Die Vögel von Naxos

Die Informationen zu diesem Artikel stammen vom besten Kenner der Vogelwelt von Naxos, dem griechischen Ornithologen Nikos Promponas, und von einer Untersuchung der Brutvögel von Naxos, die Winfried Scharlau und ich im Jahr 1990 durchführten ergänzt durch die Beobachtungen aus unseren späteren Aufenthalten. Hiermit sei Nikos Promponas herzlich für alle seine Informationen gedankt, ebenso Th. Gaitanakis und G. Beriatos für die Fotos, die sie mir freundlicherweise zur Verfügung stellten.

Wie auf allen relativ weit vom Land entfernten Inseln kommen auf Naxos deutlich weniger Brutvögel vor als auf dem benachbarten Festland. Dennoch ist die Vogelwelt der Insel erstaunlich reichhaltig und umfasst viel mehr Arten als die der meisten Nachbarinseln. Das ist vor allem auf die Größe der Insel und auf ihre landschaftliche Vielfalt zurückzuführen. Abgesehen von den Brutvögeln sind die Durchzügler von besonderem Interesse: Naxos ist für sie eine wichtige Station auf dem Weg nach Afrika.


Ornithologen im Feld; rechts der beste Kenner der Vogelwelt von Naxos, Nikos Promponas


In der typisch mediterranen Landschaft brüten eine ganze Reihe von Vogelarten, die in Mitteleuropa nicht vorkommen.


Wenn man durchziehende Wasservögel sehen will, ist die Lagune am Flughafen der beste Ort.

Insgesamt sind auf Naxos etwa 225 Vogelarten nachgewiesen worden (sehr alte Angaben nicht berücksichtigt); das sind etwas mehr als die Hälfte der in Griechenland auftretenden Arten (437). Auf Naxos brüten (unter Einbeziehung umliegender Felseninseln) 70 Vogelarten, vier davon allerdings wohl nur unregelmäßig. Davon sind 43 Arten Standvögel, die also das ganze Jahr auf der Insel verbringen, 27 Arten sind Zugvögel. An die 90 Arten sind regelmäßige Durchzügler, die auf Naxos nicht brüten, aber auf dem Zug anzutreffen sind, etwa 40 Arten sind Wintergäste. 51 der auf Naxos nachgewiesenen Arten werden in der Roten Liste der bedrohten Tierarten Griechenlands aufgeführt.

Die Zusammensetzung der Brutvogelwelt ändert sich im Laufe der Zeit etwas: In den letzten 100 Jahren sind manche Arten von der Insel verschwunden (beispielsweise die Blaumeise und die Mehlschwalbe), andere als Brutvögel neu aufgetreten (so die Türkentaube und vermutlich Seidensänger, Schwarzkehlchen, Feldsperling und Rötelschwalbe). Sechs der zu den Brutvögeln gezählten Arten brüten nur auf den umliegenden kleineren Inseln, können aber auf Naxos regelmäßig beobachtet werden: die Möwen, die Sturmtaucher, der Gänsegeier (brütet auf Heraklia südlich von Naxos) und der Eleonorenfalke.


Die Rötelschwalbe hat sich vermutlich erst in den letzten Jahrzehnten auf Naxos angesiedelt. Foto von Winfried Scharlau

Die spektakulärsten Brutvogelarten von Naxos sind zweifellos unter den Greifvögeln und den Wasservögeln zu finden. Es brüten nicht nur Mäusebussard und Turmfalke, sondern auch die seltenen Arten Eleonorenfalke, Gänsegeier, Habichtsadler, Adlerbussard, Wanderfalke und Lanner.


Der Eleonorenfalke kommt in zwei Phasen vor; hier handelt es sich um die seltenere, dunkle Phase. Foto von Th. Gaitanakis

Wasservögel kommen am nährstoffarmen Mittelmeer in wesentlich geringeren Arten- und auch Individuenzahlen vor als beispielsweise an der Nordsee. Die vorkommenden Arten sind jedoch für Mitteleuropäer von Interesse: die sehr häufige Mittelmeermöwe (Mittelmeerform der Silbermöwe), die ebenfalls nur im Mittelmeergebiet vorkommende, seltene Korallenmöwe und der Gelbschnabel- sowie der Mittelmeersturmtaucher. Ferner brüten unter anderen Krähenscharbe, Stelzenläufer, Seeregenpfeifer, Flussregenpfeifer und Triel.

Makares
Die häufige Mittelmeermöwe (Larus michahellis) ist erst kürzlich von der Silbermöwe abgespalten worden. Foto von Winfried Scharlau


Der Flussregenpfeifer brütet an Lagunen und Sandstränden. Foto von Th. Gaitanakis


Der Triel brütet in wenigen Paaren an der Lagune am Flughafen, Foto von G. Beriatos

Unter den auf Naxos brütenden Singvögeln sind für den Besucher aus Mitteleuropa natürlich die dort nicht vorkommenden, mehr oder weniger mediterranen (oder osteuropäischen) Arten die interessantesten. Zu diesen zählen beispielsweise die Arten Samtkopfgrasmücke, Weißbartgrasmücke, Orpheusgrasmücke, Blassspötter, Seidensänger, Zaunammer, Kappenammer, Grauer Ortolan, Mittelmeersteinschmätzer, Blaumerle, Rotkopfwürger, Rötelschwalbe und Alpensegler.


Die Zaunammer zählt auf Naxos zu den häufigeren Arten. Foto von Th. Gaitanakis


Der Graue Ortolan ist ein typischer Brutvogel der Garrigue. Foto von Th. Gaitanakis

Dazu kommen einige Arten, die auch in Mitteleuropa vorkommen, aber dort eher selten sind wie Haubenlerche, Heidelerche, Steinschmätzer, Grauammer, Schwarzkehlchen, Kolkrabe sowie Ziegenmelker.


Das Schwarzkehlchen ist auf Naxos recht häufig anzutreffen. Foto von Winfried Scharlau

Von Interesse sind ferner mehrere Singvogelarten, die uns in Mitteleuropa sehr geläufig sind, aber auf den Ägäisinseln generell fehlen (außer beispielsweise Kreta, Lesbos) und deren Vorkommen hier darum recht überraschend ist. Zu diesen gehören die Waldvögel Amsel, Buchfink, Zaunkönig und Nachtigall, der (seltene) Grauschnäpper, der auf Naxos bislang nur an einer Stelle nachgewiesene Feldsperling sowie Teich- und Drosselrohrsänger. Von diesen Arten waren größtenteils bis in die jüngste Vergangenheit keine Brutvorkommen von den Kykladen bekannt.

Artenliste der Brutvögel

(StV: Standvogel; ZV: Zugvogel):

  • Zwergtaucher (Tachybaptus ruficollis): StV, sehr selten, in wenigen Paaren in der Flughafen-Lagune und bei Engares
  • Mittelmeer-Sturmtaucher (Puffinus yelkouan): ZV, regelmäßig, auf vorgelagerten, unbewohnten Felseninseln, oft über dem Meer fliegend zu beobachten
  • Gelbschnabel-Sturmtaucher (Calonectris diomedea): ZV, regelmäßig, auf vorgelagerten, unbewohnten Felseninseln, oft über dem Meer fliegend zu beobachten
  • Krähenscharbe (Phalacrocorax aristotelis): StV. Regelmäßig an der Küste, vor allem auf Klippen
  • Gänsegeier (Gyps fulvus): StV. Auf Naxos existiert ein kleiner Brutbestand, zweifellos die größte ornithologische Besonderheit von Naxos. Sonst kommt die Art auf den griechischen Inseln nur auf Kreta vor. Früher gab es auf Naxos eine große Population; noch vor 10 Jahren brütete die Art an mehreren Stellen auf der Insel. Heute brütet der Gänsegeier wohl nicht mehr auf Naxos selbst, sondern auf der südlich gelegenen, kleinen Insel Heraklia. Die Vögel kommen aber täglich zur Nahrungssuche nach Naxos herüber. Die Population dürfte noch 20 bis 30 Tiere umfassen. Der Bestand ist rückläufig und wird sich wohl auf Dauer kaum halten können.


Gänsegeier, Foto von Winfried Scharlau

  • Habichtsadler (Hieraaetus fasciatus): StV, selten, wenige (bis 3) Paare; man sieht ihn am ehesten in der Bergregion.
  • Mäusebussard (Buteo buteo): StV, regelmäßig in allen Teilen der Insel, Bestand nimmt zu
  • Adlerbussard (Buteo rufinus): StV, deutlich seltener als der Mäuse-bussard (etwa 5-8 Paare). Früher brütete auf Naxos vermutlich nur der Adlerbussard, während der Mäusebussard fehlte. Nun verdrängt letzterer den Adlerbussard allmählich.


Adlerbussard, Foto von Th. Gaitanakis

  • Eleonorenfalke (Falco eleonorae): ZV, Von Mai bis Mitte Oktober häufig zu beobachten. Der Eleonorenfalke brütet nicht auf Naxos selbst; es gibt jedoch auf einigen Felseninseln in der Umgebung größere Brutkolonien. Der Bestand ist rückläufig.
  • Turmfalke (Falco tunninculus): StV, häufig in allen Teilen der Insel
  • Wanderfalke (Falco peregrinus): StV, selten, gelegentlich im Bereich der Flughafen-Lagune zu sehen, brütet vereinzelt (2-4 Paare).
  • Lanner (Falco biarmicus): StV, ein Paar brütet an einer kleinen Felswand in den Bergen (vielleicht nur in manchen Jahren).
  • Sperber (Accipiter nisus): StV, ein Paar brütet im Steineichenwald im Zeusabhang (vielleicht nur in manchen Jahren).


Zeuswald: Hier brütet sporadisch der Sperber.

  • Chukarhuhn (Alectoris chukar): StV, regelmäßig aber nicht häufig, vor allem in Ödland und lichter Macchie
  • Teichhuhn (Gallinula chloropus): StV,sehr selten, an der Lagune am Flughafen und den anderen Lagunen
  • Blässhuhn (Fulica atra): StV, sehr selten, in wenigen Paaren an der Lagune am Flughafen sowie an der von Engarés
  • Wasserralle (Rallus aquaticus): StV, sehr selten, an der Lagune am Flughafen sowie an der von Engarés
  • Stelzenläufer (Himantopus himantopus): ZV, sehr selten, in wenigen Paaren an allen Lagunen, wenn sie genug Wasser führen


Stelzenläufer, Foto von Th. Gaitanakis

  • Triel (Burhinus oedicnemus): ZV, sehr selten, an der Flughafen-Lagune, in wenigen Paaren
  • Seeregenpfeifer (Charadrius alexandrinus): ZV, sehr selten, an allen Lagunen, wenn sie genug Wasser führen
  • Flussregenpfeifer (Charadrius dubius): ZV, selten, an den Lagunen und an den Sandstränden der Südwestküste


Strand von Kalandós: Brutplatz des Flussregenpfeifers

  • Mittelmeermöwe (Larus michahellis): StV, häufig. Diese erst kürzlich von der Silbermöwe abgetrennte Art ist in ihrer Verbreitung im Wesentlichen auf das Mittelmeergebiet beschränkt. Auf Naxos findet man sie in großen Zahlen an der Küste, aber auch im Inselinnern.
  • Korallenmöwe (Larus auduonii): StV, wesentlich seltener als die vorige Art, aber gelegentlich an der Küste zu sehen; brütet auf abgelegenen Felseninseln (z.B. Antikeros)


Korallenmöwe, Foto von Th. Gaitanakis

  • Felsentaube (Columba livia): StV, regelmäßig in Küstenfelsen
  • Türkentaube (Streptopelia decaocto): StV. Bei unserer ersten Bestands-aufnahme vor 20 Jahren fehlte die Türkentaube auf Naxos noch vollständig. In den letzten zehn Jahren hat sie nach und nach die ganze Insel besiedelt. Sie kommt vor allem in Dörfern und Siedlungen vor.
  • Turteltaube (Streptopelia turtur) ZV, in lichter Macchie und Kultur-landschaft, aber eher selten
  • Steinkauz (Athene noctua): StV, regelmäßig, vor allem in der Kultur-landschaft


Steinkauz, Foto von Th. Gaitanakis

  • Zwergohreule (Otus scops): StV, häufig, vor allem in der Umgebung der Dörfer und in alten Olivenhainen
  • Schleiereule (Tyto alba): StV, etwa 10 Paare in alten Gebäuden usw.


Am Kloster Fotodótis brütet in manchen Jahren eine Schleiereule.

  • Waldohreule (Asio otus): StV, selten, in offener Landschaft mit ver-streuten großen Bäumen
  • Ziegenmelker (Caprimulgus europaeus): ZV, in offenem Gelände nicht selten, vor allem im Osten und Süden


Brutbiotop des Ziegenmelkers

  • Mauersegler (Apus apus): ZV,regelmäßig in Küstenfelsen und Felswänden
  • Alpensegler (Apus melba): ZV, regelmäßig in Küstenfelsen und Felswänden (z.B. am Zeus)
  • Fahlsegler (Apus pallidus): ZV, bislang nur ein Brutnachweis, wohl nur unregelmäßig
  • Bienenfresser (Merops apiaster): ZV, auf dem Zug häufig und auffällig; 2010 ist wohl zum ersten Mal ein Paar auf Naxos geblieben und hat gebrütet (bei Agiassós)
  • Haubenlerche (Galerida christata): StV, sehr häufig in offenem Gelände und Kulturlandschaft
  • Heidelerche (Lullula arborea): StV, eher selten, nur in den hohen Lagen um den Kóronos-Berg


Heide auf dem Kóronos-Berg: Brutplatz der Heidelerche

  • Bachstelze (Motacilla alba): StV, regelmäßig, vor allem an der Küste und in den Küstenebenen
  • Rauchschwalbe (Hirundo rustica): ZV, eher selten; in der Umgebung der Dörfer. Die Mehlschwalbe fehlt auf Naxos.
  • Felsenschwalbe (Ptyonoprogne rupestris): ZV, sehr selten, kommt in geringer Zahl an einigen Stellen in den Bergen in der Nähe von Felswänden vor
  • Rötelschwalbe (Hirundo daurica): ZV, brütet vereinzelt vor allem im Osten und Norden der Insel, ausschließlich unter Brücken. Diese Art scheint häufiger zu werden.


Die Rötelschwalbe baut ihre Schlammnester stets unter Brücken.

  • Zaunkönig (Troglodytes troglodytes): StV, in den Gipfelregionen der Berge und in stark bewaldeten Hochtälern, eher selten
  • Amsel (Turdus merula): StV, in bewaldeten Regionen, recht häufig
  • Nachtigall (Luscinia megarhynchos): StV, selten, in den bewaldeten Re-gionen
  • Seidensänger (Cettia cetti): StV, regelmäßig in bewaldeten Tälern und entlang der Flussläufe


Am Flusslauf von Apollonas brüten Seidensänger, Amsel, Nachtigall und Buchfink, in höheren Lagen auch Zaunkönig

  • Blaumerle (Monticola solitarius): StV, regelmäßig in Ödland und an Felsen, auch in Ortschaften
  • Schwarzkehlchen (Saxicola torquata): StV, in offenem Gelände nicht selten
  • Mittelmeer-Steinschmätzer (Oenanthe hispanica): ZV, weit verbreitet und häufig in Ödland und Kulturland


Mittelmeer-Steinschmätzer, Foto von G. Beriatus

  • Steinschmätzer (Oenanthe oenanthe): ZV, selten, nur in den höchsten Bergregionen
  • Samtkopfgrasmücke (Sylvia melanocephala): StV, der häufigste Vogel von Naxos; überall in großer Zahl


Die Samtkopf-Grasmücke ist der häufigste Vogel von Naxos. Foto von Winfried Scharlau

  • Weißbartgrasmücke (Sylvia cantillans): ZV, regelmäßig vor allem in Macchie und Gesträuch
  • Orpheusgrasmücke (Sylvia hortensis): ZV, regelmäßig, aber in geringer Zahl, in Kulturlandschaft, Gärten, Macchie
  • Blassspötter (Hippolais pallida): ZV, regelmäßig, aber in geringer Zahl, in baumreicher Kulturlandschaft
  • Teichrohrsänger (Acrocephalus scirpaceus): ZV, selten, an schilfreichen Lagunen
  • Drosselrohrsänger (Acrocephalus arundinaceus): ZV, selten, an schilf-reichen Lagunen


Kalandós: schilfreiche Lagunen dieser Art sind Brutgebiet von Teich- und Drosselrohrsänger.

  • Grauschnäpper (Muscicapa striata): ZV, selten, in dicht bewaldeten Tä-lern und in der Tragaía
  • Rotkopfwürger (Lanius senator): ZV, regelmäßig in den niedrigen Lagen


Rotkopfwürger, Foto von Th. Gaitanakis

  • Haussperling (Passer domesticus): StV, sehr häufig, vor allem um die Ortschaften
  • Feldsperling (Passer montanus): StV, einige Paare brüten in einer kleinen Kolonie beim Kloster Panagía Ypsilotéra bei Galíni nördlich der Chóra; ähnliche kleine Kolonien haben wir auch auf Paros und Kreta gefunden
  • Nebelkrähe (Corvus corone): StV, weit verbreitet und häufig
  • Kolkrabe (Corvus corax): StV, regelmäßig, aber in geringer Zahl; vor allem in den Bergen
  • Kohlmeise (Parus major): StV, sehr häufig, vor allem in baumreichen Gegenden
  • Grünfink (Carduelis chloris): StV, häufig, aber in geringeren Zahlen als Stieglitz und Hänfling, vor allem in baumreichen, kultivierten Gegenden
  • Stieglitz (Carduelis carduelis): StV, eine der häufigsten Arten; auch viel im Ödland
  • Hänfling (Carduelis cannabina): StV, sehr häufig in allen Regionen der Insel
  • Buchfink (Fringilla coelebs): StV, recht häufig in den bewaldeten Regionen der Insel; vor allem in den Bergen
  • Zaunammer (Emberiza cirlus): StV, sehr häufig, vor allem in Kul-turlandschaft und Macchie
  • Grauammer (Miliaria calandra): StV, recht häufig, vor allem in Kul-turlandschaft und trockenen Ebenen


Getreidefelder bei Panormos: hier leben Grauammer, Haubenlerche, Mittelmeersteinschmätzer und Rotkopfwürger

  • Kappenammer (Emberiza melanocephala): ZV, regelmäßig in baum-reichen Gegenden und in der Kulturlandschaft


Kappenammer, Foto von G. Beriatos

  • Grauer Ortolan (Emberiza caesia): ZV, regelmäßig im Ödland, vor allem in den Bergen

Wintergäste

Im Winter ändert sich die Zusammensetzung der Vogelwelt von Naxos ganz erheblich. Die Zugvögel verlassen die Insel, dafür treffen die Wintergäste ein. Der charakteristischste und auffälligste Wintergast ist das Rotkehlchen (Erithacus rubecula), das richtiges Revierverhalten zeigt und singt. Sehr häufig sind auch Hausrotschwanz (Phoenicurus ochruros), Singdrossel (Turdus philomela), Star (Sturnus vulgaris), Feldlerche (Alauda arvensis), Wiesenpieper (Anthus pratensis) und Zilpzalp (Phylloscopus collybita). In geringerer Zahl kann man die Arten Mönchsgrasmücke (Sylvia atricapilla), Zeisig (Spinus spinus), Girlitz (Serinus serinus), Weidensperling (Passer hispaniolensis), Wacholderdrossel (Turdus viscivorus), Gebirgsstelze (Motacilla cinerea), Heckenbraunelle (Prunella modularis), die Goldhähnchen-Arten (Regulus regulus und R. ignicapillus), Kernbeißer (Coccothraustes coccothraustes) und Rohrammer (Emberizia schoeniclus) antreffen.


Wie das Rotkehlchen richtet sich auch der Hausrotschwanz im Winter richtige Reviere auf Naxos ein und singt. Foto von Winfried Scharlau

Unter den Greifvögeln ist der Sperber (Accipiter nisus) regelmäßiger Wintergast; er brütet auch in manchen Jahren. Auch die Kornweihe (Circus cyaneus) überwintert in geringer Zahl.

An Wasservögel kann man im Winter folgende Arten antreffen: Schwarzhalstaucher (Podiceps nigricollis), Haubentaucher (P. cristatus), Kormoran (Phalacrocorax carbo), Fischreiher (Ardea cinerea), Seidenreiher (Egretta garzetta), Flamingo (Phoenicopterus ruber), Höckerschwan (Cygnus olor), Brandgans (Tadorna tadorna), Pfeif-, Krick-, Löffel-, Spieß- und Tafelente (Anas penelope, A. crecca, A. clypeata, A. acuta, Aythya ferina), Waldschnepfe (Scolopax rusticola), Bekassine (Gallinago gallinago), Alpenstrandläufer (Calidris alpina), Kiebitz (Vanellus vanellus), Gold- und Kiebitzregenpfeifer (Pluvialis apicaria und P. squatarola), Lachmöwe (Larus ridibundus), Zwergmöwe (L. minutus) und Brandseeschwalbe (Sterna sandvicensis). Regelmäßiger Wintergast an der Meeresküste ist der Eisvogel (Alcedo atthis).


Seidenreiher in Kalandós, Foto von Winfried Scharlau


Flamingos an der Flughafen-Lagune, Foto von Winfried Scharlau

Durchzügler

Naxos ist als zentral in der Ägäis gelegene, große und vegetationsreiche Insel naturgemäß eine wichtige Station für durchziehende Vögel. Von besonderer Bedeutung ist die große Lagune am Flughafen für durchziehende Wasservögel. Entsprechend kann man zur Zugzeit auf Naxos viele interessante und teilweise seltene Vogelarten beobachten. Arten, die schon als Wintergäste aufgeführt wurden, sind hier nicht noch mal erwähnt, auch wenn sie während der Zugzeit teilweise in bedeutend größeren Zahlen erscheinen.

Die eindrucksvollsten und am leichtesten zu beobachtenden Durchzügler auf Naxos sind wohl der häufige und auffällige Wiedehopf (Upupa epops) und der Bienenfresser (Merops apiaster).


Wiedehopf, Foto von G. Beriatos


Bienenfresser, Foto von G. Beriatos

Der Greifvogelzug bietet immer wieder Überraschungen. Alle Weihen-Arten (Circus spec.), insbesondere die Rohrweihe (Circus aeruginosus), Schwarzer Milan (Milvus migrans) und Schlangenadler (Circaetus gallicus) sind regelmäßig zu beobachten. Ferner ziehen Wespenbussard (Pernis apivorus) und Kurzfangsperber (Accipiter brevipes) durch, seltener auch der Schreiadler (Aquila pomarina). Besonders leicht zu beobachten sind die Ende April/Anfang Mai in kleinen Trupps durchziehen, wenig scheuen Rotfußfalken (Falco verspertinus).


Rotfußfalke, Foto von Th. Gaitanakis

Die interessantesten Beobachtungsgebiete für durchziehende Wasservögel sind die Lagunen sowie die kleineren Feuchtgebiete entlang der Südwest- und Südküste. Hier trifft man häufig auf Reiherarten, wie Rallen-, Purpur-, Nacht-, und Silberreiher sowie Zwergrohrdommel, Brauner Sichler, Löffler und Weißstorch (Ardeola ralloides, Ardea purpurea, Nycticorax nycticorax, Egretta alba, Ixobrychus minutus, Plegadis falcinellus, Platalea leucorodia, Ciconia ciconia). Gelegentlich können Tüpfelsumpfhuhn und Kleines Sumpfhuhn durchziehen (Porzana porzana und P. parva). Zahlreiche Limikolenarten treten auf dem Zug auf; am häufigsten ist an der Meeresküste der Flussuferläufer (Actitis hypoleucus), außerdem die Wasserläufer-Arten (Tringa spec.), die Strandläufer (Calidris spec.), Kampfläufer (Philomachus pugnax), Steinwälzer (Arenaria interpres), Uferschnepfe (Limosa limosa) usw. Man kann fast alle in Europa durchziehenden Arten sehen, einschließlich Besonderheiten wie Teichwasserläufer (Tringa stagnatilis), Sumpfläufer (Limicola falcinellus), Wüstenregenpfeifer (Charadrius leschenaultii), Doppelschnepfe (Gallinago media) und Brachschwalbe (Glareola pratincola). Es können alle europäischen Seeschwalben angetroffen werden (Sterna spec. und Chlidonas spec.); an Möwen vor allem die Schwarzkopfmöwe (Larus melanocephalus). Enten treten in geringerer Zahl auf, erwähnenswert ist die Moorente (Aythya nyroca). Häufig ziehen Wachteln (Coturnix coturnix) durch.

Besonders auffällig ist tagsüber der Durchzug von Seglern (Apus spec.) und den vier Schwalben-Arten: Rauch-, Mehl-, Ufer- und (seltener) Felsenschwalbe (Hirundo rustica, Delichon urbica, Riparia riparia und Ptyonoprogne rupestris). In teilweise großen Zahlen sind zur Zugzeit auch Schafstelze (Motacilla flava), Braunkehlchen (Saxicola rubetra), Neuntöter (Lanus collurio) und Baumpieper (Anthus trivialis) zu sehen.

Häufig sind außerdem der Schwarzstirnwürger (Lanius minor), die Kurzzehenlerche (Calandrella brachydactyla), Mistel- und Rotdrossel (Turdus pilaris, T. iliacus), alle Schnäpper-Arten (Ficedula spec.), der Gartenrotschwanz (Phoenicurus phoenicurus), der Gelbspötter (Hippolais icterina), Fitis  und Waldlaubsänger (Phylloscopus trochilus, Ph. sibilatrix), Garten-, Dorn- und Klappergrasmücke (Sylvia borin, S. communis und S. curruca) und Schilfrohrsänger (Acrocephalus schoenobaenus).

Weitere Arten, die durchziehend gesehen werden können, sind Kuckuck (Cuculus canorus), Pirol (Oriolus oriolus), Rotkehlpieper (A. cervinus), Isabellsteinschmätzer (Oenanthe isabellina), Bergfink (Fringilla montifringilla), Ortolan (Emberizia hortulana) und Zippammer (Emberizia cia).

Biotope


In der Kulturlandschaft um die Chóra kommen „Allerweltsarten“ wie Haubenlerche, Stieglitz, Hänfling, Grünfink, Zaunammer, Kohlmeise, Haussperling und Nebelkrähe vor, seltener auch die Rauchschwalbe


In baumreicher offener Landschaft brüten Mäuse- bzw. Adlerbussard, Turmfalke, Nebelkrähe, Rotkopfwürger, Samt-, Orpheus- und Weißbartgrasmücke, Zaunammer, Kappenammer, die Finkenarten (Buchfink nur in den höheren Lagen), Kohlmeise, Schwarzkehlchen und (seltener) Blassspötter.


Typischer Biotop für Kappenammer, Schwarzkehlchen, Weißbartgrasmücke und (die seltenere) Orpheusgrasmücke. Außerdem kommen hier Samtkopfgrasmücke, Grünfink, Stieglitz, Hänfling, Kohlmeise und Zaunammer vor, ferner Turmfalke, Mäusebussard, Turteltaube und Ziegenmelker.


In den trockenen, kultivierten Ebenen brüten vor allem Haubenlerche, Grauammer, Zaunammer, Hänfling, Stieglitz, Grünfink, Mittelmeersteinschmätzer und Rotkopfwürger.


Für die öden Berghänge sind Hänfling, Stieglitz, Samtkopfgrasmücke und Grauer Ortolan typisch, außerdem Chukarhuhn, Ziegenmelker und Mittelmeersteinschmätzer sowie an felsigen Stellen Blaumerle und Turmfalke.


Nur in den Gipfelregionen findet man Steinschmätzer, Zaunkönig, Felsenschwalbe und Heidelerche, außerdem Habichtsadler und Kolkrabe. Früher brütete in diesem einsamen Tal westlich des Kóronos-Berges auch der Gänsegeier.


In den bewaldeten Hochtälern treten zu den allgegenwärtigen Arten wie den Finken, Kohlmeise, Zaunammer und den Grasmücken noch die Amsel, die Nachtigall und der Seidensänger als Brutvögel hinzu.


In derartigen teilweise kultivierten Tälern kann man fast alle der auf Naxos brütenden Singvogelarten finden.


In der Tragaía mit ihren Olivenhainen brütet hier und da der in der Ägäis sehr seltene Grauschnäpper. Typische Arten der Olivenhaine sind außer den Kleinvögeln auch die Eulen, insbesondere Steinkauz und Zwergohreule, seltener auch die Waldohreule. In den Ortschaften ist die früher auf Naxos fehlende Türkentaube häufig. In alten Gemäuern und verfallenen Kirchen brütet hier und da die Schleiereule.


An der Lagune am Flughafen brüten Zwergtaucher, Teichhuhn, Blässhuhn, Wasserralle, Stelzenläufer, Triel, Flussregenpfeier und Seeregenpfeifer. Der Wanderfalke kann regelmäßig beobachtet werden. Zur Zugzeit und im Winter kann man alle möglichen Limikolen, Reiher- und in geringerem Maß auch Enten-, Seeschwalben- und Möwenarten antreffen.


In den Beständen des Großfrüchtigen Wacholders (Juniperus macrocarpa) auf den Dünen der Südwestküste kann man zur Zugzeit und im Winter viele Kleinvögel beobachten wie Drosseln, Finken, Grasmücken und Laubsänger.


An den Felsküsten kommen Wanderfalke, Alpen- und Mauersegler, Felsentaube und Krähenscharbe vor; die Mittelmeermöwe, die Sturmtaucher-Arten und seltener die Korallenmöwe können angetroffen werden. Weitgehend auf die Küstenregion beschränkt ist die Bachstelze.

Makares
Auf den vorgelagerten, unbewohnten Mákares-Inseln brüten Mittelmeermöwe, Gelb- und Schwarzschnabelsturmtaucher, Krähenscharbe und Eleonorenfalke.

siehe auch:

zum Weiterlesen: Griechische Ornithologische Gesellschaft, auf englisch

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