Wanzen

Die Wanzen (Heteroptera) sind eine Unterordnung der Ordnung Schnabelkerfe innerhalb der Insekten, die außer den Wanzen noch die Zikaden und die Pflanzenläuse umfasst. Die Schnabelkerfe sind durch ihren Rüssel gekennzeichnet, d.h. sie besitzen stechend-saugende Mundwerkzeuge; außerdem haben sie bestimmte Charakteristika der Flügeladerung gemein.


Bei dieser auf dem Rücken liegenden Grünen Stinkwanze sieht man den zwischen den Beinen angelegten Saugrüssel, mit dem die Wanze die Pflanzen ansticht und ihren Saft saugt.

Die Wanzen umfassen weltweit etwa 40.000 Arten. Die meisten Arten sind Pflanzenfresser, manche leben räuberisch. Einige wenige Arten sind Ektoparasiten. Sie sind weltweit verbreitet und haben fast alle Lebensräume erobert; so gibt es z.B. auch Arten, die im Süßwasser oder auf dessen Oberfläche leben und sogar auch auf der Meeresoberfläche.

Wie alle Insekten zeigen auch die Wanzen eine Dreiteilung des Körpers in Kopf, Brust (Thorax) und Hinterleib. Der Kopf ist meist ziemlich klein und weist den Saugrüssel auf sowie meist vierteilige Antennen. Das vorderste Segment der Brust bildet das große Halsschild. Die hinteren zwei Brustsegmente besitzen je ein Flügelpaar. Das Rückenschild des mittleren Brustsegments ist als dreieckiges Scutellum oder Schildchen zwischen den Flügeln ausgebildet. Die Vorderflügel sind in ihrem vorderen Bereich sklerotisiert und nur im hinteren Drittel häutig (daher der Name Heteroptera). Die hinteren Flügel sind ganz häutig. Die Beine der Wanzen sind die typischen gegliederten Insektenbeine. Der Hinterleib besteht aus 11 Segmenten und ist rundlich oder länglich aufgebaut. Viele Wanzen zeigen eine auffällige Färbung; andere sind gut getarnt und fallen in ihrem natürlichen Umfeld kaum auf.

Die Wanzen gehören zu den Insekten mit einer hemimetabolen Entwicklung, d.h. die Larven werden den erwachsenen Tieren allmählich ähnlicher, ohne dass ein Puppenstadium zwischengeschaltet ist. Die Larve ist eine Nymphe, d.h. sie ist dem adulten Tier im großen und ganzen schon ähnlich und weist im Körperbau keine eigenen, bei den Erwachsenen nicht auftauchenden Merkmale auf.


Die Larven der Wanzen sehen im Großen und Ganzen den adulten Tieren ähnlich. Die Flügel fehlen allerdings noch; bei diesem Larvenstadium sind nur winzige Flügelanlagen ausgebildet.

Die meisten Wanzen ernähren sich von Pflanzensäften, die sie mit ihrem Saugrüssel aus der Pflanze saugen. Entsprechend können sie bei starkem Befall einen gewissen Schaden in der Landwirtschaft und in den Gärten anrichten, bei uns vor allem an Tomaten und Bohnen. Die Räuber unter den Wanzen leben hauptsächlich von anderen Insekten.

Gemeine Feuerwanze, Pyrrhocoris apterus

Die Feuerwanzen bilden eine eigene kleine Familie innerhalb der Wanzen. Sie besitzen oft auffallende Warnfarben. Die Gemeine Feuerwanze ist leicht an ihrer charakteristischen schwarzroten Färbung mit den runden schwarzen Flecken auf den Flügeln zu erkennen. Trotz ihrer auffälligen Warnfärbung scheint sie kaum giftig zu sein. Fressfeinde wie Vögel vermeiden sie offenbar, weil sie ähnlich gefärbt sind wie die giftigeren ebenfalls schwarzroten Ritterwanzen (Mimikry).

Die Gemeinen Feuerwanzen versammeln sich gern in großer Anzahl. Sie sind flugunfähig; bei den meisten Exemplaren sind die häutigen Flügel zurückgebildet. Sie sind phytophag und ernähren sich hauptsächlich von den Samen von Malvengewächsen. Die Art ist in Eurasien weitverbreitet.


Die flugunfähige Gemeine Feuerwanze ist an ihrer charakteristischen rot-schwarzen Färbung zu erkennen, die mich immer an eine afrikanische Holzmaske erinnert.

Pandur, Spilostethus pandurus

Diese hübsche Bodenwanze mit ihrer schwarz-roten Zeichung kommt häufig in Gärten vor, wo sie an Pflanzen aller Arten saugt.


Beim Pandur tragen das rote Halsschild und die Flügel eine charakteristische schwarze Zeichnung. Das kleine Scutellum ist schwarz.


Panduren bei der Paarung. Männchen und Weibchen sehen fast gleich aus.

Ritterwanze, Lygaeus equestris

Auch die sehr ähnlich gefärbte Ritterwanze gehört zu den Bodenwanzen. Sie ernährt sich von Pflanzensäften. Durch die Anreicherung von Bitterstoffen aus ihrer Nahrung sind die Ritterwanzen für Fressfeinde giftig oder schlecht schmeckend und werden gemieden.


Die Zeichnung der Ritterwanze erinnert an ein schwarzes Kreuz, daher der Name. Charakteristisch ist der weiße Fleck auf den Flügeln.

Weißpunkt-Bodenwanze, Melanocoryphus albomaculatus ?

Diese kleine, bei uns häufige Wanze ähnelt in der schwarz-roten Zeichnung der Flügel und des Körpers der Weißpunkt-Bodenwanze; ihr fehlt allerdings der namengebende weiße Fleck auf den Flügeln.


Bei dieser der Feuerwanze ähnlichen Art handelt es sich ebenfalls um eine Bodenwanze, möglicherweise um die Weißpunkt-Bodenwanze, obwohl die Färbung etwas abweicht.

Braune Randwanze, Gonocerus acuteangulatus

Die Braune Randwanze gehört zur Familie der Randwanzen, deren Name sich vom auffälligen, verbreiterten „Rand“ des Hinterleibs ableitet. Ihr Halsschild ist oft an den „Schultern“ zu auffälligen Spitzen verbreitert. Die eher unauffällige Braune Randwanze lebt insbesondere auf beerentragenden Sträuchern wie hier auf dem Mastixstrauch.


Die Braune Randwanze ist an den auffällig zugespitzten „Schultern“ zu erkennen. Der Name leitet sich vom verbreiterten Rand des Hinterleibs ab.

Grüne Stinkwanze, Palomena prasina

Es gibt mehrere grüne Wanzen bei uns. Eine davon ist die Grüne Stinkwanze, die ihren Namen übrigens zu recht trägt: Wenn man sie anfasst, sondert sie ein unangenehm riechendes Sekret ab. Die Gattung Palomena gehört zu den Baumwanzen. Ihre zwei bei uns vorkommenden Arten sind durchgehend grün gefärbt; im Winter werden sie manchmal bräunlich. Das Schildchen ist sehr groß. Bei dieser Art ist der Vorderrand des Halsschildes leicht konkav eingebuchtet.


Die Grüne Stinkwanze ist gänzlich grün gefärbt. Der Vorderrand des Halsschildes ist bei dieser Art ein wenig eingebuchtet (konkav). Auffällig ist das besonders große Schildchen.

Palomena viridissima

Die grüne Palomena viridissima lebt wie die vorige Art von vielen verschiedenen Pflanzen und kann einen gewissen Schaden im Garten hervorrufen. Beide sind bei uns ziemlich häufig. Von der Grünen Stinkwanze unterscheidet sie sich daran, dass die Schultern ein wenig konvex, nicht konkav sind.


Palomena viridissima ist der vorigen Art sehr ähnlich; meist ist auch sie gänzlich grün, es gibt aber auch bräunliche Formen.

Südliche Stinkwanze, Nezara viridula

Diese Art ebenfalls als adultes Tier gänzlich grün, weist jedoch drei bis fünf kleine weiße Punkte am Vorderrand des Scutellums auf. Ich habe bislang nur die Larvenform fotografiert, die leichter zu erkennen ist. Die Südliche Stinkwanze ist in den Tropen und Subtropen weltweit verbreitet und kommt auch im Mittelmeergebiet häufig vor. Sie ruft einen gewissen Schaden in der Landwirtschaft und in Gärten hervor. Dabei ist der direkte Schaden durch das Saugen an Früchten oder Stengeln nicht so bedeutsam; aber die Wanze überträgt sehr häufig eine Pilzkrankheit auf die Pflanze, die z.B. zum Abfallen der Früchte führt.


Die Nymphen der Südlichen Stinkwanze tragen auf der grünen Grundfarbe eine charakteristische Zeichnung mit weißen, schwarzen und roten Punkten.

Streifenwanze, Graphosoma lineatum

Auch die Streifenwanze gehört zu den Baumwanzen. Sie weist kräftige rote und schwarze Längsstreifen auf. Bei dieser Wanze ist das Scutellum so groß, dass es die Flügel und den Hinterleib vollständig bedeckt; nur ein kleiner, auf charakteristische Art abstehender Saum bleibt frei, der auffällig „radiär“ gestreift ist. Die Streifenwanze ist in Eurasien verbreitet und stellenweise häufig. Sie lebt auf Doldenblütlern, an deren Samen sie saugt, sowohl die Nymphen als auch die Imago.


Die schwarzrot gestreifte Streifenwanze ist unverwechselbar. Sie lebt auf den Blüten von Doldenblütern.

Wasserläufer, Gerridae

Auch die Wasserläufer gehören zu den Wanzen. Sie besitzen sehr schmale Körper. Die mittleren und hinteren Beinpaare sind sehr lang und werden kreuzweise gehalten. Durch ihre sehr dichte, kurze Behaarung sind sie wasserabweisend, so dass die Tiere auf dem Wasser laufen und springen können, wobei sie durch die Oberflächenspannung getragen werden. Die kürzeren vorderen Beine dienen der Lokalisierung von Beute (ins Wasser gefallene Kleintiere) anhand der Wasserbewegung sowie zu deren Ergreifen. Wie alle räuberischen Wanzen saugen die Wasserläufer ihre Beute mithilfe eines Saugrüssels aus. Die Wasserläufer haben unterschiedlich ausgebildete Flügel: Innerhalb einer Population gibt es sowohl flügellose Individuen als auch solche mit verkümmerten Flügeln und flugfähige Individuen mit voll entwickelten Flügeln.


In Europa leben etwa 16 Arten an Wasserläufern, die vor allem zur Gattung Gerris gehören. Die Arten sind sich sehr ähnlich, so dass die Bestimmung schwierig ist.

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