Libellen

Die Libellen gehören mit bis zu fast 20 cm Flügelspannweite zu den größten Insekten. Sie sind besonders hübsche und elegante Tiere. Sie besitzen einen beweglichen Kopf mit großen, hochentwickelten Augen, eine kräftige Brust mit drei Paar Beinen und zwei Paar unabhängig voneinander beweglichen, durch ein Netz von kräftigen Adern stabilisierten Flügeln und einen langgestreckten, dünnen Hinterleib. Sie sind ausgezeichnete Flieger und ernähren sich von anderen Insekten, die sie im Flug erbeuten.


Libellen besitzen einen langgestreckten Körper mit drei Bein- und zwei Flügelpaaren und einen beweglichen Kopf mit hochentwickelten Augen.


Bei den Großlibellen ist der Körper oft dick und behaart.


Die Flügel weisen ein stabilisierendes Adernetz auf. Sie sitzen mit kräftigen Gelenken an den Brustsegmenten und können unabhängig bewegt werden, was den Libellen ihren sehr schnellen und geschickten Flug ermöglicht.


Libellen besitzen große, hochentwickelte Facettenaugen, die aus bis zu 30.000 Einzelaugen bestehen können.


Sie ernähren sich von Insekten, die sie im Flug erbeuten.


Libellen kann man ziemlich gut fotografieren, weil sie sich immer wieder an denselben Stellen hinsetzen. Mit ein bisschen Gedult kann man sich den Libellen sehr weit annähern…


…ja sie sogar berühren! Wer hätte das gedacht!

Zur Paarung ergreifen die Männchen die Weibchen am Hinterkopf mit speziellen Zangen, die sich am Hinterleibsende befinden. In dieser sogenannten Tandemstellung sieht man die Libellen oft auch umherfliegen. Zur Begattung bilden sie ein Rad, indem das Weibchen seinen Hinterleib an den Hinterleib des Männchens legt („Paarungsrad“). Die Eier werden von den Weibchen im Wasser abgelegt. Libellen führen in ihrer Entwicklung wie alle Insekten eine Metamorphose durch. Die Larven leben im Wasser und ernähren sich dort räuberisch von Wasserflöhen und anderen kleinen Wassertieren, die größeren Larven auch von Kaulquappen oder kleinen Fischen. Sie wachsen allmählich und führen eine ganze Reihe von Häutungen durch. Das Larvenstadium der Libellen dauert mit üblicherweise ein oder zwei Jahren wesentlich länger als das Erwachsenenleben, das meist nur ein paar Wochen andauert. Zum Schlüpfen kriecht die Larve aus dem Wasser heraus und heftet sich meist an eine Pflanze wie einen Schilfstängel.


Blaue Federlibellen in Tandemstellung: Das Männchen ergreift mit speziellen Greifzangen am Hinterleibsende das Weibchen hinterm Kopf.


Große Königslibelle bei der Begattung: Das Weibchen biegt sein Hinterleib mit der Geschlechtsöffnung zum Samenbehälter des Männchens am 2. oder 3. Hinterleibssegment.


Blaue Federlibelle bei der Eiablage.


Die Libellenlarve lebt räuberisch im Wasser von Flüssen und Teichen. Zur letzten Häutung kriecht die Larve aus dem Wasser heraus und die fertige Libelle schlüpft. Hier die zurückgebliebene, leere Hülle (Exuvium).

In Mitteleuropa kommen etwa 85 Libellenarten vor. Da die Libellenlarven ausschließlich im Wasser leben, halten sich auch die erwachsenen Tiere der meisten Arten in der Nähe von Flüssen oder Teichen auf. Entsprechend sind sie nicht gerade die charakteristischsten Tiere trockener Landschaften wie sie im Mittelmeerraum vorherrschen. Dennoch kann man an den Flüssen von Naxos, an größeren, offenen Zisternen oder auch an Brackwasserlagunen eine ganze Reihe von Arten beobachten. Auf Naxos sind bislang 18 Arten nachgewiesen worden (Wolfgang Lopau, Die Libellenfauna der Kykladen/Griechenland; Naturkundliche Reiseberichte, Gnarrenburg 2004).


Dieser ganzjährig wasserführende, von Platanen und Erlen beschattete Flusslauf bei Apollonas ist ein ausgezeichnetes Libellenrevier, in dem insbesondere die Kleinlibellen sehr häufig sind.


An dieser Stelle kann man im späten Frühjahr wunderbar Libellen von mindestens 5 Arten beobachten.

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Kleinlibellen

Die Libellen werden in Klein- und Großlibellen unterteilt. Die Kleinlibellen sind kleiner, schlanker und zarter als die Großlibellen. Vorder- und Hinterflügel sind gleich groß und werden in Ruhestellung überm Hinterleib zusammengelegt. Die Augen stehen deutlich auseinander.


Die kleinen, zarten Kleinlibellen-Arten legen die Flügel in Ruhestellung zusammen.

Gebänderte Prachtlibelle, Calopteryx splendens mingrelica

Die Prachtlibellen sind wohl die hübschesten Libellen. Sie kommen an Fließgewässern vor und sind auf Naxos beispielsweise am Fluss in der Nähe von Apóllonas häufig. Die Männchen führen auffällige Schauflüge durch, mit denen sie die Weibchen anlocken wollen. Zwischendurch setzen sie sich gern an besonnte Stellen. Auf Naxos kommen zwei Prachtlibellen-Arten vor, die Gebänderte Prachtlibelle und, deutlich seltener, die Blauflügel-Prachtlibelle. Während die Männchen der zwei Arten an der Färbung gut zu unterscheiden sind, ähneln sich die Weibchen sehr und sind nur mit viel Erfahrung auseinanderzuhalten.


Die Männchen der Prachtlibellen besitzen eine wunderschöne leuchtend dunkelblaue Färbung.


Bei der Gebänderten Prachtlibelle sind nur die vorderen Hälften der Flügel blau gefärbt. Gern sitzen die Libellen wie hier an besonnten Stellen.


Die Weibchen haben eine goldgrüne Farbe. Ihre Flügel sind im Gegensatz zu denen der folgenden Art auch zusammenliegend durchscheinend und eher grünlich als goldbraun gefärbt.

Blauflügel-Prachtlibelle, Calopteryx virgo festiva

Diese Art ist auf Naxos wesentlich seltener anzutreffen als die Gebänderte Prachtlibelle.


Die Flügel der Männchen der Blauflügel-Prachtlibelle sind vollständig blau gefärbt.


Hier sieht man gut die Aderung der Flügel.


Bei den Weibchen sind die Flügel goldbraun gefärbt und zusammengelegt nicht durchscheinend.

Illyrische Federlibelle, Platycnemis nitidula

Die Illyrische Federlibelle ist mit Abstand die häufigste Kleinlibellen an den kleinen Fließgewässern von Naxos wie an den Flussläufen in der Umgebung von Apóllonas. Sie wird manchmal nur als Unterart vor Platycnemis pennipes erachtet und ist in ihrer Verbreitung auf Griechenland beschränkt.


Pärchen der Illyrischen Federlibelle in Tandemstellung. Die Männchen sind hellblau gefärbt, die Weibchen beige.


Charakteristische Kennzeichen der Illyrischen Federlibelle sind die besonders weit auseinander stehenden hellblauen Augen, der von oben dunkle Hinterleib mit eher wenig Blau, die dicken schwarzen Streifen auf der Brust und die stark verbreiterten Schienen der Hinterbeine.


Die Weibchen der Illyrischen Federlibelle besitzen einen schwarzen Doppelstreifen an der Brustseite, wie auch die Männchen bei den meisten verwandten Arten. Auch sie haben verbreiterte, borstige Unterschenkel.


Tandems der Illyrischen Federlibelle bei der Eiablage

Große Pechlibelle, Ischnura elegans

Die in ganz Europa verbreitete und häufige Große Pechlibelle sieht der Illyrischen Federlibelle auf den ersten Blick ähnlich. Das Männchen ist jedoch leicht zu erkennen am leuchtend hellblauen 8. Hinterleibssegment. Ferner besitzt es ein schwarz-weißes Flügelmal. Die Augen sind oben schwarz und unten blau gefärbt. Die Weibchen sind in ihrer Färbung ziemlich variabel. Die Pechlibelle lebt vor allem an Stillgewässern; das Foto stammt von der Flussmündung in Apóllonas. Auf Naxos ist sie nicht sehr häufig.


Das Männchen der Großen Pechlibelle ist am hellblauen 8. Segment des ansonsten dunklen Hinterleibs zu erkennen.


Einmal ist diese kleine, zierliche Libelle auch in unseren Garten gekommen.

Östliche Weidenjungfer, Lestes parvidens

Die elegante Weidenjungfer kommt auf Naxos nur selten vor; ich habe sie am Fluss bei Kinídaros gefunden, wo mehrere Exemplare an einem dicht von Blumen und Gras bestandenen kleinen Nebenbach saßen. Im Gegensatz zu den meisten anderen Kleinlibellen halten die Weidenjungfern ihre Flügel in der Ruhe ausgebreitet. Die Unterscheidung von der sehr ähnlichen Gemeinen Weidenjungfer (Lestes viridis) erfolgt hier nur der Wahrscheinlichkeit nach: Diese Art scheint in Griechenland deutlich seltener aufzutreten.


Die Weidenjungfern besitzen eine metallisch grün-bronzene Färbung. Das Flügelmal ist braun.


Die Unterseite der Brust ist zart grün gefärbt, wobei die kräftig grüne Farbe der Oberseite einen kleinen nach vorn gerichteten Zahn formt.


Hier noch einmal die charakteristische Zeichnung der Brust von nahem.

Großlibellen

Bei den Großlibellen sind die Flügel leicht verschieden groß. In Ruhestellung werden sie seitlich vom Körper abstehend gehalten. Die großen Augen stehen eng beieinander.


Die Großlibellen halten die Flügel quer abstehend.

Schabrackenlibelle, Anax ephippiger

Die Schabrackenlibelle kommt in Asien und Afrika vor und wandert unregelmäßig in Europa ein. Von den Kykladen ist sie bislang nur auf Naxos nachgewiesen worden, tritt aber auch dort nicht sehr häufig auf.


Die Schabrackenlibelle ist an dem braunen Hinterleib mit leuchtend blauem zweiten Segment zu erkennen. Sie ist eine der größeren Arten und besitzt besonders lange Flügel.

Große Königslibelle, Anax imperator

Die Große Königslibelle ist die größte heimische Libellenart. Sie lebt an stehenden Gewässern und kommt im größten Teil Europas vor. Auf Naxos ist sie eine der selteneren Libellen-Arten.


Die Große Königslibelle hat eine grüne Brust und einen blauen Hinterleib mit schwarzem Streifen auf der Rückenseite.


Pärchen der Großen Königslibelle im Paarungsrad.

Schattenlibelle, Caliaeschna microstigma

Die Schattenlibelle hält sich, wie ihr Name sagt, gern im Schatten auf. Sie ist ein unermüdlicher Flieger und lebt im Gegensatz zu den meisten anderen Aeschniden an schnellen Fließgewässern. Auf Naxos ist sie nicht sehr häufig.


Der Körper der Schattenlibelle ist braun mit schwarzen und weißen Streifen auf jedem Segment. An den Seiten der Brust verlaufen zwei dicke, gelbe Schrägstreifen. Auch die Vorderseite des Kopfes ist gelb. Charakteristisch ist das kleine schwarze Flügelmal.

Kleine Zangenlibelle, Onychogomphus forcipatus forcipatus

Die in Europa weitverbreitete Kleine Zangenlibelle lebt ebenfalls an Fließgewässern. Sie sitzt besonders gern auf Steinen und Felsen. Auffälliges Merkmal sind die besonders kräftigen zangenförmigen Hinterleibsanhängsel der Männchen, die zum Fassen der Weibchen bei der Paarung dienen. Beide Zangenlibellen sind auf Naxos eher selten.


Die Kleine Zangenlibelle ist außer an den großen Zangen am leicht verdickten Hinterleibsende an den grünen, leicht auseinander stehenden Augen und an der charakteristischen schwarzen Zeichnung auf der grüngelben Brust zu erkennen.


Hier ein Weibchen der Kleinen Zangenlibelle.

Griechische Quelljungfer, Cordulegaster helladica

Die Griechische Quelljungfer, eine in Griechenland endemische Quelljungfer-Art, ist auf Naxos nur selten anzutreffen. Sie gehört in die bidentata-Gruppe, das heißt ist eng verwandt mit der Gestreiften Quelljungfer (C. bidentata). Hier ein Exemplar, das in den Fluss gefallen war. Ich habe diese Art bislang auf Naxos erst einmal angetroffen.


Die Griechische Quelljungfer besitzt gelbe Streifen auf dem schwarzen Hinterleib, wobei die oberen Segmente je einen dicken und einen dünnen Streifen tragen, die hinteren dagegen nur einen dicken.


Hier sieht man die charakteristische Färbung der Brustseiten mit zwei dicken gelben Streifen und einem kleinen gelben Dreieck dazwischen.

Südlicher Blaupfeil, Orthetrum brunneum

Die Blaupfeil-Arten sind an ihrer „mehligen“ hellblauen Färbung zu erkennen. Sie halten die Flügel charakteristischerweise schräg nach vorn. Die Blaupfeil-Arten leben an Fließgewässern; der Südliche Blaufpeil ist in seiner Verbreitung auf Süd- und Mitteleuropa beschränkt. Er ist auf Naxos sehr häufig und weit verbreitet.


Beim Südlichen Blaupfeil ist der ganze Körper blau bereift. Charakteristisch ist das rotbraune Flügelmal.

Kleiner Blaupfeil, Orthetrum coerulescens

Der Kleine Blaupfeil sieht dem Südlichen Blaupfeil sehr ähnlich. Unterscheiden kann man ihn am nicht blau bereiften, sondern gelbbraun gefärbten Vorderkörper, am helleren (ockergelben) Flügelmal und am gelben Vorderkopf. Er ist auf Naxos wesentlich seltener als die vorige Art.


Beim Kleinen Blaupfeil ist der Vorderkörper nicht blau bereift und Flügelmal und Vorderkopf sind gelblich.

Frühe Heidelibelle, Sympetrum fonscolombii

Die Heidelibellen kommen im Sommer auch weit von Wasservorkommen entfernt vor. Auf Naxos ist die Frühe Heidelibelle sehr häufig und fast überall anzutreffen. Die Männchen dieser Art sind rot gefärbt, die Weibchen gelb. Charakteristisch ist die Färbung der Augen, die oben braun und unten blau sind.


Auf Naxos sind viele Tiere mit einer nur leicht rötlichen Färbung anzutreffen; der Vorderkörper dieser Exemplare ist an den Seiten blaugrünlich gefärbt.


Bei diesen Exemplaren handelt es sich vermutlich um junge Männchen.


Die Weibchen weisen dagegen eine gelbe Färbung auf. Der Hinterleib trägt einen schmalen schwarzen Längsstreif an der Seite.


Beide Formen kann man leicht an der zweigeteilten Färbung der Augen erkennen, die oben braun und unten blau sind.

Violetter Sonnenzeiger, Trithemis annulata

Eine der schönsten Libellen ist der Violette Sonnenzeiger mit seiner unwahrscheinlichen Farbe. Er zeigt die charakteristische Haltung der Blaupfeil-Arten mit nach vorn unten gehaltenen Flügeln. Unverkennbar ist die leuchtend rosaviolette Färbung nicht nur des Körpers, sondern auch der Flügel und der Augen. Der Violette Sonnenzeiger kommt in Afrika und Asien vor und breitet sich in den letzten Jahren zunehmend auch in Südeuropa aus. Auf Naxos ist er recht häufig zu finden.


Der Violette Sonnenzeiger ist irre leuchtend violett-rosa gefärbt. Die Flügel haben rote Adern und einen gelben Fleck an der Basis.


Etwa eine Sekunde nach dem Hinsetzten klappt der Sonnenzeiger seine Flügel schräg nach vorn und nimmt diese charakteristische Haltung ein.

siehe auch:

 

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zum Weiterlesen:

(man kann bei Wikipedia auch zu vielen der erwähnten Arten beschreibende und informative Seiten finden)

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