Fliegen II: Schweber

Die gedrungenen, oft stark behaarten Schweber (Familie Bombyliidae) erinnern teilweise eher an Hummeln. Ihr auffälligstes Kennzeichen ist ihr charakteristischer, langsamer Schwirrflug, bei dem sie oft auf der Stelle stehen. Im Sitzen werden die Flügel in einem Winkel abgespreizt gehalten. Die Erwachsenen ernähren sich von Nektar und Pollen. Manche Arten wie die Wollschweber „stehen“ dabei im Schwirrflug vor der Blüte, aus der sie saugen. Die Larven der Schweber leben parasitisch vor allem an den Larven von Hautflüglern, teilweise auch von Fliegen, Heuschrecken oder Schmetterlingen. Das erste Larvenstadium sucht die Wirtslarve oft aktiv auf; spätere Larvenstadien haben keine Beine.

Weltweit sind bislang etwa 5.000 Schweber-Arten in über 200 Gattungen beschrieben worden. Die Schweber treten meist nur in geringen Individuen-Zahlen auf und zählen zu den wenig auffälligen Insektengruppen, so dass wir über viele Arten und Gattungen noch nicht viel wissen. Im Mittelmeergebiet kommen zahlreiche Arten vor; die Bestimmung ist allerdings oft sehr schwierig. Bei uns kann man in Frühling und Sommer eine ganze Reihe von Schwebern antreffen. Meist sitzen sie nicht auf Blüten sondern auf dem Boden, wo man sie leicht übersehen kann. Außer dem sehr häufigen und auffälligen Kleinen Wollschweber sieht man die meisten Arten eher selten.

Kleiner Wollschweber, Bombylius minor


Die Wollschweber sehen aufgrund des runden Körpers und der langen Behaarung etwas hummelähnlich aus.


Bei uns im Garten ist der Kleine Wollschweber im Frühling und Frühsommer sehr häufig.


Mit ihrem langen, auch im Fliegen vorgestreckt gehaltenen Rüssel saugen die Wollschweber im Flug oder sitzend an Blüten.


Ein Kleiner Wollschweber im Landeanflug an seiner Lieblingsblume bei uns im Garten, der Kamille. Im Fliegen werden die Hinterbeine wie hier zu sehen auf charakteristische Weise nach oben hinten abgespreizt. Die Wollschweber fliegen sehr langsam und mit gleichbleibender Geschwindigkeit von einer Blüte oder Pflanze zur anderen. Dadurch kann man sie sehr gut beobachten. Wenn man ein bisschen Geduld aufwendet und sich ebenfalls langsam bewegt, kann man sich ihnen leicht annähern.

unbestimmter Schweber

Auch dieser Schweber gehört zu den kleineren Arten; möglicherweise könnte er der Gattung Dischistus angehören, vermutlich jedenfalls wie der Kleine Wollschweber der Unterfamilie Bombyliinae. Die Bestimmung ist nach dem Foto nicht möglich.


Hier ein sehr kleiner Schweber mit einem gestreiften, lang hellbraun behaarten Hinterleib.

Anthrax aethiops

Die artenreiche Gattung Anthrax ist auf der Nordhalbkugel und im tropischen Afrika weit verbreitet. Die Larven leben meist an Hautflügler-Larven. Die meisten Arten sind eher klein und besitzen auffällig gemustere Flügel mit einem schwarzen vorderen und einem durchsichtigen hinteren Bereich, die recht klar voneinander abgegrenzt sind. Der Körper ist überwiegend schwarz.


Bei diesem Schweber handelt es sich um Anthrax aethiops. Die Flügel sind in der vorderen Hälfte schwarz und hinten durchsichtig mit zwei kleinen schwarzen Flecken im hellen Bereich. Der längliche Körper ist schwarz mit einer bleigrauen Hinterleibsspitze, die einen schmalen schwarzen Längsstreifen in der Mitte trägt.


Hier noch ein Foto.

Heteralonia megerlei


Diese kleine Art besitzt dunkle Flügel mit einer kleinen hellen Spitze und einem charakteristisch geformten, eingebuchteten hellen Mal etwa auf der Hälfte des Flügels.


Diese Art ist in unserem Garten im Frühsommer regelmäßig anzutreffen.

Exoprosopa jacchus?

Die Vertreter der großen Gattung Exoprosopa sind recht unterschiedlich gefärbt. Wie bei allen Schwebern leben die Larven parasitisch. Exoprosopa jacchus ist im Mittelmeerraum verbreitet. Die sehr ähnliche Art Exoprosopa pandora kann man nur anhand des Aufbaus der Geschlechtsorgane unterscheiden, somit muss die Bestimmung unsicher bleiben. Exoprosopa jacchus gehört mit bis zu gut 1,5 cm Körperlänge zu den größeren Schwebern, wobei die Körpergröße auffällig variiert: die größten Exemplare, die man zu Gesicht bekommt, sind fast doppelt so groß wie die kleinsten. Die Größe hängt vermutlich davon ab, wie viel Nahrung der Larve zur Verfügung stand. Exoprosopa jacchus kommt im Frühsommer in der Phrygana bei uns häufig vor. Sie setzt sich meist auf Pflanzen, seltener auf den Boden.


Exoprosopa jacchus besitzt einen dunkelbraunen Körper und dunkelbraun getönte Flügel mit helleren Flecken, die ein charakteristisches Muster bilden. Es gibt weitere ähnliche Arten, die schwer zu unterscheiden sind.


Hier bei der Paarung. Wie hübsch sie so aussehen! Auf diesem Foto kann man auch die Zeichnung des Körpers mit weißen Streifen und Flecken gut erkennen.


Hier ist die charakteristische Aderung und Zeichnung der Flügel noch einmal gut sichtbar.

Exoprosopa minos

Neben den dunklen Arten mit stark gemusterten Flügeln gehören zur Gattung Exoprosopa auch graue Arten mit kaum getönten Flügeln. Auch diese sind überwiegend eher groß. Wie fast überall ist die Bestimmung nach äußeren Merkmalen kaum möglich und darum nicht ganz sicher.


Exoprosopa minos hält ihren auffällig quergestreiften Hinterleib auf charakteristische Weise leicht nach oben gebogen.


Bei den Männchen ist der Hinterleib sehr hell oder fast weiß gefärbt. Der erste dunkle Streifen ist oft auf den mittleren Bereich beschränkt. Die Flügel sind im vorderen Bereich braun getönt.


Hier sieht man die typische Streifung des Hinterleibs beim Weibchen. Der erste und dritte Streifen sind dicker, der zweite wesentlich dünner.

Exoprosopa grandis


Exoprosopa grandis gehört zu den größeren Schwebern. Der Hinterleib trägt eine sehr kontrastreiche Streifung; die Flügel weisen eine grobe helle und dunklere Musterung auf.

Exoprosopa?

Auch diese große Art könnte zur Gattung Exoprosopa gehören.


Diese Art besitzt einen sehr kräftig gemusterten Thorax. Der Hinterleib trägt eine charakteristische komplizierte Streifung. Die Flügel sind kaum getönt.


Bei der Streifung des Hinterleibs ist die erste Binde sehr hell, die zweite sehr dunkel mit einem helleren Streifen darin, gefolgt von einem grauen Band, das mit einer dünnen schwarzen Binde abgegrenzt ist, die die Mitte auslässt. Die nächste dunkle Binde ist grau mit einem schwarzen Rand auf beiden Seiten und einem feinen dunklen Band in der Mitte. Die letzte dunkle Binde des Hinterleibs ist sehr breit.

Cytherea obscura?

Bei diesem bleigrau gefärbten Schweber handelt es sich vermutlich um Cytherea obscura. Auch diese Art wird recht groß (etwa 1,5 cm) und ist in der Phrygana nicht selten; sie ist aber wegen ihrer unauffälligeren Färbung leichter zu übersehen.


Cytherea obscura sitzt wie die meisten Schweber am liebsten auf dem Boden, wo sie vergleichsweise schwer zu entdecken ist.


Hier auf einer Blüte. Die Flügel sind in teilweise orangebraun, teilweise dunkel gefärbt. Die Flügelspitzen sind durchsichtig.


Hier noch ein Exemplar. Auffällig ist das weiße Gesicht. Auf den Flügeln sind drei kleine dunklere Flecken erkennbar.

Satyramoeba hetrusca

Dieser auch unter dem Namen Spongostylum etruscum bekannte Schweber ist mit gut 2 cm Körperlänge sehr groß und auffällig. Er ist bei uns im Sommer gelegentlich zu sehen.


Satyramoeba hetrusca ist bei uns mit Abstand der größte Schweber. Der Körper ist schwarz gefärbt mit kleinen weißen Fleckchen auf dem Abdomen. Die Flügel weisen im vorderen Bereich eine deutliche Brauntönung auf.

Hottentottenfliege, Villa hottentotta

Die Angehörigen der Gattung Villa sind meist überwiegend gelblich oder bräunlich gefärbt mit einer starken Behaarung und tragen deutliche dunkle Querstreifen auf dem Abdomen. Die Flügel sind nur im vorderen Bereich leicht getönt. Auch an der genauen Art der Flügeladerung kann die Gattung erkannt werden.


Die kräftige Hottentottenfliege sieht auf den ersten Blick kaum wie ein Schweber aus. Ihre Flügel sind nur im vordersten Bereich ganz leicht getönt.


Hier sieht man gut die lange goldgelbe Behaarung des Körpers. Die Hottentottenfliege mit ihrem dicken Körper wird fast 2 cm lang.

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