Das Mittelmeer

Das Mittelmeer ist ein relativ kleines Meer. Es umfasst mit etwa 2.5 Mio km² nur 0,7% der Fläche der Weltmeere. Es besitzt eine Längenausdehnung (W-E) von 4000 km, während es in der Breite (N-S) im Durchschnitt nur etwa ein Zehntel davon erreicht, und  ist stark durch Inseln und Halbinseln gegliedert.

Blick auf die Ägäis bei Azalas

Das Mittelmeer ist zum größten Teil vergleichsweise flach: Die übliche Tiefe der Ozeanböden von etwa 4000 Metern wird nur in kleinen Gebieten erreicht. Trotzdem fällt der Meeresboden in Küstennähe meist relativ steil ab. Nur in den großen Buchten der Nordägäis und der Adria sowie vor Tunesien bleibt das Meer über größere Bereiche flach (Schelfgebiet). Die Ägäis ist trotz der in manchen Teilen recht großen Tiefe von über 1000 Metern kein echtes ozeanisches Gebiet, sondern überfluteter Kontinent; die ozeanische Kruste beginnt erst südlich von Kreta. Die tiefste Stelle des Mittelmeeres liegt im Hellenischen Tiefseegraben, der sich von den Ionischen Inseln und dem Peloponnes im Bogen südlich von Kreta entlang bis zur türkischen Küste zieht und an dem der ozeanische Rand der Afrikanischen Platte unter die Ägäische Platte subduziert wird; hier werden gut 5000 MeterTiefe erreicht.

▸ Meerestiefen um Naxos

Obwohl einige große Flüsse in das Mittelmeer einfließen (vor allem Nil, Donau (über das Schwarze Meer), Po, Rhone, Ebro), spielen diese doch nur eine relativ geringe Rolle im Wasserhaushalt des Mittelmeeres, und ihr Wasser kann die Verluste durch Verdunstung nicht wettmachen. Viel stärker ist der Wasseraustausch an der Straße von Gibraltar. Hier strömt an der Oberfläche in großen Mengen salzärmeres (und damit leichteres) Atlantikwasser ein, während in der Tiefe ein starker, aber eben doch etwas geringerer Ausstrom des salzhaltigeren Mittelmeerwassers in den Atlantik herrscht. Dieser untermeerische Strom beeinflusst auch den Golfstrom im Atlantik, so dass er eine wichtige Rolle für das europäische Klima spielt.

Entsprechend dieser Verhältnisse gibt es im westlichen Mittelmeer starke Meeresströmungen, durch die das einströmende Atlantikwasser verteilt wird. Im östlichen Mittelmeer spielen diese nur mehr eine geringe Rolle. In der Ägäis herrscht eine von Norden nach Süden gerichtete Oberflächenströmung, die durch den Wasserzufluß aus dem Schwarzen Meer entsteht. Der Tidenhub ist im Mittelmeer (außer in der nördlichen Adria) so gering, dass er kaum gemessen werden kann.

Die Entstehung des Mittelmeeres

Das Mittelmeer ist (im Vergleich beispielsweise zum Atlantik) in seiner Anlage ein sehr altes Meer. Allerdings hat es im Laufe der Erdgeschichte bis in die jüngere Zeit hinein tiefgreifende Veränderungen durchgemacht.

Vereinfacht gesagt ist das Mittelmeer der Nachfolge-Ozean des schon seit über 500 Mio. Jahren (seit dem späten Paläozoikum) existierenden Ozeans Paläotethys, der sich damals als große, nach Osten offene Meeresbucht in den aus allen Kontinenten gebildeten Superkontinent Pangäa erstreckte. Südlich dieses Ozeans lag Gondwana bestehend aus Südamerika, Afrika, Indien, Australien und Antarktis, nördlich lagen Nordamerika und Eurasien (Euramerika). Beim Auseinanderbrechen von Pangäa im Mesozoikum vor etwa 150 Mio. Jahren wurde die Paläotethys geschlossen: An ihrem südlichen Rand spalteten sich Kontinentbruchstücke (Terrane) von Gondwana durch die Öffnung neuer Ozeanarme ab und wanderten allmählich nach Norden, wobei sich vor ihnen die Paläotethys schloss und hinter ihnen der Folgeozean, die Neotethys, öffnete. Bei der Kollision der Terrane mit Eurasien wurden weite Teile der Gebirge Eurasiens aufgefaltet.

Ab etwa vor 100 Mio. Jahren (mittlere Kreidezeit, Mesozoikum) bewegte sich Afrika wieder nach Norden auf Europa zu. Zum Beginn der Erdneuzeit (Tertiär) wurde auch die Neotethys in ihrem europäischen, westlichen Teil durch weitere von Afrika abgespaltene und nach Norden wandernde Terrane geschlossen, südlich derer sich wiederum ein neuer Ozeanarm öffnete: das Mittelmeer. Bei den Kollisionen dieser Terrane mit Europa wurden die Alpen und die anderen südeuropäischen Gebirge gebildet. Später wurde auch das Mittelmeer nach und nach durch die nordwärtige Bewegung von Afrika eingeengt, bis es im Osten durch die Anlagerung von Arabien an Kleinasien von der restlichen Tethys (jetzt Indischer Ozean) abgeschnitten wurde. Zeitweise wurde auch im Westen die Meeresverbindung zum (erst im Mesozoikum durch das Loslösen Nord- und Südamerikas von Europa und Afrika gebildeten) Atlantik bei Gibraltar geschlossen. Vor etwa 6 Mio. Jahren trocknete das isolierte Mittelmeer unter wüstenhaften Klimabedingungen zeitweise aus.

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Die Pflanzen- und Tierwelt des Mittelmeeres

Das Mittelmeer besitzt eine im Vergleich zu seiner Größe sehr hohe Artenvielfalt. Etwa 12.000 Arten sind bislang nachgewiesen, gut ein Zehntel davon Pflanzen (größtenteils Algen). Ein bemerkenswert hoher Anteil der Arten (fast 30 %) sind Endemiten, das heißt Arten, die nur im Mittelmeer sowie teilweise den direkt angrenzenden Bereichen des Atlantiks auftreten.

Unter den Arten mit größerem Verbreitungsgebiet weisen einige eine (sub)tropische Verbreitung auf, während andere nördlichere Arten sind, die auch in den kälteren Meeresgebieten, beispielsweise der Nordsee, vorkommen.

Viele der Arten des Mittelmeeres sind heute durch die Wasserverschmutzung sowie durch Überfischung in Teilen ihres Verbreitungsgebietes bedroht oder ganz verschwunden. Es siedeln sich allerdings auch immer wieder neue Arten an, die von Schiffen eingeschleppt werden oder vor allem über den Sueskanal einwandern.

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Die Umweltbedingungen im Mittelmeer

Das Mittelmeer ist ein relativ warmes Meer mit einem eher geringen Gehalt an Sauerstoff und Nährstoffen. Der Salzgehalt ist dagegen etwas höher als in den großen Weltmeeren. Von herausragender Bedeutung für die Meeresorganismen ist das Lichtangebot, das mit der Tiefe aufgrund der Absorption des Sonnenlichtes schnell abnimmt. Die pflanzlichen Primärproduzenten können nur in den lichtreichen oberen Wasserschichten existieren. Jede Algenart ist an ein bestimmtes Lichtangebot angepasst, und ihr Vorkommen beschränkt sich auf die entsprechenden Wassertiefen und Standorte. Somit existiert in den Lebensgemeinschaften des Meeresbodens eine charakteristische Zonierung, die vor allem vom Lichtangebot abhängt. Im Vergleich zu den kälteren Ozeanen wie dem Atlantik ist das Mittelmeer wegen des niedrigen Planktongehaltes sehr klar und das Licht reicht in relativ große Tiefen (bis zu 40 Meter oder mehr). Weitere wichtige Umweltfaktoren für die Organismen des Meeres sind vor allem die Beschaffenheit des Untergrundes (Fels, Geröll, Kies, Sand, Schlamm) sowie der Wellengang und die Strömungen.

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Felsküste bei Azalas

Die Anforderungen der Meeresumwelt an die Organismen

Die Wasserwelt der Meere stellt an ihre Bewohner deutlich andere Anforderungen als das Leben an Land. Viele Faktoren, die das Leben an Land erschweren, kommen hier nicht zum Tragen. So müssen sich die Meeresbewohner um keinen Verdunstungsschutz bemühen. Da mit dem Wasser die darin gelösten Nährstoffe und auch die mikroskopischen Organismen des Planktons weitflächig verteilt werden, können sich viele Arten der Meeresfauna durch Filtrieren des Wassers oder einfaches Herausfischen der Beutetiere mit Fangarmen oder ähnlichem ernähren. Diese Tiere brauchen weder Fortbewegungsorgane noch ausgefeilte Sinnesorgane. Oft ist ihr Körperaufbau einfach; viele der Arten sind sessil. Schützen müssen sich die tierischen Organismen, insbesondere die festsitzenden, sowie wie die Algen jedoch vor Fressfeinden. Das schaffen sie sehr wirkungsvoll durch harte Skelette sowie durch giftige oder ungenießbare Inhaltsstoffe.

Eine sehr große Zahl an Arten sowohl der Fauna als auch der Flora verbringen zumindest einen Teil ihres Lebens schwebend im Wasserraum des Meeres. Dazu müssen sie wegen des großen Auftriebs im Meerwasser nicht aktiv schwimmen. Die pflanzlichen Angehörigen des Planktons betreiben einen großen Teil der Primärproduktion im Ökosystem und stellen die Lebensgrundlage für das tierische Plankton dar. Von diesem leben wiederum zahlreiche aktiv schwimmende Tierarten, die durch ausgezeichnete Augen, die Fähigkeit zum schnellen Schwimmen und oft eine große Orientierungsfähigkeit an ihr Leben als Räuber angepasst sind. Höhere Tiere, die als Pflanzenfresser leben, gibt es dagegen im Meer aufgrund der relativen Ungenießbarkeit der meisten Algenarten in eher geringer Zahl.

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Die Zonierung des Meeres

Das Ökosystem des Meeres wird in verschiedene Lebensräume unterteilt, die sich in ihren Umweltbedingungen unterscheiden und recht unterschiedliche Anforderungen an ihre Bewohner stellen. Grundsätzlich sind zunächst der Meeresboden, das Benthal, und der Wasserraum, das Pelagial, zu unterscheiden. Innerhalb beider Systeme weisen die euphotischen (lichtreichen) Bereiche deutlich andere Lebensbedingungen auf als die aphotischen (lichtlosen). Pflanzen können nur im euphotischen Bereich des Meeres existieren. Die küstennahen, flacheren Gebiete über dem Kontinentalschelf werden als neritische, die echt ozeanischen als pelagische Region bezeichnet.

Entsprechend der Nähe zur Wasseroberfläche, des Lichtangebots und der sonstigen Umweltfaktoren wird das Benthal in mehrere Zonen unterteilt. Im euphotischen Bereich unterscheidet man das Supralitoral, das Mesolitoral, das Infralitoral und das Circalitoral. Auch die sich unter dem Circalitoral anschließende, lichtlose Region unterteilt man nach ihrer Tiefe in Zonen: die bathyale, die abyssale und die hadale Zone (letztere fehlt im Mittelmeer). Innerhalb der verschiedenen Zonen können Lebensräume unterschieden werden, die vor allem durch den Untergrund charakterisiert sind. So tragen Fels-, Geröll-, Kies-, Sand- und Schlammböden jeweils eine deutlich verschiedene Flora und Fauna. Ferner weisen Grotten und Höhlen besondere Lebensbedingungen auf: In ihnen herrschen auch nahe an der Oberfläche Bedingungen, die denen der tieferen Zonen entsprechen, so dass man schnorchelnd unter schattigen Felsüberhängen Arten antreffen kann, die eigentlich nur in größerer Tiefe vorkommen.

Auch das Pelagial wird in einen euphotischen und einen aphotischen Bereich unterteilt. Das mit zunehmender Tiefe schnell sinkende Lichtangebot bestimmt, welche Pflanzen und Tiere in den verschiedenen Regionen existieren können. Mit der Tiefe nehmen ferner die Temperatur und das Sauerstoffangebot ab, während der Druck zunimmt. Abgesehen vom im Vergleich zur gesamten Meerestiefe sehr schmalen euphotischen Bereich ist das Pelagial ein recht einförmiger Lebensraum.

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