Fliegen

Die Fliegen formen gemeinsam mit den Mücken die Ordnung der Zweiflügler (Diptera), die etwa 160.000 Arten umfasst. Im Gegensatz zu den meisten anderen Insekten besitzen die Zweiflügler, wie der Name sagt, nur zwei Flügel; das hintere Flügelpaar ist zu sogenannten Halteren zurückgebildet, kleinen, keulenförmigen Schwingkölbchen, die der Stabilisierung des Fluges dienen.

Die Fliegen besitzen meist große, gut ausgebildete Augen. Ihre Fühler sind ungewöhnlich: Sie sind kurz und keulenförmig mit einer feinen, seitlich abgehenden Borste (Arista). Die Mundwerkzeuge sind leckend-saugend oder stechend-saugend. Die Fliegen tragen am Kopf, am Körper und an den Beinen auffällige, kräftige Borsten, die ebenso wie die Aderung der durchsichtigen Flügel für die Bestimmung und systematische Einordnung wichtig sind. Sie haben viele unterschiedliche Lebensweisen entwickelt und alle Lebensräume der Erde erobert. Es handelt sich um eine sehr erfolgreiche Tiergruppe, die oft in hohen Zahlen auftritt. Es gibt räuberische Arten, Pflanzenfresser sowie parasitisch lebende Arten. Fliegen zeigen eine holometabole Entwicklung mit einem Puppenstadium. Die Larven besitzen keine Beine und keine Kopfkaspel (Maden).

Für den Menschen sind viele Fliegen als Schädlinge von Bedeutung, beispielsweise leben die Larven mancher Arten in Obst, oder sie sind Aasfresser und gehen auch an Fleisch. Andere Arten saugen Blut an Menschen und Tieren, wobei sie in vielen Fällen, wie bei der afrikanischen Tsetse-Fliege, gefährliche Krankheiten übertragen können.

Stubenfliege, Musca domestica

Die Stubenfliege ist eines der häufigsten und gewöhnlichsten Tiere. Sie gehört zur Familie der Echten Fliegen und kommt überall auf der Welt vor – insbesondere in der Nähe der Menschen. Die erwachsenen Tiere ernähren sich von Flüssigkeiten oder feinen Feststoffen, die mit dem Saugrüssel aufgetupft werden. Die Larven leben an Mist, Kompost, Kot oder verwesendem Pflanzenmaterial. Die Entwicklungszeit der Stubenfliege ist extrem kurz. Unter günstigen Bedingungen vergehen von der Eiablage bis zur Verpuppung nur 7 Tage, und schon nach 3 Tagen können sich die adulten Tiere wieder verpaaren. So schafft es die Stubenfliege auf bis zu 15 Generationen pro Jahr. Das Weibchen legt alle 3 bis 4 Tage bis zu 400 Eier. Bei günstigen Umweltbedingungen können die Fliegen sehr schnell sehr viele Nachkommen produzieren, auch wenn die erwachsenen Tiere nur wenige Wochen leben.

Die Stubenfliege kann eine Reihe von Krankheiten auf den Menschen übertragen, was daran liegt, dass sie sich sowohl auf Exkremente setzt, als auch auf verwesendes Fleisch, als auch an Wunden. Die Übertragung der Erreger erfolgt vor allem durch die Ausscheidungen der Fliege.


Die allbekannte Stubenfliege besitzt große braunrote Komplexaugen, einen schwarz und grau längsgestreiften Körper und gelbliche Flecken an den Flügelbasen.


Hier sieht man die leckend-saugenden Mundwerkzeuge mit ihrem kissenartigen „Tupfer“, mit dem die Fliege Flüssigkeiten und feine Feststoffe aufnimmt.

Fleischfliege, Sarcophaga spec.

Es gibt etwa 2.500 Fleischfliegen-Arten (Familie Fleischfliegen), die sich alle ziemlich ähnlich sehen; die Unterscheidung der Arten ist sehr schwierig. Die adulten Fleischfliegen leben von Pflanzensäften und lecken beispielsweise an Obst oder an austretendem Baumsaft. Die Larven haben im Gegensatz dazu sehr unterschiedliche Ernährungsweisen entwickelt: Manche Arten ernähren sich räuberisch, andere leben von Aas, manche von Dung, und viele weitere leben als Parasiten an den unterschiedlichsten Tieren.


Die Fleischfliegen sind mit etwa 1,5 cm deutlich größer als die Stubenfliegen und ihre Augen haben einen größeren Abstand voneinander. Der Hinterleib mit seinen langen Borsten trägt ein schwarzgraues Schachbrettmuster.


Auf diesem Foto kann man gut die keulenartigen Fühler der Fliegen mit ihrer feinen, in der Mitte entspringenden Borste erkennen sowie die Haftlappen an der Füßen, die der Fliege ermöglichen sich an sehr glatten oder überhängenden Stellen festzuhalten.

Schmeißfliege, Calliphora vicina

Die Familie der Schmeißfliegen umfasst etwa 1.000 Arten, von denen viele recht groß werden. Der Körper ist meist metallisch blau, grün oder goldgrün. Die adulten Tiere sind Blütenbesucher und nehmen Nektar, Pollen oder Pflanzensäfte auf. Die Larven leben auf Aas und auf Kot; außerdem gibt es einige Arten, die parasitisch an Wirbeltieren leben, z.B. in Wunden. Aufgrund von für den Menschen schädlichen Stoffen, die die Larven ins Fleisch abgeben, und aufgrund der Mikroorganismen, die sie übertragen können, ist von Schmeißfliegen befallenes Fleisch nicht mehr zum Verzehr geeignet.


Die Schmeißfliege Calliphora vicina besitzt einen metallisch-bläulichen Hinterleib; der Thorax ist blaugrau. Die großen Komplexaugen berühren sich auf der Stirn fast.

Stomorhina lunata

Auch diese Fliege gehört zu den Schmeißfliegen. Sie ist kleiner als die vorige Art und hält die Flügel nicht wie die meisten Fliegen gespreizt, sondern übereinander liegend. Die Komplexaugen tragen charakteristische schillernde Streifen. Der Vorderkörper trägt dunkle Längsstreifen, während der Hinterkörper bei den Männchen schwarz-gelb, bei den Weibchen schwarz-grau quergestreift ist.

Diese Art ist in Europa, Nordamerika, Nordafrika und Asien weit verbreitet. Die nördlicheren Populationen wandern im Winter nach Süden. Die adulten Tiere besuchen Blüten und ernähren sich von Pollen und Nektar, während die Larven von Insekteneiern leben, vor allem von Heuschrecken, so dass die Art für den Menschen nützlich ist.
Für die Bestimmung dieser Art danke ich dem Bestimmungsforum der Webseite Entomologie.de.


Diese eher unauffällig gefärbte Fliege (hier ein Weibchen) ist an der charakteristischen Streifung der Komplexaugen sowie des Körpers zu erkennen.

Schwebfliege, Scaeva pyrastri

Die Schwebfliegen sind mit etwa 6.000 Arten eine große Familie. Sie sehen recht unterschiedlich aus; es gibt beispielsweise Arten, die Bienen, Wespen oder Hummeln nachahmen. Alle Schwebfliegen haben die Angewohnheit und Fähigkeit auf der Stelle zu fliegen und tun das oft, wenn sie Blüten besuchen. Die erwachsenen Tiere ernähern sich von Pollen und Nektar. Sie besitzen keinen Wehrstachel, aber viele Arten versuchen eventuelle Fressfeinde durch eine wespenähnliche Warnfärbung abzuschrecken.


Diese kleine Schwebfliege, vermutlich die Art Scaeva pyrastri, zeigt eine charakteristische abschreckende Färbung mit gelben wespenähnlichen Streifen.

Igelfliege, Tachina fera

Die Igelfliege gehört zur Familie der Raupenfliegen. Die Larven der Raupenfliegen leben parasitierend auf anderen Insektenlarven, vor allem auf den Raupen von Schmetterlingen oder Pflanzenwespen, oder auch auf Käferlarven oder anderen Insekten. Manche Arten sind auf eine einzige Wirtsart spezialisiert, andere parasitieren auf vielen verschiedenen Wirtsarten, die aber manchmal auf einer einzigen Pflanzenart leben. Die adulten Tiere besuchen Blüten und ernähren sich von Nektar und Pollen.

Aufgrund ihrer parasitierenden Lebensweise eignen sich viele Raupenfliegen gut zur biologischen Schädlingsbekämpfung und man hat in mehreren Fällen die Schäden durch eine auf einen anderen Kontinent eingeschleppte Schmetterlingsart durch die Einführung der passenden Raupenfliege wirksam eindämmen können.


Die Igelfliege ist nach ihren besonders langen Borsten benannt. Die Larven parasitieren an den Raupen verschiedener Eulenschmetterlinge.

Raubfliege, Tolmerus atricapillus ?

Bei den Raubfliegen handelt es sich mit weltweit gut 7.000 Arten um eine recht große Familie. Während sie im Aussehen recht variabel sind, haben alle Raubfliegen die räuberische Lebensweise gemein: Sie erbeuten auf libellenartige Weise andere Insekten im Flug. Dazu benötigen sie nicht nur kräftige, lange Flügel, sondern auch große, leistungsfähige Augen. Die Fliege sitzt auf einem exponierten Sitzplatz und beobachtet die Umgebung. Wenn sie ein Beutetier sichtet, fliegt sie auf und fängt es im Flug mit den Beinen. Dann sticht sie es mit ihrem Saugrüssel an, injiziert ein tödliches Gift und Vedauungsflüssigkeit und saugt das Insekt danach aus. Die Raubfliegen können Insekten erbeuten, die deutlich größer sind als sie selbst, einschließlich Käfern mit sehr harten Panzern. Ihre Larven leben im Boden, oft in recht tiefen Schichten. Deswegen ist über sie nicht viel bekannt, außer dass auch sie sich räuberisch ernähren, wobei sie vor allem andere Insektenlarven erbeuten.

Die Raubfliegen kommen in vielen unterschiedlichen Lebensräumen vor, sind aber in offenen und trockenen Gebieten am häufigsten. Hier könnte es sich um die Art Tolmerus atricapillus oder eine andere Art dieser Gattung handeln.


Diese Raubfliege saugt gerade mit ihrem Stechrüssel eine Stubenfliege aus. Man sieht den langen, schmalen Hinterleib.

Olivenfliege, Bactrocera oleae

Die Olivenfliege gehört zu den Bohrfliegen, bei denen es sich um hübsche, meist kleine Fliegen mit gestreiften Flügeln oder auffälligen Mustern auf Hinterleib und Hals handelt. Sie haben als Erwachsene nur eine Lebensdauer von ein paar Tagen. Die Maden leben in Pflanzen, oft in Früchten, wo sie einen bedeutenden Schaden an der Ernte anrichten können. Die Olivenfliege ist ein bedeutender Schädling im Mittelmeergebiet. Ihre Maden leben in den Oliven. Bei starkem Befall wird die Qualität des Öls beeinträchtigt: der Säuregehalt steigt. Wenn man die Fliege nicht bekämpft, geht die Ernte oft völlig verloren. Die Olivenfliege vermehrt sich insbesondere im Herbst, wenn die Oliven bald reif sind; hohe Temperaturen im Sommer schränken dagegen die Vermehrungsrate der Fliegen deutlich ein.

Früher wurde die Olivenfliege durch großflächiges Spritzen der Bäume mit Gift eingedämmt; heute kann man einen nicht zu starken Befall auch durch das rechtzeitige Aufhängen von Lockstoff-Fallen und durch kleinräumiges Spritzen (nicht auf die Oliven selbst) von mit Lockstoff versetztem Gift bekämpfen.


Die Olivenfliege Bactrocera oleae besitzt im Gegensatz zu vielen Vertretern der Bohrfliegen ungemusterte, durchsichtige Flügel, trägt aber eine auffällige Färbung auf dem Körper.

Olive mit Olivenfliegen-Schaden
An den befallenen Oliven sieht man die Einstichstelle, wo das Weibchen das Ei in die Olive gelegt hat; um sie herum bildet sich oft ein charakteristischer rotbrauner Ring. Aus dem Ei schlüpft schon nach zwei, drei Tagen (bei kühleren Temperaturen nach 10 Tagen) die kleine Made.


Die Made frisst sich durch das Fruchtfleisch der Olive, das dadurch stark an Qualität leidet. An der mittleren Olive sieht man die Stelle, an der die Made vor der Verpuppung die Olive verlassen hat.


Die Puppen fallen auf den Boden, und schon nach wenigen Tagen schlüpfen die jungen Fliegen. Die Puppen sind bei den Ameisen sehr beliebt, die sie fleißig in ihre Nester tragen.


Frisch geschlüpfte Olivenfliegen. Durch die schnelle Entwicklung der Fliege kann die Population unter günstigen Bedingungen zur Reifezeit der Oliven regelrecht explodieren.

Halmfliege, Chloropinae

Die Halmfliegen sind sehr kleine Fliegen, meist nur 2 mm groß, die aber oft in großen Mengen auftreten. Sie leben vor allem auf Wiesen. Die Larven leben oft in Gräsern oder anderen Pflanzen. Es gibt viele sehr ähnliche Arten. Hier handelt es sich vermutlich um eine Art der Gattungen Chlorops oder Thaumatomyia.


Diese nur 2 mm große gelbe Fliege mit ihrer hübschen schwarzen Zeichnung lebt an Gräsern und Sträuchern. Es gibt zahlreiche sehr ähnliche Arten in mehreren Gattungen.

Blumenfliege, Anthomyia spec.

Bei den Blumenfliegen handelt es sich um kleine bis mittelgroße Fliegen, die sich häufig auf Blumen aufhalten und sich als Adulte von Nektar ernähren. Die Larven sind ebenfalls meist phytophag; manche Arten sind bedeutende Pflanzenschädlinge und leben – je nach Art – an den Wurzeln z.B. von Zwiebeln, Kohl oder Bohnen. Die Larven mancher Arten leben jedoch auch parasitisch oder halten sich in Nestern von Wespen oder Bienen auf, wo sie von den Nahrungsvorräten leben.


Diese kleine Blumenfliegen-Art besitzt die für die Gattung Anthomyia charakteristische Zeichnung mit schwarzen Strichen auf dem grauen Halsschild.

Langbeinfliege, Medetera spec.

Die kleinen Langbeinfliegen leben räuberisch von anderen Insekten. Sie besitzen lange Beine und große Augen und haben oft eine leicht metallische Färbung. Ihre Haltung ist ungewöhnlich: Sie stehen sehr aufrecht. Die Larven dieser Gattung leben von in Rinde bohrenden Käferlarven. Obwohl es zahlreiche Arten gibt, werden die Langbeinfliegen wegen ihrer Kleinheit meist übersehen.


Die Langbeinfliegen der Gattung Medetera werden meist übersehen, da sie nur wenige mm groß sind. Sie sind an ihrer charakteristischen aufrechten Haltung und ihrer merkwürdigen Kopfform erkennbar.


Diese Fliegen ernähren sich räuberisch von kleinen Insekten.

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