Seeanemonen

Wenn man zwischen den Felsen in den kleinen Buchten bei Azalas auf Entdeckungsreise geht, kann man leicht einige besonders schöne und interessante Vertreter der Meeresfauna finden: die Seeanemonen.

Pferdeaktinie
Pferdeaktinie

Siebanemone
Siebanemone

Die Ordnung der Seeanemonen (Actiniaria) mit etwa 1200 Arten gehört gemeinsam mit den Korallen und den Zylinderrosen zu den Blumentieren (Klasse Anthozoa), die mit den Quallen und Polypen (Hydrozoa) den Stamm der Nesseltiere (Cnidaria) bilden. Es handelt sich um eine recht primitive Tiergruppe mit einem sehr einfachen Körperbau. Die Seeanemonen sitzen mit einem kurzen, dicken Stiel am Substrat fest. Sie besitzen zahlreiche bewegliche Tentakel, mit denen sie ihre Beute, vor allem Kleinstlebewesen des Planktons, einfangen. Zwischen den Tentakeln sitzt die Mundscheibe, mit der die Seeanemone die Nahrung aufnimmt. Ihre Tentakel können die Seeanemonen mehr oder weniger stark einziehen.


Bei Anemonen mit eingezogenen Tentakeln kann man den Stiel des Tieres, das sogenannte Mauerblatt, erkennen.

Siebanemone
Bei dieser Anemone ist die geöffnete Mundscheibe gut zu sehen.

Die Seeanemonen besitzen wie alle Cnidaria Nesselzellen, die bei Berührung eine ähnliche Hautreaktion wie die Brennnessel hervorrufen. Deswegen sollte man ihnen nicht zu nahe kommen. Die Seeanemonen, die im Mittelmeer vorkommen, brennen allerdings nur relativ schwach.

Purpurrose oder Pferdeaktinie, Actinia equina

In Küstennähe kann man bei uns drei Seeanemonen-Arten beobachten. Besonders häufig und auffällig ist die Pferdeaktinie, die bis zur Wasserlinie vorkommt und auch teilweises Trockenfallen vertragen kann. Sie kann ihre ziemlich kurzen Tentakeln völlig einziehen und ihren Körper einstülpen, so dass sie dann fast wie eine Tomate aussieht.

Pferdeaktinie
Die Pferdeaktinie hat eine knallrote Färbung. Sie wächst oft direkt an der Wasserlinie; häufig sieht man Exemplare mit eingezogenen Tentakeln.

Pferdeaktinie
Die Tentakel der Pferdeaktinie sind sehr kurz.


Hier ein besonders schönes Exemplar.

Siebanemone, Aiptasia mutabilis

Schwerer zu entdecken und auch seltener ist die unauffällig grau gefärbte Siebanemone (Glasrose). Auch sie ist aber sehr hübsch anzusehen. Die langen Tentakel der Siebanemone sind nur wenig retraktiv. Sie sind fast durchscheinend mit einer leichten Marmorierung und besitzen feine Spitzen. Die Siebanemone hat einen längeren Stiel, den sie aber meistens einzieht. Sie kommt ebenfalls auch in flachem Wasser vor, verträgt allerdings völliges Trockenfallen nicht. Bei ungünstigen Bedingungen kann sie wie viele Arten auf der Seite liegend langsam davonkriechen.

Siebanemone
Siebanemone

Siebanemone
voll entfaltete Siebanemone mit sichtbarer Mundscheibe

Siebanemone
Die Tentakel der Siebanemone sind grau marmoriert.

Wachsrose, Anemone sulcata (=A. viridis)

Der Siebanemone ähnelt die Wachsrose. Diese ist jedoch an den zahlreicheren, längeren und spitzer zulaufenden Tentakeln zu unterscheiden. Die Wachsrose ist sehr tolerant gegenüber Schwankungen des Salzgehaltes und gegenüber Verschmutzung und Eutrophierung des Wassers. Da sie symbiontische Algen enthält, kommt sie nur in den helleren oberen Wasserschichten vor. Sie kann ihre Tentakel nicht vollständig einziehen. Die Wachsrose ernährt sich von Kleinkrebsen, Schnecken, Fischchen usw.

Wachsrose
Eine Wachsrose in einem kleinen „Teich“ direkt an der Küste.

Am Kiesstrand von Azalas wachsen auf den Felsen im flachen Wasser eine ganze Reihe von Seeanemonen, bei deren Bestimmung ich mir unsicher bin: Sie ähneln am ehesten der Wachsrose, ziehen ihre Tentakel jedoch vollständig ein.


Diese Seeanemonen wachsen hier im sehr flachen Wasser auf dem Felsuntergrund.


Sie sind einheitlich hellgrau gefärbt.


Bei einigen Exemplaren besitzen die Tentakel violette Spitzen (typisch für die Wachsrose; die Färbung entsteht durch eingelagerte einzellige Algen).


Die knapp 100 Tentakel sind nicht sehr lang und verjüngen sich gleichmäßig zur Spitze.


Die Mundscheibe ist braun gefärbt.


An dieser Anemone mit eingezogenen Tentakeln sieht man den glatten, braunen Stiel des Tieres (das Mauerblatt), der eine leichte Längsstreifung aufweist.


Hier ist das Mauerblatt von der Seite zu erkennen.

Zylinderrose, Cerianthus membranaceus

Die Zylinderrosen bilden eine eigene Ordnung (Ceriantharia) innerhalb der Blumentiere. Sie sehen den Seeanemonen sehr ähnlich: Ebenso wie diese besitzen sie einen Tentakelkranz mit zentraler Mundöffnung und einen Stiel. Im Gegensatz zu den Seeanemonen sitzen sie jedoch nicht mit einer Fußscheibe auf dem Untergrund fest, sondern leben in Sandböden und besitzen eine bis über einen Meter lange Wohnröhre, die aus Schleim und Nesselfäden gebildet ist, und in die sie sich bei Störung blitzschnell zurückziehen. Weltweit gibt es etwa 100 Arten an Zylinderrosen; ihre Systematik ist allerdings noch nicht endgültig geklärt.

Bei uns kommt die Mittelmeer-Zylinderrose (Cerianthus membranaceus) vor; sie ist allerdings sehr selten und nur in einzelnen Exemplaren anzutreffen. Sie lebt auf Sandboden oder in Seegraswiesen. Die Zylinderrose besitzt zwei unterschiedliche Typen an Tentakeln: Um die Mundscheibe herum stehen in mehreren Kränzen sehr lange und dünne äußere Tentakel (bis 15 cm); auf der Mundscheibe stehen sehr kurze, innere Tentakel. Die Färbung der Tiere ist sehr variabel und reicht von sandfarben über gelblich bis zu bräunlich oder violett. Unsere Exemplare sind sehr dunkel, fast schwarz gefärbt.


Die Zylinderrose ist am deutlichen Stiel und den langen, dünnen äußeren Tentakeln zu erkennen; auf der Mundscheibe stehen deutlich anders gestaltete, sehr kurze Tentakel. Wir haben bislang nur sehr wenige Exemplare gefunden; sie sind sehr dunkel, fast schwarz gefärbt.

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