Die mykenische Epoche

Als mykenische Epoche wird die Späte Bronzezeit (etwa 1700 bis 1150 v. Chr.) bezeichnet. Wichtigstes Zentrum der mykenischen Epoche waren der Peloponnes und das südliche griechische Festland (Attika, Böotien). Das „Mykenische Reich“ bestand aus einer Reihe vermutlich monarchisch organisierter Stadtstaaten wie Mykene, Tiryns, Theben, Pylos und Athen. Die von Homer in der Ilias und der Odyssee beschriebenen achaischen Helden waren Mykener, und der Trojanische Krieg fand in der mykenischen Epoche statt.

Die mykenische Kultur ist die erste Hochkultur auf dem europäischen Festland. Die Bevölkerung lebte in gut organisierten Städten und bestattete ihre Toten in Schacht- und Kistengräbern; für die Fürsten wurden aufwändige Kuppelgräber errichtet. Auffällig ist die oft ausgesprochen reiche Ausstattung der Gräber mit Schmuck (oft aus Gold), mit Waffen und mit hochwertiger Keramik. Die Mykener besaßen eine Silbenschrift (Linear B), die sich aus der kretischen Linearschrift A entwickelt hatte. Im Gegensatz zur minoischen Epoche wurde nun die griechische Sprache gesprochen. Ab dem 15. Jahrhundert unterwarfen die Mykener Kreta (wo die minoische Kultur nun ein gewaltsames Ende nahm) sowie die Ägäis einschließlich der Kleinasiatischen Küste.

Auf Naxos gibt es einige Zeugnisse aus der mykenischen Epoche, wenn auch unser Bild bei weitem nicht vollständig ist. Schon recht früh in der mykenischen Epoche, im 15. Jahrhundert, entstand in der Chóra von Naxos über den jungsteinzeitlichen und frühbronzezeitlichen Siedlungsresten die erste größere Stadt der Insel. In der Nähe der mykenischen Stadt in der Grótta wurden antike Friedhöfe entdeckt und ausgegraben, die einige noch vollständig erhaltene Gräber aus dem 12. Jahrhundert umfassten. Die Gräber besaßen auffällig reiche Grabbeigaben mit hochwertigen Töpferwaren, zahlreichen Schmuckstücken auch aus Gold und einigen Waffen; sie bezeugen einen hohen Lebensstandard und einen auffälligen Reichtum der Siedlung. Bemerkenswert sind vor allem die sehr schönen Bügelkannen, die im für die mykenische Spätzeit typischen „Meeresstil“ mit großen Oktopussen, Fischen und Vögeln verziert sind. Die Blüte der mykenischen Siedlung der Chóra beruht vermutlich nicht nur auf einer reichen lokalen Wirtschaft und Produktion, sondern auch auf der Lage der Insel am wichtigen Seeweg vom Peloponnes und Attika in die östliche Ägäis und an die kleinasiatische Küste, die in dieser Zeit von den Mykenern besiedelt wurden. Außer der Stadt und den Friedhöfen der Chóra ist das wichtigste Zeugnis der mykenischen Epoche auf Naxos ein Kuppelgrab bei Komiakí.

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