Delfi

Delfi – der Nabel der Welt. Eines der wichtigsten Heiligtümer der griechischen antiken Welt; wie das große Heiligtum auf Delos dem Gott Apollo geweiht. Seine Berühmtheit erlangte das Apollo-Heiligtum in Delfi vor allem durch seine Funktion als Orakel: über Jahrhunderte hinweg suchten die Griechen bei wichtigen Entscheidungen in Delfi Rat.


Blick vom Tempelgelände über das Tal des Xeropótamos

Delfi liegt um die 100 km westlich von Athen in etwa 700 m Höhe am Hang des Berges Parnass, nicht weit vom Golf von Korinth. Das Heiligtum ist malerisch weit oben am Berghang gelegen, umgeben von fast senkrechten Felswänden. Die Stätte ist ab dem 8. Jahrhundert v. Chr. als Heiligtum genutzt worden; zunächst wurde hier vermutlich die Erdgottheit Gaia verehrt, später der Gott des Lichts Apollo und Athene, Göttin der Weisheit, der Kunst und des Handwerks.

Mythos und Geschichte

Delfi wurde in der Antike als Mittelpunkt der Welt angesehen. Dem Mythos zufolge hatte Zeus zwei Alder von den äußersten Enden der Welt im Westen und Osten aus losfliegen lassen, die sich genau in Delfi trafen. Hier lag also der Nabel der Welt, und im Apollo-Tempel war ein konischer Stein aufgestellt, der den „Omfalos“ (gr. Nabel) repräsentierte.


Der Omfalos, Mittelpunkt der antiken griechischen Welt und Verbindungsachse zwischen Himmel, Erde und Unterwelt. Ursprünglich war der Stein im Apollo-Tempel aufgestellt; angeblich war er als Meteor vom Himmel gefallen. Der heute im Archäologischen Museum in Delfi ausgestellte Omphalos ist eine hellenistische oder römische Replik aus Marmor. Bemerkenswert ist die ungewöhnliche, einem Flechtwerk aus Wolle nachempfundene Skulpturierung des Steins.

Die Erdgottheit Gaia hatte dem Mythos zufolge eine geflügelte Schlange gezeugt, den Python, der hellseherische Fähigkeiten hatte und in Delfi lebte. Dieser wurde gemäß seiner eigenen Prophezeihung von Apollo getötet, und durch das vergossene Blut wurden die hellseherischen Fähigkeiten der Schlange auf den Ort Delfi übertragen. Vom Python leitete sich der Name der Priesterin ab, die die Orakelsprüche verkündete, der Pythia.

Schon im 8. und 7. Jhd. v. Chr. wurde das Apollo-Heiligtum in Delfi als Orakel genutzt, wie zahlreiche wertvolle und teilweise von weit her stammende Weihegeschenke zeigen. Gegen Ende des 7. Jhd. v. Chr. wurden die ersten steinernen Tempel errichtet, einer dem Apollo und einer der Athene geweiht. Ab dem 6. Jhd. erlangte das Orakel seine größte Bedeutung. Während das Heiligtum und das Orakel bislang von den in der nahe gelegenen Stadt Krissa wohnenden Griechen betrieben worden war, gelangte es nun unter die Herrschaft eines Bündnisses vieler Städte aus allen Teilen Griechenlands, der Amphiktyonen. Anlässlich des Sieges über die Anwohner von Krissa wurden im Jahr 582 v. Chr. die ersten Pythischen Spiele abgehalten, die die bedeutendsten griechischen Spiele nach denen von Olympia wurden und wie diese alle vier Jahre, jeweils zwischen den Olympischen Spielen stattfanden.

Die Tempel und Bauwerke des Heiligtums

Im Jahr 548 wurde ein neuer Apollo-Tempel errichtet, nachdem der alte durch einen Brand vernichtet worden war; dieser wurde 373 v.Chr. durch einen Bergsturz aufgrund eines Erdbebens zerstört und erneut wieder aufgebaut. Der Tempel war mit gut 20 x 58 Meter außergewöhnlich langgestreckt und besaß eine umlaufende Säulenhalle von 6 x 15 Säulen. Er war im dorischen Stil errichtet und von Nord nach Süd ausgerichtet mit der Vorhalle im Norden und dem Allerheiligsten, dem Adyton, im Süden. Der archaische Tempel war aus Poros-Gestein (Kalktuff) errichtet; für die zuletzt errichtete Ostfront wurde Marmor von der Insel Paros verwendet.


Der Apollo-Tempel liegt am Hang des Berges, von hohen Steilwänden beschützend umrundet.


Vom Apollo-Tempel ist außer den Fundamenten heute nicht mehr viel erhalten; im Zuge der Ausgrabungen wurden einige Säulen der Vorhalle wieder aufgestellt. Vorne im Bild liegt der heiligste Teil des Tempels, das Adyton, in dem die Pythia saß und ihre Orakelsprüche verkündete.


Blick vom Apollo-Heiligtum auf das einen knappen Kilometer entfernt unterhalb der heutigen Straße gelegene Heilgtum der Athene mit einem kleineren Tempel mit 6 x 12 Säulen und einem ungewöhnlichen, aus pendelischem Marmor (vom Berg Pendelis bei Athen) hergestelltem Rundbau von 13 m Durchmesser, dem Tholos.

Außer den Tempeln wurden auf dem Gelände des Heiligtums entlang der „Heiligen Straße“ im Laufe der Jahre, vor allem im 6. und 5. Jhd. v. Chr., zahlreiche (insgesamt 32) Schatzhäuser errichtet, in denen die wertvollen Weihegeschenke, die dem Tempel gestiftet wurden, aufbewahrt wurden. Die bekanntesten dieser Schatzhäuser waren das von Korinth, von Knidos, von Siphnos, von Sikyon und von Athen. Auf dem ganzen Gelände des Heiligtums waren unzählige Statuen aufgestellt, von denen sich leider nur sehr wenige erhalten haben. Eine der bekanntesten Statuen war die von den Naxiern gestiftete marmorne Sphinx, die auf einer 10 m hohen Säule stand.


Im teilweise rekonstruierten Schatzhaus der Athener wurden die Weihegeschenke der Stadt Athen aufbewahrt. Einflussreiche Städte errichteten Schatzhäuser dieser Art in Delfi, um ihre Stärke zu demonstrieren. Das Athener Schatzhaus misst gut 6 x 9 m und wurde um 500 v. Chr. aus parischem Marmor errichtet.

Ein sehr bekanntes Schatzhaus war das der Siphnier, von der durch ihre Gold- und Silberminen reich gewordenen Kykladeninsel Siphnos. Es wurde im Jahr 525 eingeweiht und ist im ionischem Stil errichtet. Teile des beeindruckenden, mit Figuren geschmückten Frieses sind im Museum in Delfi ausgestellt.


Hier ein Teil der im Nordfries dargestellten Gigantomachie (der mythische Kampf der Götter des Olymp gegen die Giganten, die die Macht an sich reißen wollten) mit dem von einem Löwen gezogenen Wagen der Göttermutter Kybele, weiter rechts sind Apollo und seine Zwillingsschwester Artemis abgebildet.


In diesem Teil des Frieses sind die kämpfenden Götter und Göttinnen Athene, Ares, Hermes und Poseidon abgebildet (von links nach rechts).


Unterhalb des Apollo-Tempels stand die von den Naxiern gestiftete Sphinx auf einer 10 m hohen Säule, die sich auf dem „Steinhaufen“ im Hintergrund des Fotos befand, direkt neben der Polygonalen Mauer, die die Terrasse des Apollo-Tempels abstützte. Auf dem Gelände des Heiligtums sind noch heute zahlreiche Basen von Statuen erhalten: das ganze Gebiet war ursprünglich mit Statuen, die als Weihegeschenke gestiftet waren, übersät.


Zeichnung der um etwa 570 v. Chr. gestifteten Sphinx der Naxier auf ihrer Säule


Die Sphinx ist erhalten und ist heute im Archäologischen Museum in Delfi ausgestellt. Sie war ein beeindruckendes Kunstwerk, mit dem die Insel Naxos ihre Bedeutung auf dem Gebiet des Marmorhandwerks und der Kunst klar demonstrierte.


Die Sphinx mit ihrem berühmten rätselhaften Blick war ein beliebtes Fabeltier in der griechischen Antike.

Im 5. Jhd. v. Chr. wurden auf dem Gelände des Heiligtums für die poetischen, theatralischen und athletischen Wettkämpfe der Pythischen Spiele ein Theater und (etwas außerhalb des Heiligtums) ein Stadium errichtet.


Das Theater von Delfi liegt am Hang oberhalb des Apollo-Tempels; es bot 5.000 Zuschauern Platz.


Blick über das Gelände des Heiligtums oberhalb des Apollo-Tempels in der Nähe des Theaters

Das Orakel

Das Orakel von Delphi wurde ab dem 8. Jhd. v. Chr. in größerem Umfang genutzt. Über viele Jahrhunderte hinweg wurde der Rat des Orakels vor allen größeren politischen oder militärischen Unternehmungen und vor allem vor der Gründung von Kolonien eingezogen. Die Fragen, die dem Orakel gestellt wurden, waren Entscheidungen zwischen zwei Möglichkeiten: man wandte sich an die Pythia mit der Frage ob dieses oder jenes Unterfangen Erfolg haben würde oder nicht, oder ob man dieses machen sollte oder das, oder für die einfacheren Besucher Ja/Nein-Fragen, die durch das Ziehen einer weißen oder schwarzen Bohne aus einem Behälter beantwortet wurden. In der ältesten Zeit verkündete das Orakel seine Prophezeihungen nur einmal im Jahr, danach einmal im Monat. Am entsprechenden Tag wurde zunächste eine Ziege geopfert, dann badete die Pythia im Wasser der Heiligen Quelle und trank aus einer zweiten Quelle. Danach begab sie sich in den Apollo-Tempel, wo sie die Weissagungen sprach.

Es ist nicht genau bekannt, wie die Orakelsprüche gegeben wurden. Die Pythia, die einzige Frau, die den Apollon-Tempel betreten durfte, saß auf einem dreifüßigen Schemel im Innersten des Tempels, dem Adyton. Manchen Interpretationen zufolge wurde sie durch aus einer Erdspalte dringende Gase (möglicherweise Ethylen) in einen Trance-artigen Zustand versetzt. Die Fragesteller verrichteten zuerst ein Opfer und bezahlten einen Preis, dann wurden sie ins Adyton gelassen und stellten der Pythia ihre Frage. Die Antwort der Pythia wurde allem Anschein nach von den Priestern des Apollo wiedergegeben und interpretiert. Es sind keine Informationen zum Ablauf der Konsultationen des Orakels aus der Zeit erhalten, als das Orakel in Funktion war, und auch kaum Inschriften, die uns verlässliche Informationen vermitteln. Es sind eine ganze Reihe von Prophezeihungen oder Antworten der Pythia überliefert, wobei aber ziemlich unklar ist, ob es sich um tatsächliche Orakelsprüche oder um Legenden und nachträgliche Interpretationen handelt. Gemäß dieser Überlieferungen gab die Pythia oft zweideutige oder irreführende Antworten. Es ist allerdings nicht abzustreiten, dass über viele Jahrhunderte hin die Ratschläge der Pythia so sehr geschätzt wurden, dass die Griechen sie regelmäßig in wichtigen Entscheidungen zu Rate zogen; auch Vertreter der Nachbarvölker kamen nach Delfi um den Rat der Pythia einzuholen.

Einer der bekanntesten Orakelsprüche der Pythia ist ihre Antwort an den lydischen König Krösus, der wissen wollte, ob er bei einem Angriff auf die Perser siegreich sein würde: „Wenn Du den Fluss Alys (die Grenze zwischen den beiden Reichen) überschreitest, wird ein großes Reich zerstört werden“. Krösus verstand die Antwort zu seinem Gunsten, aber das große Reich, das zerstört wurde, war sein eigenes.

Als die Perser 480 v. Chr. auf Athen zumarschierten, suchten die Athener den Rat der Pythia über das Schicksal ihrer Stadt. Die Pythia antwortete ihnen, dass die hölzernen Wände ihre Stadt retten würden. Viele interpretierten diese Prophezeihung so, dass hölzerne Schutzwände gebaut werden müssten. Themistoklis, einer der Offiziere des Militärs, verstand unter den hölzernen Wänden die Schiffsflotte der Stadt und lies die Stadt evakuieren. Tatsächlich konnte die Flotte der Athener den Persern bei Salamina die entscheidende Niederlage beibringen.

Einem reichen Kaufmann aus Magnesia, der wissen wollte, ob er die größten Opfergaben dargebracht hätte, antwortete die Pythia der Legende gemäß, dass die regelmäßigen Spenden des armen Bauern Klearchos einen weit größeren Wert hätten.

Die Pythia entschied auch, auf die Frage des Atheners Chairephon, dass Sokrates der weiseste aller Menschen sei, was Sokrates selbst so interpretierte, dass er immer wisse, dass er nichts wisse – die Vorraussetzung für tatsächliche Weisheit.

Die Weihegaben

Die Bedeutung des Heiligtums wird besonders deutlich in den unzähligen, wertvollen bronzenen, marmornen, elfenbeinernen und goldenen Weihegeschenken aus allen Teilen Griechenlands, die von Städten und Einzelpersonen als Dank für einen hilfreichen Orakelspruch oder einen Sieg (nicht nur gegen „Barbaren“, sondern auch gegen andere griechische Städte) gestiftet wurden. Leider sind nur sehr wenige dieser Weihegeschenke heute erhalten.


kleine Bronzetiere, die als Weihegaben gestiftet worden waren


auf dem Gelände des Heiligtums gefundene Metallwaffen


Heute sind nur wenige der früher sehr reichen Goldgaben im Heiligtum erhalten: Hier handelt sich um eine von zwei elfenbeinernen, mit Gold geschmückten Statuen, vermutlich der Artemis und des Apollon, im 6. Jhd. v. Chr. von der Insel Samos gestiftet.


sorgfältig gearbeitete, mit Tierdarstellungen verzierte Goldbänder


kleine, hübsche Elfenbeinstatuetten von tanzenden Figuren


Überreste einer Bronze-Skulptur


Römische Statue des Antinoos, des Lieblings von Kaiser Hadrian, der im Nil ertrank – aus je nach Quelle sehr unterschiedlich dargestellten Gründen.

Das berühmteste Ausstellungsstück des Museums in Delfi ist ohne Zweifel der Wagenlenker, eine der am besten erhaltenen originalen griechischen Bronzestatuen. Es handelt sich um den Sieger eines Wagenrennens der Pythischen Spiele, ursprünglich zusammen mit seinem Wagen, den Pferden und einer die Pferde haltenden Person dargestellt. Die Statue wurde um 475 v. Chr. in sieben Einzelteilen gegossen und beim Erdbeben im Jahr 373 v. Chr. verschüttet, wodurch sie erhalten blieb – im Gegensatz zu fast allen anderen Bronzestatuen des Heiligtums, die im Krieg zwischen den Phokern und den Amphiktyonen eingeschmolzen wurden, um Waffen herzustellen.


Der Wagenlenker ist eine der wenigen gut erhaltenen Bronzeskulpturen der griechischen Antike. Besonders beeindruckend die mit Glasfluss eingelegten Augen.


Außer dem Wagenlenker selbst sind von der Statuengruppe nur spärliche Reste der Pferde und des Wagens erhalten.

Der Niedergang des Orakels

Im Jahr 356 v. Chr. brach ein zehnjähriger Krieg zwischen den Amphiktyonen und den lokalen Phokern aus, im Laufe dessen die silbernen und goldenen Weihegeschenke aus dem Heiligtum geraubt und in Münzen verwandelt wurden, mit denen die Söldner für den Krieg bezahlt wurden, während die bronzenen Statuen für die Herstellung von Waffen eingeschmolzen wurden. Phillip von Makedonien kam den Amphiktyonen zu Hilfe, verlangte aber nach dem Sieg über die Phoker entgegen dem Widerstand der Theber und Athener als Oberhaupt über das Apollo-Heiligtum anerkannt zu werden – so wie auch als Herrscher über ganz Griechenland. Zur Zeit Alexander des Großen wurden auch private Stiftungen von Statuen und anderen Weihegeschenken häufiger, d.h. mehr und mehr suchten Privatpersonen und nicht mehr nur ganze Städte den Rat des Orakels, dessen Bedeutung nun nach und nach zurückging.

Auch im 3. und 2. Jhd. v. Chr., in der hellenistischen Zeit, wurden weiterhin wertvolle Weihegeschenke an Delfi gestiftet, wenn auch in geringerer Zahl und größtenteils von den bislang unbedeutenderen Gebieten oder Städten Griechenlands, die nun auf diese Weise ihre Macht demonstrieren wollten. In dieser Zeit erlangten die Aitolier die Oberherrschaft über das Heiligtum und errichteten ein neues Theater und eine große Säulenhalle westlich des Tempels; andere Herrscher der neuen Staaten auf griechischem Gebiet stifteten andere Bauten auf dem Gelände des Heiligtums. Nun wurden die meisten der Inschriften auf den Steinen der Polygonalen Mauer und der Basen der Statuen eingeritzt, vor allem Ehrenbezeugungen von Städten und Besuchern des Orakels sowie Danksagungen von ehemaligen Sklaven, die sich freigekauft hatten.


ein Säulensockel mit nachträglich angebrachten Inschriften


Die Polygonale Mauer unterhalb des Tempels ist in großen Teilen mit feinen, sorgfältigen eingeritzten Weihe-Inschriften und Ehrenbezeugungen übersät.


hier eine der Inschriften von nahem


Die Fläche, auf der die Inschrift eingemeißelt wurde, wurde vorher geglättet, während die übrige Steinoberfläche rauhe Bearbeitungsspuren trägt.

Auch in römischer Zeit, im 1. Jhd. v. Chr. und in den drei Jahrhunderten danach wurde das Heiligtum noch genutzt, sogar auch von den römischen Kaisern. Aber die Bedeutung des Orakels war unwiderbringlich zurückgegangen und es wurde meist nur noch für private Fragen konsultiert, nicht mehr für bedeutende politische und militärische Entscheidungen. In den letzten Jahrhunderten seiner Existenz kamen die Besucher weniger zu religiösen Zwecken nach Delfi und mehr als Besucher und „Touristen“. Im Laufe dieser Jahre verschwanden vermutlich auch fast alle der noch übrig gebliebenen Statuen aus dem Heiligtum; einige wurden nach Rom gebracht, aber von den meisten ist das Schicksal unbekannt. Schließlich wurden auch die Gebäude zerstört, ob von menschlicher Hand oder durch Erdbeben ist unbekannt. Als letzer Orakelspruch ist eine Antwort an den römischen Kaiser Julian überliefert, in der das Orakel sein eigenes Ende besiegelte: das Gebäude des Apollon sei zerfallen, sein Lorbeer verschwunden, die Quelle verstummt.

Im 5. Jhd. n. Chr. wurde eine Kirche im alten Heiligtum errichtet, und die Stadt von Delfi verwendete viele Steine und Bruchstücke der alten Gebäude für neue Konstruktionen. Gegen Ende des Mittelalters schließlich war die Lage des Orakels vergessen; über dem alten Heiligtum lag nun das kleine Dorf Kastri. Erst 1676 wurde die Lage von Delfi aufgrund einer Inschrift von englischen und französischen Reisenden wiederentdeckt. Um die Mitte des 19. Jahrhunderts begannen schließlich die Ausgrabungsarbeiten im antiken Heiligtum, vor allem von französischen Archäologen. Die Fundamente der Tempel und zahlreicher anderer Gebäude wurden freigelegt, einige Säulen des Apollon-Tempels wieder aufgerichtet, das Athener Schatzhaus rekonstruiert und ein Museum gebaut, das die leider sehr spärlichen, aber trotzdem sehr bedeutenden Funde aus dem Heiligtum beherbergt – eines der sehenswertesten archäologischen Museen Griechenlands. Im Jahr 1987 wurden die Ausgrabungen in Delfi, einer der wichtigsten antiken Stätten Griechenlands, zur Liste des Weltkulturerbes der UNESCO hinzugefügt.

Und zum Schluss noch eine kleine biologische Einlage:


Ende Mai blühen auf dem Gelände des Heiligtums zahlreiche hübsche Blumen; hier eine Glockenblume.


Dieses gelbe Rauhaargewächs kommt in den Ruinen häufig vor, vermutlich handelt es sich um eine Alkanna-Art.


Die bemerkenswertesten Vögel des Ausgrabungsgelände sind die Felsenkleiber, eine Art, die gern in Ruinen lebt: Hier sitzt ein Exemplar auf einer antiken Säule.


Der Felsenkleiber ist ein auffälliger, wenig scheuer Vogel mit einem lauten, einfachen, flötenden Gesang. Hier ein Altvogel mit Futter im Schnabel.


Der Felsenkleiber baut sein Nest an überhängenden Felswänden aus Lehm und Speichel mit einem kleinen getöpferten Eingang. Dieses Nest lag in einer kleinen Nische direkt neben dem Apollo-Tempel.