die Schönheit der kleineren Blumen kann man erst dann ganz erfassen, wenn man sie von Nahem betrachtet.


Das auffällige, intensiv rosa gefärbte Kretische Leimkraut (Silene cretica) besitzt einen kahlen, an der Mündung leicht verengten Kelch mit 10 deutlichen Nerven; an den Blütenblättern sitzen am Schlund der Blüte charakteristische Anhängsel.


Diese Gänsedistel-Art (Sonchus oleraceus) wird im Winter viel gesammelt; man isst sie gekocht. Sie besitzt weiche Blätter, die den Stängel leicht pfeilförmig umfassen.


Blick zurück auf das Argokili


Blick auf die verlassene Siedlung Atsipapi


Am Wegesrand wachsen viele Kermeseichen (Quercus coccifera), die hier teilweise eine beträchtliche Größe erreichen.


Die jungen, blühenden Triebe der Kermeseiche nehmen durch spezielle Farbstoffe, die sogenannten Jugend-Anthocyane, oft eine rötliche Färbung an, die das empfindliche Blattgewebe vor der UV-Strahlung schützt.


Im Schatten der Kermeseichen blüht dieser Storchschnabel (Geranium robertianum), der an den im Umriss dreieckigen Blättern mit völlig getrennten, leicht gestielten Fiedern zu erkennen ist.


Die zu den Rauhblattgewächsen gehörende Hundszunge (Cynoglossum columnae) besitzt charakteristische scheibenförmige, rauh behaarte Nüsschen mit einem verdickten Rand.


Im Winter sammeln die Dorfbewohner die Zwiebeln dieser Traubenhyacinthen-Art (Muscari comosum) und essen sie gekocht mit Öl und Essig übergossen. Diese Art besitzt einen dichten Blütenstand mit leicht glockenförmigen, hängenden Blüten, der an der Spitze auffällige, intensiv blau gefärbte, sterile Schaublüten bildet.


Atsipapi


Am Weg, der von Atsipapi wieder zur Straße hinaufführt, finden wir das Große Immergrün (Vinca major).


Das Gewöhnliche Leimkraut (Silene vulgaris) besitzt weiße Blüten mit auffällig aufgeblasenem Kelch.

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